Verkehr
9.10.2026
Von vorOrt.news

Erlaubt wären 100 - gefahren werden 33

Kein Tempolimit in der Diemendorfer Straße nach verdeckten Messungen

Auf der Diemendorfer Straße in Tutzing wird zu schnell gefahren: So lauteten zahlreiche Beschwerden von Anliegern bei der Gemeinde. Eine verdeckte Messung zeigt ein anderes Bild: Die meisten Autofahrer sind dort mit 30 bis 38 km/h unterwegs, obwohl auf dem Abschnitt außerorts sogar Tempo 100 erlaubt wäre. Der Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Tutzinger Gemeinderats hat deshalb einstimmig beschlossen, dass die Verwaltung keine Geschwindigkeitsreduzierung prüfen und anordnen soll.

Gemessen wurde vom 15. bis 22. Juni 2026 mit einer sogenannten Topo-Box auf Höhe der Hausnummer 27. Solche Geräte, die am Straßenrand montiert werden, ermöglichen mit Radar- und Mikrofontechnik die exakte Erfassung und Analyse von Verkehrsströmen. Sie erkennen auch, ob gerade ein Fahrrad, ein Motorrad oder ein Lastwagen vorbeifährt. Kennzeichen erfasst die Topo-Box nicht – und so werden auch keine Strafen verhängt.

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Auf der Diemendorfer Straße wird kein Tempolimit angeordnet © L.G.
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Nur vier Fahrzeuge fielen aus dem Rahmen

Insgesamt 3451 Fahrzeuge hat das Gerät in der Messwoche gezählt, im Schnitt gut 20 pro Stunde. Für die Auswertung legte die Verwaltung bewusst einen strengen Maßstab an: Statt der eigentlich zulässigen 100 Stundenkilometer wurden 50 Stundenkilometer als Grenze eingestellt. Selbst gemessen an diesem Wert ergab sich eine Beanstandungsquote von nur 0,12 Prozent. Nach Abzug der üblichen Toleranzen blieben ganze vier Fahrzeuge als potenzielle Verstöße übrig – zwei davon lagen 11 bis 15 Stundenkilometer, zwei 16 bis 20 Stundenkilometer über der Marke.

Die Kennzahlen unterstreichen das: Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 32,75 Stundenkilometern, die Hälfte aller Fahrzeuge fuhr nicht schneller als 33 Stundenkilometer. 85 Prozent blieben bei höchstens 40 Stundenkilometern. Der schnellste Ausreißer der Woche wurde mit 67 Stundenkilometern gemessen.

Die Straße bremst selbst

Den Grund sieht die Gemeindeverwaltung in der Straße selbst. Die 50-Stundenkilometer-Grenze werde wegen der besonderen Enge und des steilen Straßenabschnitts nur äußerst selten überschritten – ganz ohne Schild. Auch im Kurvenbereich seien die meisten Fahrer ohnehin langsam unterwegs. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung sei aufgrund der gemessenen Zahlen nicht notwendig.

Auch andernorts in Tutzing lieferte die Topo-Box zuletzt unaufgeregte Werte. An der Heinrich-Vogl-Straße gegenüber der Christuskirche wurde für die Zeit vom 23. Februar bis 2. März 2026 eine Beanstandungsquote von nur 0,4 Prozent festgestellt; bei vorgeschriebenem Tempo 30 war der schnellste Fahrer mit 45 km/h unterwegs.

Ausflügler am Sonntag, Pendler am Nachmittag

Die Messung verrät auch einiges darüber, wer die Diemendorfer Straße nutzt. Knapp 80 Prozent der Fahrzeuge waren Autos, dazu kamen 235 Lieferwagen, 45 Lastwagen und 44 Autos mit Anhänger. Auffällig ist der Sonntag: Am 21. Juni zählte die Box 61 Motorräder und 33 Radfahrer – so viele wie an keinem anderen Tag der Woche. Im Tagesverlauf ist am meisten zwischen 16 und 17 Uhr los, eine kleinere Spitze gibt es morgens zwischen 7 und 8 Uhr.

Die Topo-Boxen werden in Tutzing seit 2022 eingesetzt, um Beschwerden über Raser mit belastbaren Zahlen zu überprüfen – und im Zweifel auch zu entkräften. Aufgestellt und ausgewertet wurde die Topo-Box an der Diemendorfer Straße vom Zweckverband Kommunale Dienste Oberland, der für Tutzing die kommunale Verkehrsüberwachung übernimmt; eingesetzt wird das System Topo der Firma RTB.

Wer als Anlieger weiterhin Anliegen zum Verkehr in und um Diemendorf hat, kann diese bei der nächsten Gelegenheit direkt vorbringen: Die Diemendorfer Bürgerversammlung ist für Montag, 16. November 2026, angesetzt.

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