Verkehr
27.6.2023
Von vorOrt.news

„Ball liegt beim Verkehrsausschuss“

Tutzinger Liste fordert in Positionspapier Maßnahmen für die Kustermannstraße

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"Kritischer verkehrstechnischer Zustand": Die Kustermannstraße bei Obertraubing

„Kustermannstrasse: Der Ball liegt am Dienstag beim Verkehrsausschuss“: Ein Positionspapier mit dieser Überschrift hat der Bürgerverein Tutzinger Liste veröffentlicht. In der Gemeinde Tutzing führe die Sanierung der Hauptstraße durch den erhöhten Ausweich- und Umleitungsverkehr inzwischen zu gefährlichen Verkehrssituationen für alle Verkehrsteilnehmer, schreibt die Gruppe dazu in einer Pressemitteilung. Anwohner der besonders betroffenen Kustermannstraße als Verbindung zur B2 beklagten, dass die Gemeinde ihrer Bitte um mindestens polizeiliche Geschwindigkeitskontrollen seit Monaten nicht nachkomme. In ihrer Mitteilung beruft sich die Tutzinger Liste auf Aussagen des Sachbearbeiters Verkehr bei der Starnberger Polizeiinspektion, Oliver Jauch. Er habe nach Aussagen von Anwohnern auf die Gemeinde verwiesen und erklärt, sie müsse Kontrollen „beauftragen“.

Als Antwort auf einen von der Tutzinger Liste übermittelten Maßnahmenkatalog für die Kustermannstraße habe die Gemeinde hat die Kontrollen zwar Anfang Mai über die Presse angekündigt, doch passiert sei nichts, kritisiert der Verein weiter. Er habe in der vergangenen Woche entlang der Kustermannstraße als „Erste-Hilfe-Maßnahme“ sogenannte „StreetBuddies“ aufgestellt. „Die neue BAB Tutzing-Obertraubing“ Zwei Anwohner berichteten von gefährlichen Situationen für ihre Kinder.

Morgen, am Dienstag, dem 27. Juni werde die eventuelle Entfernung der Halteverbotsschilder in der Kustermannstraße im Umwelt-, Energie-, und Verkehrsausschuss behandelt werden, berichtet der Verein. Dies sei eine der von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen. „Wir fordern jedoch, dass die durch die Sanierung der Hauptstraße entstandene Verkehrssituation in Tutzing ganz grundsätzlich behandelt wird“, so die Tutzinger Liste. Der Verein habe daher am Freitag über seinen Gemeinderat Dr. Behrens-Ramberg ein Positionspapier zur Verkehrssituation der Kustermannstraße an den Verkehrsausschuss eingereicht. Er plädiert für eine Umsetzung von Maßnahmen zur erhöhten Verkehrssicherheit an allen durch die Sanierung der Hauptstraße betroffenen Stellen im gesamten Gemeindegebiet.

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Mehrmals kam es in jüngerer Zeit auf der Kustermannstraße zu Unfällen, so wie hier am 12. Juni
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Im Wortlauft: Positionspapier der Tutzinger Liste zur Kustermannstraße

Kritischer verkehrstechnischer Zustand

Die Kustermannstraße verbindet die Tutzinger Ortsmitte mit der B 2. Gemäß der Beschilderung gibt es eine Tonnage-Beschränkung für Fahrzeuge bis 6 Tonnen Gesamtgewicht – ausgenommen hiervon sind Schulbusse, landwirtschaftliche Fahrzeuge und die Fahrzeuge der Firma Listl (ein Kies- und Tiefbaubetrieb, der aber schon seit Jahren nicht mehr existiert). Die Tonnage-Beschränkung wird regelmäßig nicht eingehalten. Die Kustermannstraße ist aufgrund der Sanierung der Hauptstrasse jedoch zu einer der meist befahrenen Straßen in Tutzing geworden – insbesondere zu Zeiten des Berufs- und Schulverkehrs.

Enormer Ausweichverkehr

Die Kustermannstraße ist wie oben beschrieben in einem Zustand, der fraglich erscheinen lässt, ob die derzeitige Belastung durch den verstärkten Ausweichverkehr überhaupt verkehrstechnisch tragbar ist. Die Seitenränder sind an vielen Stellen abgebrochen, wodurch die schmale Fahrbahn zusätzlich verengt wird und bei Begegnungsverkehr vermehrt zu kritischen Situationen führt und mehrfach auch schon Karambolagen zur Folge hatte.

Es ist zu beobachten, dass die Enge der Fahrbahn von vielen Autofahrern unterschätzt wird, und verbunden mit überhöhter Geschwindigkeit zu äußerst gefährlichen Situationen im Begegnungsverkehr führt – dies für alle Verkehrsteilnehmer. Eine besondere Gefährdung besteht für Fußgänger, da die Kustermannstraße überwiegend über keinen Gehweg verfügt. Eine zusätzliche „Verengung“ entsteht darüber hinaus noch durch Busse, Lieferwagen und Lastkraftwagen hervorgerufen durch ihre Breite.

Ungenügende Beschilderung

Die Beschilderung (Tempo 30) ist ungenügend. In Richtung Westen steht gerade einmal ein einziges Schild an der Kreuzung Heinrich-Vogl-Straße. In der Gegenrichtung befindet sich ein Schild an der Ortstafel und ein zweites unterhalb der Einmündung Unteres Vocherl. Ein Schild ist dabei kaum erkennbar, da mit Pflanzen zugewuchert. Gerade in dem Abschnitt zwischen Einmündung Mitterfeld und Bahnunterführung lädt der gerade Verlauf der Straße zu höherer Geschwindigkeit ein. In diesem Bereich sind wegen des Fehlens eines Gehsteigs Fußgänger besonders gefährdet. Anwohner haben an diesen besonders gefährlichen Stellen als „Erste-Hilfe-Maßnahme“ Warnfiguren aufgestellt („SteetBuddies“). Siehe hierzu unseren Beitrag: Aktion der TL: StreetBuddies für die Kustermannstraße

Die in der Kustermannstraße aufgestellten Halteverbotsschilder sollen in den Wintermonaten den Schneeräumern die Möglichkeit geben, die Straße passierbar zu machen und werden üblicherweise am 1. April wieder abgebaut. Nicht jedoch in diesem Jahr. Der Abbau der Halteverbotsschilder gerade in diesem Abschnitt hätte zur Folge, dass vereinzelte Kurzparker die Straße verengen und das Tempo des Verkehrs mindern.

Fehlende Kontrolle

Anwohner wünschen sich insbesondere:

mehr Tempo-30-Schilder und Achtung-Kinder-Schilder
regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen („Blitzer“)
Einrichtung von Geschwindigkeitsanzeigen wie z.B. Speed-Displays:

Diese und weitere Anregungen hat die Tutzinger Liste der Verwaltungsleitung in ihrem Maßnahmenkatalog Anfang Mai vorgelegt. In der Folge wurden Geschwindigkeitskontrollen avisiert (vorOrt.news_Vorsicht auf der Kustermannstrasse) – diese fanden aber nur an der Hauptstraße statt. Die Gemeinde sollte nach monatelangem Aufruf der Anwohner endlich tätig werden und die polizeilichen Geschwindigkeitskontrollen an der Kustermannstraße „beauftragen“. Diese könnten nach Rücksprache eines Anwohners mit der zuständigen Verkehrswacht schon lange durchgeführt werden – es fehle allein am „go“ der Gemeinde.

Es ist wünschenswert, dass der Verkehrsausschuss am Dienstag die unstrittig be- und überlastende Verkehrssituation der Kustermannstraße, die in Folge des Ausweichverkehrs zur zweiten Hauptstraße in Tutzing geworden ist, ganz grundsätzlich behandelt und nicht nur das Thema der Halteverbotsschilder. Am Beispiel der Kustermannstraße sollte die Gemeinde dann die beschlossenen Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und Entschleunigung des Ausweich- und Umleitungsverkehrs an allen derart betroffenen Verkehrspunkten im Gemeindegebiet überprüfen und entsprechend zeitnah umsetzen.

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Malerisch, schmal und derzeit viel befahren: die Kustermannstraße zwischen Tutzing und Obertraubing © Fotos:L.G.

Öffentliche Stellungnahme und Positionspapier der Tutzinger Liste:

https://www.tutzinger-liste.de/blog/kustermannstrasse-der-ball-liegt-am-dienstag-beim-verkehrsausschuss/

ID: 5932
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Kommentare

Ich habe gerade die Beschlüsse des Gemeinderates von gestern gelesen. Da sieht man wieder was eine Lobby und ein heißer Draht zum Gemeinderat bewirken.

Kaum ausgesprochen schon erledigt worauf wir in der Bahnhofstraße seit Jahren vergeblich warten.

Ich fahre die Kustermanstraße seit vielen Jahren 2-3x die Woche in beide Richtungen. Schneller als 30 kann man eh nicht fahren, während die Bahnhofstraße eine Rennstrecke für viele ermöglicht.

Für Kinder auf dem Schulweg - Hunderte täglich - ist die Bahnhofstraße die gefährlichste in Tutzing. Inzwischen gilt zwar Tempo 30 aber eine Überwachung des Verkehrs findet nicht statt, obwohl schon so oft darum gebeten wurde.

Mir leuchtet aber auch das Halteverbot in der Kustermannstraße nicht ein. An anderen Stellen schafft man bewusst Hindernisse, um den Verkehr zu entschleunigen. Hier macht man den Weg frei für die wenigen Irren die schneller fahren wollen.

Wenn gleiches Recht für alle gilt dann müsste man jetzt Halteverbote in halb Tutzing einführen, denn ähnliche Verhältnisse wie in der Kustermannstraße gibt’s an vielen Stellen in Tutzing.

Letztlich zeigt das aber auch, dass man auf Sicht an einem Ausbau der Traubingerstraße zur B2 nicht vorbeikommt.