Ein regionales Bikesharing-System „MyRadl“ startet derzeit im Raum des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Nach dem Konzept soll man ein Fahrrad an einer MyRadl-Station ausleihen, dann radeln und an einer beliebigen MyRadl-Station wieder abgeben können. „Dadurch entsteht in der gesamten Region ein attraktives Nahverkehrsangebot, das Bus, Bahn, Rad- und Fußverkehr gut miteinander verknüpft“, erläutert das Landratsamt Starnberg. Geplant sind nach seinen Angaben knapp 1000 Standorte und rund 6800 Fahrräder. Im Landkreis Starnberg sind die Gemeinden Gauting, Gilching, Herrsching, Seefeld und Weßling dem System beigetreten. Die Gemeinde Tutzing ist nicht dabei. Der Tutzinger Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr habe eine Teilnahme abgelehnt, erläutert das Landratsamt auf Nachfrage von vorOrt.news.
Wir haben uns daraufhin bei der Gemeinde Tutzing nach den Gründen dafür erkundigt. Sie verweist unter anderem auf fehlende Erfahrungswerte: „Derzeit liegen noch keine ausreichenden Erfahrungswerte mit dem System in der Region vor, die eine fundierte Bewertung der Erfolgsaussichten und des tatsächlichen Nutzens für Tutzing ermöglicht hätten.“ Weiter gebe es eine mangelnde regionale Vernetzung: Ein wesentlicher Aspekt sei es gewesen, dass die umliegenden Kommunen nicht am System teilnehmen würden. Dadurch wäre keine sinnvolle Verbindung zwischen den Gemeinden entstanden, was die Attraktivität und Funktionalität des Bikesharing-Angebots erheblich eingeschränkt hätte. Schließlich werden hohe Kosten als Grund genannt. Die finanziellen Belastungen für die Gemeinde seien als zu hoch eingeschätzt worden, insbesondere im Verhältnis zum erwarteten Nutzen bei einer isolierten Teilnahme ohne regionale Vernetzung. Dies habe in der Gesamtbetrachtung zu der Entscheidung geführt, zunächst nicht am MyRadl-System teilzunehmen.
Landrat Frey sieht Ergänzung des öffentlichen Personennahverkehrs
Als Ergänzung des bestehenden öffentlichen Personennahverkehrs begrüßt demgegenüber der Starnberger Landrat Stefan Frey „MyRadl“. Damit werde die Lücke von der Bus- oder der Bahnhaltestelle zum Wohnort, zum Arbeitsplatz oder einem anderen Ziel im Ort geschlossen, argumentiert er.
Das Bikesharing-System soll nun nach und nach aufgebaut werden. Gleich am Start dabei ist die Gemeinde Gilching, die nach Angaben des Landratsamts in diesem Frühjahr mit drei Stationen und 22 mechanischen Fahrrädern sowie sechs Pedelecs an den Start geht. Im Frühjahr 2027 sollen weitere Gemeinden dazukommen, nämlich Herrsching mit fünf mechanischen Fahrrädern und zehn Pedelecs an zwei Stationen, Seefeld mit sechs mechanischen Fahrrädern und vier Pedelecs an einer Station, Weßling mit 25 mechanischen Fahrrädern an vier Stationen und Gauting mit sechs mechanischen Fahrrädern und zwei Pedelecs an zwei Stationen.
Das Landratsamt sieht in diesem Angebot „einen erheblichen Mehrwert“. Vorteile gebe es nicht nur beim Pendeln zur Arbeit und im Tourismus, sondern auch besonders im Alltag. Die geplanten Stationen orientierten sich entlang der S-Bahnlinien S6 und S8 und ermöglichten durch „gezielte Gegenstationen“ unter anderem direkte Verbindungen in die Gewerbegebiete von Weßling und Gilching.
Gleichzeitig, so das Landratsamt, stehe das Angebot für ein zeitgemäßes Mobilitätsverständnis: unterschiedliche Verkehrsmittel flexibel miteinander zu kombinieren, statt sich dauerhaft festzulegen. Als intelligente Schnittstelle zwischen Fahrrad, Bus und S-Bahn erleichtere das System die Organisation der letzten Meile erheblich und leiste damit einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs.
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