So genannte Expressbus-Linien erleichtern seit einiger Zeit die Verbindung von Städten und Gemeinden rund um München. So kann man beispielsweise mit einem Schnellbus relativ schnell von Starnberg (S-Bahn-Linie S6) nach Wolfratshausen (S7) gelangen, ohne mit der Bahn den Umweg über Müncheni in Kauf nehmen zu müssen. Tutzing wird in dieses Konzept aber nicht einbezogen. Daran soll sich auch nichts ändern.
Die fehlenden Querverbindungen gelten als Kernproblem des öffentlichen Verkehrs in und um München. Weil die S-Bahn-, U-Bahn-, Straßenbahn- und U-Bahn-Linien überwiegend sternförmig nach München führen, sind zwischen diesen Linien oft Umwege über das Zentrum erforderlich. Nicht wenige Orte sind dadurch regelrecht abgeschnitten. Das hat weitere Folgen. So kann sich in solchen Orten wegen der schwierigen Erreichbarkeit schwer wirtschaftliches Leben entwickeln. Damit hängt es auch zusammen, dass überall Geschäfte und Gasthöfe wegfallen.
Neue und erweiterte Buslinien haben die Erreichbarkeit etlicher Orte in den vergangenen Jahren verbessert. Das gilt auch für Tutzing. So sind Busverbindungen nach Andechs und nach Herrsching sowie in mehrere Ortsteile wie Diemendorf, Unterzeismering oder Kampberg eingeführt worden.
Deutliche Vorteile gebracht hat seit Dezember 2021 zudem ein geschlossener Ring aus tangentialen so genannten ExpressBus-Verbindungen um München herum. Das sind Querverbindungen zwischen den Außenästen der S- und U-Bahnlinien. Den ExpressBus-Ring bilden die sieben MVV-Linien X201, X202, X203, X320, X800, X900 und X970. Damit gilt dieser Ring als abgeschlossen:
Expressbus: "Schnelle, attraktive Alternative zum Auto"
Für den Landkreis Starnberg bedeutet dies, dass die Expressbusse 970 und 900 die S6 ab der Kreisstadt Starnberg mit der S7 in Wolfratshausen, der S8 in Gilching und der S4 in Buchenau verbinden.
Die vier Expressbusse im Landkreis Starnberg fahren im Regelverkehr täglich von etwa 5 bis 22 Uhr, werktags im 20-Minuten-, sonn- und feiertags im 60-Minuten-Takt. Auf der Münchner Freizeitmesse „f.re.e“ hat das Landratsamt Starnberg kürzlich kräftig für die Expressbusse geworben. Ein Expressbus sei flotter unterwegs als ein Regionalbus, argumentierten die Mitarbeiter des Landratsamts. Eine direkte Vernetzung von wichtigen Zielen wie S- und U-Bahn-Anbindungen, Arbeitsstätten und Tourismusstandorten innerhalb der Region und in die Nachbarlandkreise bei gleichzeitig dichterer Taktung machten den Expressbus zu einer schnellen, attraktiven Alternative zum Auto.
Einige S-Bahn-Endbahnhöfe werden in den Expressbus-Ring einbezogen, so Freising (Endstation der S1) und Wolfratshausen (Endstation der S7). Bad Tölz ist sogar Bestandteil des Expressbus-Rings, obwohl die Stadt außerhalb des S-Bahn-Netzes liegt. Für Fahrgäste, die solche Ziele erreichen wollen, liegt einer der großen Vorteile in den Direktverbindungen ohne Umsteigen, damit verbundenem Warten und Suche nach Anschlussmöglichkeiten.
Tutzing - Endstation der S6 - in den Expressbus-Ring einzubeziehen, war dagegen nicht Gegenstand der Planungen für das Ringkonzept, erklärt das Landratsamt Starnberg auf Anfrage von vorOrt.news. Fahrgäste aus Tutzing haben zwar die Möglichkeit, beispielsweise mit der S-Bahn nach Starnberg zu fahren und dort in einen Expressbus einzusteigen. Dem Grundgedanken der schnellen und direkten Verbindungen ohne Umwege, Umsteigezwänge und Suche nach Anschlüssen, der die attraktive Alternative zum Auto betonen soll, wirkt dies aber entgegen.
Die Regionalbuslinien werden auf ihre Auslastung hin überprüft
Es gibt auch andere Schnellbus-Linien, so genannte X-Busse, die im Landkreis verkehren und die nicht Bestandteil der Ringkonzeption sind. Sie ermöglichen Querverbindungen gerade zwischen den Landkreisen wie Fürstenfeldbruck, Starnberg und München. Für manche Busstrecken gelten sogar Erweiterungen als denkbar, so beispielsweise für die X910 von München-Großhadern über Gauting nach Weßling, die eventuell bis nach Geltendorf in den Landkreis Landsberg mit Anbindung an die S4 Geltendorf weitergeführt werden soll.
Eine Planung für eine X-Bus-Linie speziell für Tutzing gibt es aber derzeit nicht, wie das Landratsamt erklärt. Dass für Tutzing keine Schnellbus-Verbindungen als erforderlich gelten, begründet das Landratsamt mit einer bereits sehr guten Anbindung dieser Gemeinde an die Landeshauptstadt München durch die S6 und den Regionalzug. Zudem wird darauf verwiesen, dass die S8 von Tutzing aus mit der Busverbindung Tutzing-Andechs-Herrsching gut erreicht werden kann.
Wie schwer größere Konzepte umzusetzen sind, zeigt sich auch an relativ schnellen Änderungen. Wegen aktueller Probleme wie Finanzschwierigkeiten und Busfahrermangel sehe man sich dazu gezwungen, die Regionalbuslinien auf ihre Auslastung als auch ihre Streckenführung hin zu prüfen, erklärt das Landratsamt: „Insbesondere haben wir hier die Vermeidung von Haltestellen und Strecken im Auge, die von mehreren Linien bedient und angefahren werden.“ Solche Überschneidungen gibt es auch in Tutzing. Ob für Buslinien in Tutzing im Zuge dieser Überprüfungen mit Änderungen zu rechnen ist, dazu gibt es bisher keine Angaben.
Eine Expressbus-Linie steht sogar schon wieder vor dem Aus: Die X920, die vom Kraillinger Gewerbegebiet KIM zur U-Bahn und zur S-Bahn führt. Sie habe im Vergleich mit den weiteren Expressbuslinien im Landkreis Starnberg bislang das geringste Fahrgastaufkommen, so begründet dies das Landratsamt. Zudem werde der Landkreis Fürstenfeldbruck zum Fahrplanwechsel als Aufgabenträger aussteigen. Das Gemeinschaftsdenken unter den für unterschiedliche Regionen zuständigen Behörden scheint also nicht besonders ausgeprägt zu sein. Derzeit wird eine Anbindung von Krailling über eine andere Linie, die X910, an die U-Bahn in Großhadern geprüft.

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