Ein regionales Bikesharing-System „MyRadl“ startet derzeit im Raum des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Nach dem Konzept soll man ein Fahrrad an einer MyRadl-Station ausleihen, dann radeln und an einer beliebigen MyRadl-Station wieder abgeben können. „Dadurch entsteht in der gesamten Region ein attraktives Nahverkehrsangebot, das Bus, Bahn, Rad- und Fußverkehr gut miteinander verknüpft“, erläutert das Landratsamt Starnberg. Geplant sind nach seinen Angaben knapp 1000 Standorte und rund 6800 Fahrräder. Im Landkreis Starnberg sind die Gemeinden Gauting, Gilching, Herrsching, Seefeld und Weßling dem System beigetreten. Die Gemeinde Tutzing ist nicht dabei. Der Tutzinger Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr habe eine Teilnahme abgelehnt, erläutert das Landratsamt auf Nachfrage von vorOrt.news.
Wir haben uns daraufhin bei der Gemeinde Tutzing nach den Gründen dafür erkundigt. Sie verweist unter anderem auf fehlende Erfahrungswerte: „Derzeit liegen noch keine ausreichenden Erfahrungswerte mit dem System in der Region vor, die eine fundierte Bewertung der Erfolgsaussichten und des tatsächlichen Nutzens für Tutzing ermöglicht hätten.“ Weiter gebe es eine mangelnde regionale Vernetzung: Ein wesentlicher Aspekt sei es gewesen, dass die umliegenden Kommunen nicht am System teilnehmen würden. Dadurch wäre keine sinnvolle Verbindung zwischen den Gemeinden entstanden, was die Attraktivität und Funktionalität des Bikesharing-Angebots erheblich eingeschränkt hätte. Schließlich werden hohe Kosten als Grund genannt. Die finanziellen Belastungen für die Gemeinde seien als zu hoch eingeschätzt worden, insbesondere im Verhältnis zum erwarteten Nutzen bei einer isolierten Teilnahme ohne regionale Vernetzung. Dies habe in der Gesamtbetrachtung zu der Entscheidung geführt, zunächst nicht am MyRadl-System teilzunehmen.
Landrat Frey sieht Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs
Als Ergänzung des bestehenden öffentlichen Personennahverkehrs begrüßt demgegenüber der Starnberger Landrat Stefan Frey „MyRadl“. Damit werde die Lücke von der Bus- oder der Bahnhaltestelle zum Wohnort, zum Arbeitsplatz oder einem anderen Ziel im Ort geschlossen, argumentiert er.
Das Bikesharing-System soll nun nach und nach aufgebaut werden. Gleich am Start dabei ist die Gemeinde Gilching, die nach Angaben des Landratsamts in diesem Frühjahr mit drei Stationen und 22 mechanischen Fahrrädern sowie sechs Pedelecs an den Start geht. Im Frühjahr 2027 sollen weitere Gemeinden dazukommen, nämlich Herrsching mit fünf mechanischen Fahrrädern und zehn Pedelecs an zwei Stationen, Seefeld mit sechs mechanischen Fahrrädern und vier Pedelecs an einer Station, Weßling mit 25 mechanischen Fahrrädern an vier Stationen und Gauting mit sechs mechanischen Fahrrädern und zwei Pedelecs an zwei Stationen.
Das Landratsamt sieht in diesem Angebot „einen erheblichen Mehrwert“. Vorteile gebe es nicht nur beim Pendeln zur Arbeit und im Tourismus, sondern auch besonders im Alltag. Die geplanten Stationen orientierten sich entlang der S-Bahnlinien S6 und S8 und ermöglichten durch „gezielte Gegenstationen“ unter anderem direkte Verbindungen in die Gewerbegebiete von Weßling und Gilching.
Gleichzeitig, so das Landratsamt, stehe das Angebot für ein zeitgemäßes Mobilitätsverständnis: unterschiedliche Verkehrsmittel flexibel miteinander zu kombinieren, statt sich dauerhaft festzulegen. Als intelligente Schnittstelle zwischen Fahrrad, Bus und S-Bahn erleichtere das System die Organisation der letzten Meile erheblich und leiste damit einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs.
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Kommentare
zunächst herzlichen Glückwunsch: Sie haben erkannt, dass ein Sharing-System Stationen braucht. Das steht im Artikel, im Kommentar von Herrn Reitnauer und in jedem Text, der zu diesem Thema verfasst wurde. Aber schön, dass wir das jetzt gemeinsam festhalten konnten.
Ihr vermeintlicher Widerspruch löst sich leider in dem Moment auf, in dem man Herrn Reitnauers Alltag zu Ende denkt statt nur bis zum nächsten rhetorischen Punktsieg. Der Mann pendelt von Traubing nach München. Morgens zum Bahnhof, abends zurück. Er nimmt abends am Bahnhof ein Pedelec, radelt nach Traubing und steht am nächsten Morgen mit exakt diesem Rad wieder am Bahnhof. Das Fahrrad kehrt dorthin zurück, wo es herkam. Jeden Tag. Wie von selbst. Der Pendler ist sein eigener Rebalancing-Mechanismus. Man müsste es nicht einmal erklären, wenn man den Anwendungsfall nicht mit einer Voreingenommenheit liest, die das Verstehen zuverlässig verhindert.
Dass dafür eine Station am Bahnhof Tutzing existieren müsste? Potzblitz, korrekt! Die gibt es aber nicht. Weil Tutzing nicht mitmacht. Sie verwechseln eine politisch herbeigeführte Lücke mit einem Konstruktionsfehler. Das ist ungefähr so, als würde man den Regenschirm ablehnen und sich anschließend darüber beschweren, dass man nass wird.
Ich finde es bemerkenswert, dass Sie einem Text, dem Sie gerade noch argumentative Bodenhaftung attestiert haben, im selben Atemzug zutrauen, maschinell erzeugt worden zu sein. Entweder der Text ist schwach, dann wäre die KI schlecht. Oder er ist so gut, dass nur eine KI ihn geschrieben haben kann, dann war er offenbar doch nicht so bodennah. Hmmm...bitte entscheiden Sie sich. Beides gleichzeitig funktioniert nicht.
Das ist im Übrigen der einzige echte Widerspruch in dieser ganzen Diskussion. Und er stammt von Ihnen.
Aber falls es Sie beruhigt: Für die Analyse Ihrer Argumente brauche ich weder künstliche Intelligenz noch einen verregneten Sonntag. Da reicht ein guter Doppio ;)
Aber Herr Sili, wenn man Ihren Text genau liest, widersprechen Sie sich an einer zentralen Stelle selbst.
Sie schreiben, MyRadl sei für „kurz ausleihen und abstellen“ konzipiert. Das ist korrekt – setzt aber zwingend voraus, dass Start- und Zielort über Stationen verfügen.
Gleichzeitig führen Sie Herrn Reitnauer als Beispiel an, dem das System beim Pendeln helfen würde. Genau hier liegt der Bruch:
Wenn es am Zielort (z. B. Traubing) keine Station gibt, kann er das Rad dort nicht abstellen.
Damit bleibt nur:
Rückfahrt zur nächsten Station → am Bedarf vorbei
oder Mitnahme über Nacht → widerspricht Ihrem eigenen „Kurzzeit“-Argument
Ihr Beispiel funktioniert also nur unter Bedingungen, die in der Realität gerade nicht gegeben sind.
Kurz gesagt:
Das System ist für kurze Wege zwischen Stationen sinnvoll – aber genau diese Voraussetzung fehlt hier.
Und in dem Fall bin ich mir sicher sogar mit Herrn Kerbs einig.
Herr Sili, den Anspruch zum rhetorischen Höhenflug erkennt man – die Umsetzung blieb jedoch eher bodennah.“ Sie sollten sich eine bessere KI suchen.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Fünf Gemeinden im Landkreis Starnberg wagen das Unerhörte und stellen Leihfahrräder auf. Tutzing sagt: Nein danke, wir warten lieber, bis ausreichend Erfahrungswerte vorliegen. Erfahrungswerte. Bei Leihfahrrädern. Einem Konzept, das in Paris seit 2007 funktioniert, in Hamburg seit 2009, und das weltweit in über tausend Städten im Einsatz ist. Aber klar, solange nicht empirisch belegt ist, dass ein Tutzinger auf einem Sattel sitzen kann, ohne dass der Starnberger See seinen Pegel ändert, wäre jede Entscheidung voreilig.
Die Begründung der Gemeinde liest sich wie das Pflichtenheft deutscher Untätigkeit: Keine Erfahrungswerte. Keine regionale Vernetzung. Zu teuer. Das ist die kommunalpolitische Dreifaltigkeit des Stillstands. Man könnte sie in Bronze gießen und vor dem Rathaus aufstellen, als Mahnmal für alle Ideen, die es nicht über den Verwaltungsausschuss hinaus geschafft haben.
Besonders schön ist das Vernetzungsargument. Tutzing macht nicht mit, weil die Nachbarn nicht mitmachen. Die Nachbarn machen aber mit. Nur Tutzing eben nicht. Das ist, als würde man eine Party absagen, weil niemand kommt und dabei übersehen, dass man selbst der Einzige ist, der abgesagt hat.
Und dann die Kommentarspalte. Mein Gott, die Kommentarspalte!
Herr Vahsen hat recherchiert, „ohne grüne Brille", wie er betont, was unter Leuten, die das betonen müssen, ungefähr so viel bedeutet wie „ich bin kein Rassist, aber". Er rechnet vor, dass ein Pendler, der das Rad über Nacht mit nach Hause nimmt, 200 bis 300 Euro im Monat zahlen würde. Das ist zwar nicht das Nutzungsszenario, für das Bikesharing konzipiert ist (kurz ausleihen, abstellen, fertig) aber warum sollte man sich von der Funktionslogik eines Systems irritieren lassen, wenn man es doch viel eleganter widerlegen kann, indem man es falsch benutzt.
Herr Mieth wiederum fragt, ob nicht jeder schon ein Fahrrad im Keller habe. Ja, Herr Mieth, und jeder hat auch eine Küche zu Hause. Trotzdem gibt es Restaurants. Nicht alles, was man theoretisch selbst besitzt, hat man auch immer dabei. Das ist, und ich sage das mit aufrichtiger Zuneigung, der ganze Witz an Sharing.
Herr Wagner ist sich nicht sicher, ob es etwas kostet. Hat sich aber nicht eingelesen. Kommentiert trotzdem. Das ist Bürgerbeteiligung im reinsten Wortsinn: teilnehmen, ohne teilzuhaben.
Dazwischen ein gewisser Thorsten Kerbs, der mit der Ausdauer eines Marathonläufers und der Frustrationstoleranz eines Heiligen gegen jeden einzelnen Einwand anschreibt, als wäre die Kommentarspalte von vorOrt.news der letzte Verteidigungsgraben der Aufklärung. Man möchte ihm ein Bier ausgeben. Oder eine Therapie bezahlen. Vielleicht beides.
Und ganz unten, fast schon verschüttgegangen, steht der Kommentar von Steffen Reitnauer. Der tatsächlich in Traubing lebt, tatsächlich pendelt, tatsächlich regelmäßig seinen Bus verpasst, weil die S-Bahn zu spät kommt. Ihm würde MyRadl konkret helfen. Aber seine Stimme geht unter im Chor derer, die erklären, warum etwas nicht geht, das sie selbst nicht brauchen.
Tutzing, 2026. Wo man die Zukunft ablehnt, weil sie noch keine Vergangenheit hat.
Nur folgt daraus nicht, dass MyRadl unsinnig wäre, sondern dass ein solches System von ausreichender Stationsdichte lebt. Sie beschreiben also ein Ausbauproblem, liefern aber keinen Gegenbeweis gegen das Angebot selbst.
Für alle, die für den Weg zwischen Bahnhof und Ziel nicht dauerhaft ein eigenes Fahrrad vorhalten wollen, bleibt MyRadl genau das, was Sie selbst schon eingeräumt haben: eine sinnvolle Ergänzung.
Herr Reitnauer beschreibt einen Pendler, der das Rad mit nach Hause nimmt. Ihr Modell funktioniert nur, wenn man es sofort wieder abstellt – nur: ohne Station läuft die Uhr weiter. Genau das ist das Problem.
Ihr „Strohmann“-Vorwurf wirkt da eher unfreiwillig komisch. Sie widerlegen kein Argument, Sie ignorieren es.
Und Ihre belehrende Tonlage ersetzt keine Lösung – sie offenbart vor allem Ihr fehlendes Verständnis für die praktische Umsetzung. Ihre Vorgehensweise bezeichnet man in der Praxis als zur Schau gestelltes Besserwissen – viel demonstriertes Studium, aber an der praktischen Realität hängen geblieben.
Aber das solls gewesen sein.
Dass Ihr hypothetisches Dauermiet-Szenario teuer wäre, stimmt. Es ist nur nicht das Angebot, über das wir hier diskutieren. Ihre Rechnung widerlegt also nicht MyRadl, sondern ein MyRadl, das es so nicht gibt. (Man bezeichnet Ihr diskursive Vorgehensweise übrigens als "Strohmann-Einwand" – der zur Sachlichkeit eher in einem Spannungsverhältnis steht.)
P.S. Deutschlandticket-Inhaber sollen laut Projektbeschreibung die ersten 30 Minuten sogar kostenlos nutzen können. Bareisl- und Luswiesen-Anwohner mit Deutschlandticket würden die Räder somit ganz ohne zusätzliche Kosten nutzen. – Man fragt sich, für wen der Gemeinderat mit seiner Ablehnung eigentlich entschieden hat.
Für Gelegenheitsnutzer hingegen, die gelegentlich einen Radausflug machen möchten, ist das sicher eine feine Sache. Ein Rad in Tutzing oneway mieten und ein paar Stunden später an einer anderen Station abzugeben..
Auch „Villenbesitzer“ können Pendler sein - von daher sehe ich da keinen Unterschied - nur weil ich heutzutage in Tutzing z.B. eine Villa habe - heißt es nicht automatisch, dass ich auch sehr reich oder flüssig bin….
Herrn Weselsky als Kronzeugen für Managementkritik an der Bahn anzuführen ist übrigens charmant. Er hat jahrelang für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal gekämpft, also gerade für das, was ohne deutlich mehr Investitionen gar nicht zu haben ist.
Das hört man übereinstimmend vom Bund der Steuerzahler, vom Verband der Bahnkunden oder auch von Gewerkschaftlern wie Herrn Weselsky.
Das war keine Naturgewalt, sondern politische Entscheidung. CSU-Bundesverkehrsminister haben seit Jahrzehnten verlässlich bayerische Autobahnen und Landstraßen priorisiert, nachweislich auf Kosten der Schiene und des ÖPNV.
Auf die Bahn zu schimpfen ist verständlich. Aber wer sie jahrelang ausgehungert hat und sie jetzt für die Folgen kritisiert, macht es sich als Wähler etwas zu einfach.
Der MVV kriegt's anno 2026 trotz Mobilfunk, sms & mobilen Internet nicht gebacken, daß die Anschlüsse im eigenen System funktionieren.
Sollen doch die Kunden auf Ebikes des Kooperationspartners umsteigen, wenn der Bus mal wieder nicht auf den Anschluss gewartet hat?
Das kann es doch nicht sein! Abends & nachts? Bei Regen & Schnee? Dafür kauft man doch kein MVV Ticket bis nach Traubing.
Warum gibt's offensichtlich keine oder zumindest zu wenig Kommunikation zwischen S-Bahn & Buslinien?
Warum kann ein Busanschluss nicht die 1 Minute warten, statt den Kunden vor der Nase wegzufahren?
Für einen Bus ist 1 Minute wenig; wie Glück oder Pech bei der nächsten Ampel.
Warum gibt es überhaupt so viele, fast schon regelmäßige Verspätungen im zugrunde liegenden Schienenverkehr der DB und des MVV?
Fällt da jeden Tag ein Baum auf die Schienen, oder ist es doch grundsätzlich schlechte Planung?
Vielleicht sollte man auch bestimmte, knappe Anschlüsse einfach grundsätzlich mit 1-2 Minuten mehr Luft planen?
Die Frage ist daher nicht, ob Bikesharing perfekte Verfügbarkeit garantiert, sondern ob es die bestehende Anschlusslücke sinnvoll verringert. Genau darauf hat Herr Reitnauer hingewiesen.
Wer daraus ableitet, man solle besser gleich beim privaten Reservefahrrad bleiben, beschreibt keinen Sachzwang, sondern, und damit wiederhole ich mich: verteidigt schlicht den Status quo.
Wenn Nutzer beginnen, sich mit solchen Behelfskonstruktionen zu organisieren, zeigt das ja gerade, dass das System die erforderliche Verlässlichkeit nicht bietet.
Genau darum ging es: Bikesharing mag im Grundsatz sinnvoll sein – für Pendler, die zu festen Zeiten darauf angewiesen sind, ersetzt es jedoch kein verlässlich verfügbares Verkehrsmittel.
Bitte nichts hineininterpretieren, was so nicht gesagt wurde. Und ehrlich gesagt habe ich keine Lust mehr, auf Ihre unqualifizierten Antworten weiter einzugehen und werde das auch nicht mehr tun.
Herr Reitnauer hat seinen Bedarf selbst klar benannt. Er braucht kein Backup-Rad im Gebüsch, sondern ein funktionierendes Mobilitätssystem – genau das, was andere Kommunen längst bereitstellen, während Tutzing abwartet.
Das eigentliche Thema ist ja kein technisches, denn Bikesharing ist in Dutzenden Kommunen und Städten längst Alltag. Es geht darum, ob öffentliche Ressourcen auch Menschen zugutekommen, die kein Auto vor der Tür stehen haben, oder ob das weiterhin als nachrangig gilt. Diese Entscheidung trifft der Gemeinderat. Und diese Diskussion zeigt sehr deutlich, wessen Interessen dabei als selbstverständlich gelten und wessen als rechtfertigungspflichtig.
Bikesharing ist eine nette Idee – solange man es nicht wirklich braucht.
Für Pendler, die morgens und vor allem abends zuverlässig ein Rad benötigen, bleibt es ein Glücksspiel: Mal steht eins da, mal eben nicht.
Mobilität ja – Verlässlichkeit nein. Alles andere sind Werbeaussagen der Betreiber.
Eine interessante Lösung habe ich auch gelesen: Ein eigenes einfaches altes Rad als Backup am Bahnhof stationieren, wenn kein Pedelec da ist.
Herr Rekus stellt die richtige Frage – sie ist nur längst beantwortet. Bikesharing-Systeme kämpfen tatsächlich mit Ungleichgewichten: Pendlerströme bewegen Räder morgens zum Bahnhof, abends zurück. Das ist nicht zufällig, sondern gut vorhersagbar und wird in allen etablierten Systemen durch aktives Rebalancing gelöst. Teils mit Fahrzeugen, teils durch nutzerseitige Anreize. Studien zeigen, dass 70 bis 80 % der Stationen sich über den Tag ohnehin weitgehend selbst ausbalancieren.
Der MVV wird seine Lieferwagenflotte, wenn das nicht schon erfolgt ist, ziemlich schnell elektrifizieren. Wer rechnen kann, fährt allerspätestens bei Dieselpreisen von 2,50 € elektrisch. Einschließlich der LKW-Flotten (https://www.etrucker.io/) wird spätestens seit dem Iran-Krieg elektrifiziert.
Kunde 1 fährt mit dem Leihbike an A nach B.
Kunde 2 fährt auch mit einem Leihbike von B nach C.
Aber wie wird die Leihstation in A wieder aufgefüllt? Eher zufällig - mal ja mal nein - durch Kunde 3 der nach A fährt? Oder organisiert per (Diesel ?) Lieferwagen, der im Hintergrund alle Standorte abfährt und die Bestände abgleicht?
Ergänzend: für touristische Zwecke haben wir meines Wissens in Tutzing bereits Anbieter.
Das Prinzip: Man leiht ein Rad, fährt zum Bahnhof und stellt es dort ab. Abends benötigt man wieder eines für den Heimweg. Doch da es sich um ein Pool-System handelt, gibt es keine Garantie, dass an der Station tatsächlich ein Fahrrad verfügbar ist. Gerade zu Stoßzeiten entstehen Ungleichgewichte: Viele Räder werden morgens zu den Bahnhöfen gebracht und fehlen dort abends.
Wenn man kein Rad kaufen will wären evt. Leasebikes eine Alternative. Sie sind eher die individuelle Alternative zu Sharing-Systemen wie „MyRadl“: Statt ein verfügbares Rad zu suchen, hat man sein eigenes fest zugeordnetes Fahrrad. Modelle wie JobRad oder Lease a Bike laufen meist über den Arbeitgeber – oft mit Zuschuss oder kompletter Kostenübernahme. Gerade für Pendler ist das deutlich verlässlicher als ein Sharing-System, bei dem abends nicht garantiert ein Rad bereitsteht. Abwicklung auch über den örtlichen Fahrradhändler.
Herr Mieth: Wer ein Fahrrad im Keller hat, muss nirgendwo mehr eines leihen? Das ergibt keinen Sinn. Sharing-Angebote existieren genau für die Momente, in denen das eigene Fahrzeug nicht dabei ist. Das ist der Punkt.
Bikesharing (und nicht E-Scooter) ist keine neue Technologie mehr, zahllose Kommunen nutzen es seit über einem Jahrzehnt, Herr Rekus. Die „Kinderkrankheiten" sind längst überwunden. Und ja, die von CSU-Verkehrsministern über Jahrzehnte hinweg unterfinanzierten ÖPNV-Anbieter haben Probleme, aber das ist kein Argument gegen lokale Ergänzungsangebote, sondern eines dafür.
P.S. und ja -früher haben wir das sogar mit einem herkömmlichen Radl ois geschafft
Trotzdem, was soll es bringen? Umsatz für die Fahrradhersteller, wäre natürlich in derzeitiger Wirtschaftslage zu begrüßen.
Aber, hat nicht jeder von uns schon mindestens ein Fahrrad im Keller stehen? Wer Rad fahren will, tut es bereits.
Theoretisch eine gute Idee, in der Realität aber oftmals mehr eine Plage, denn ein Segen.
Tutzing muss sich nun wirklich nicht der 1. Reihe unter den Pionieren einreihen; unser Gemeinderat hat gut daran getan, erst mal abzuwarten, bis die neue Branche ihre unvermeidlichen Kinderkrankheiten überwunden hat. Dann kann und wird man auch in Tutzing sicherlich neu darüber entscheiden.
Die erwähnte Anschlussmisere ist doch v.a. ein Problem des MVV (S-Bahn & Buslinien aus einer Hand ... wow!).
Zur Zeit verwendet der MVV offensichtlich zu viel Energie auf's eigene Wachstum in die Fläche, aber zu wenig Energie um seine Dienstleistungs- & Serviceverpflichtungen gegenüber den Kunden mit dem gleichen Elan umzusetzen.
Wer den ÖPNV stärken möchte, sollte nicht allein immer nur über den Autoverkehr lästern, sondern mehr noch den großen Anbietern/Konzernen wie MVV, Deutsche Bahn AG & Co. auf die Finger schauen und zur Pflicht rufen!
Pünktlichkeit, funktionierende Anschlüsse, saubere Bahnhöfe, usw. Alles keine übertriebenen Erwartungen seitens der Kunden (und der Ex-Kunden).
;-)) Dann klappt's auch gleich besser mit dem ÖPNV.
(Meine Meinung)
Und ja, „Bikesharing" ist natürlich ein kostenpflichtiges Mietsystem, das ist allgemein bekannt und war nie strittig. Die Unterscheidung hilft hier nicht weiter.
Was hingegen weiterhelfen würde, wäre dies: Nicht auf jede kleine Lösung mit „bringt ja sowieso nichts" zu reagieren. Und dabei zu übersehen, dass genau diese Haltung dafür gesorgt hat, dass wir heute vor riesengroßen Problemen stehen. Für deren Gesamtlösung keine kleine Lösungen mehr ausreicht.
Leihe steht nicht für Miete; Leihe wäre kostenlos ohne vermutete Verantwortung für Eigentum und Sorgsamkeit.
Dann begann eine dieser Diktaturen einen Angriffskrieg in Europa – den die Ukrainer heute blutig bezahlen. Eine andere heizt den Nahen Osten an. Und die Klimakatastrophe zeigt uns, was es kostet, 75 % der Energie bei der Verbrennung als Wirkungsgradverlust schlicht zu vergeuden.
Genau deshalb wäre es klug gewesen, wenn der Gemeinderat Alternativen wie MyRadl nicht leichtfertig abgetan hätte. Denn günstige, klimaverträgliche Mobilität ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit.
Wer von den vergangenen wie gegenwärtigen politischen Fehlentscheidungen unberührt bleibt, hat Glück. Normalverdiener haben dieses Glück nicht.
Aus dem gemütlichen „Früher" wurde somit eine Gegenwart, die uns die Rechnung für Jahrzehnte voller kurzsichtiger Entscheidungen eindrücklich präsentiert.
Als Berufs-Pendler aus Traubing erlebe ich es regelmäßig, dass der Bus am Bahnhof Tutzing einem direkt vor der Nase wegfährt, weil S-Bahn und Bahn leider meistens nicht pünktlich sind. Wenn das eigene Auto dann nicht auf dem (leider kostenpflichtigen) Parkplatz am Bahnhof wartet, heißt es dann 1h auf den nächsten Bus nach Traubing warten…
Ein Pedelec von MyRadl wäre da eine echte Alternative und würde einem durch den E-Antrieb zudem auch die (aktuell sehr schlecht bis garnicht ausgebaute) Fahrrad-Verbindung nach Traubing erleichtern.
Fehlende Fahrrad-Infrastruktur zu den umliegenden Dörfern, kostenpflichtiger Parkplatz am Bahnhof, unzureichende Bus-Taktung in die Dörfer, fehlendes Alternativ-Angebot wie BikeSharing… man ist leider gerade auf das eigene Auto angewiesen, sehr schade.
Ich verstehe den Punkt, dass es unattraktiv ist, wenn die umliegenden Gemeinden nicht daran teilnehmen, aber bitte auch mal an die Vernetzung innerhalb der Gemeinde denken ;)