Verkehr
7.12.2021
Von vorOrt.news

Halbe Einbahnstraßen

Wie die Greinwaldstraße wird künftig auch die Traubinger Straße aufgeteilt

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In diesem Bereich soll die Einbahnregelung im unteren Teil der Traubinger Straße aufgehoben werden. Links die Grund- und Mittelschule, gegenüber die Ambulante Krankenpflege. © L.G.

Die neue Verkehrsregelung in der Traubinger Straße soll zunächst für ein Jahr gelten. Nach dieser Zeit soll die Entscheidung darüber fallen, ob die Teilaufhebung der Einbahnregelung im unteren Bereich dieser Straße eine Dauerlösung sein wird oder nicht. Der Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Gemeinderats hat die Testphase kürzlich einstimmig beschlossen. Derzeit ist die Traubinger Straße von der Kreuzung Kirchenstraße/Oskar-Schüler-Straße bis zur Hauptstraße eine Einbahnstraße. Das wird nun geändert: Die Einbahnregelung wird im unteren Bereich, etwa von der Ambulanten Krankenpflege bis zur Hauptstraße, beibehalten, zwischen der Ambulanten Krankenpflege und der Kreuzung Kirchenstraße/Oskar-Schüler-Straße aber aufgehoben. Für diese Lösung hatte sich die FDP eingesetzt.

Über die Einbahnregelungen in der Tutzinger Ortsmitte gibt es immer wieder Diskussionen. Ursprüngliche Idee in der Ära des Bürgermeisters Dr. Stephan Wanner sei es gewesen, die Autos mit Einbahnregelungen in der Greinwaldstraße nach oben und in der Traubinger Straße nach unten zu lenken, um den Durchgangsverkehr auf beiden Straßen zu reduzieren, erinnerte Dr. Thomas von Mitschke-Collande (CSU). „Wie mit zwei kommunizierenden Röhren“, fügte er hinzu. Um den Lade- und Parkverkehr zu erleichtern, wurde der obere Teil der Greinwaldstraße dann später wieder fürs Fahren in beiden Richtungen freigegeben. Damit gibt es dort schon länger eine Teilung der Straße, die nur in ihrem unteren Bereich eine Einbahnstraße - nach oben - ist.

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Aufgeteilt: Die Greinwaldstraße ist schon seit längerer Zeit nur in ihrem unteren Bereich eine Einbahnstraße.
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Die Tage dieses Einbahnstraßen-Schildes sind gezählt

Genauso wird die Regelung künftig in der Traubinger Straße sein, nur mit Einbahn in der anderen Richtung, nach unten. Caroline Krug (ÖDP) warnte, die Regelung mit mal Einbahnstraße, mal halb Einbahnstraße und halb in beiden Richtungen befahrbar werde für viele Einheimische, aber auch besonders für Auswärtige schwer verständlich sein. Bürgermeisterin Marlene Greinwald verwies demgegenüber auf die ähnliche Regelung in der Greinwaldstraße: „Die Menschen werden das schon verstehen.“ Claus Piesch (Freie Wähler) riet dazu, mit Schildern auf die Änderung der Verkehrsführung aufmerksam zu machen. Er erinnerte an Regelungen in der Bräuhausstraße, die bei Autofahrern zu Irritationen geführt hätten.

Nach Auffassung von Dr. Joachim Weber-Guskar (FDP) entspricht die Änderung einem innigen Wunsch vieler Ortsansässiger zur Verkehrserleichterung. Dies gelte für Besuche der Ambulanten Krankenpflege, des Getränkemarkts, des dort ansässigen Friseurs und der Schule gleichermaßen. Für Ortskundige sei es zudem eine Möglichkeit, die Hauptstraße zu entlasten. Der Gemeinderat habe bei der Entscheidung über die Einbahnregelung sicher seine Gründe gehabt, gab dagegen Caroline Krug (ÖDP) zu bedenken. Sie fragte auch kritisch nach den Folgen für die Schulbushaltestelle. Der Bus halte auf der Schulseite, erwiderte Weber-Guskar, die jungen Leute gingen direkt von ihm ins Schulgebäude: „Sie queren die Traubinger Straße nicht.“ Eine größere Gefährdung der Kinder werde es deshalb nicht geben. Mitschke-Collande (CSU) hält die neue Regelung für sinnvoll, weil die Straße in diesem Bereich relativ breit sei. Der von oben kommende Verkehr könne dadurch sogar reduziert und verlangsamt werden.

Kritisch äußerte sich Bürgermeisterin Greinwald zu einer Bemerkung in einem Kommentar auf vorOrt.news, die Einbahnstraßen-Regelung in der Traubinger Straße sei gerade deshalb eingeführt worden, weil 2011 ein kleines Mädchen zu Tode gefahren wurde. „Unsinnig gefahrene Umwege“ „Der Unfall hatte damit gar nichts zu tun“, sagte die Rathauschefin. Mitschke-Collande wurde noch deutlicher: „Es ist taktlos, den damaligen Unfall damit in Verbindung zu bringen.“

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Ja, Frau Greinwald liegt schon richtig mit ihrer Feststellung, die Einbahnstraßenregelung in der Traubinger Straße sei keine direkte Konsequenz des tragischen Unfalls. Aber natürlich ist das nur die halbe Wahrheit. Löste der Unfall doch unter Tutzinger Eltern, die schon seit Jahren vergebens für mehr Schulwegsicherheit gekämpft hatten, einen solchen Sturm der Entrüstung aus, dass die Politik einige Zeit später reagieren musste. Das Ergebnis waren dann mehrere Maßnahmen, zu denen die Umwidmung der Traubinger Straße als Einbahnstraße ebenso gehörte wie die Ausweitung der Tempo-30-Beschränkungen in der Nähe der Grund- und Mittelschule. Die latenten Risiken der einseitig autozentrierten Verkehrspolitik von Tutzing wurden durch den furchtbaren Unfall überdeutlich herausgestellt und konnten nicht mehr verleugnet werden. So hätten ohne dieses Ereignis die Bürgerinitiative Pro 30 und die engagierten Eltern schwerlich das politische Moment realisieren können, das es brauchte, um den Widerstand der hiesigen Vollgasfraktion zumindest ein wenig zu brechen. Zehn Jahre später scheint Gras über die Sache gewachsen zu sein, und schon wagen sich im Gemeinderat die Verfechter einer durchasphaltierten Automobilrepublik wieder aus der Deckung und machen die mühsam errungenen Verbesserungen zugunsten der Schulkinder rückgängig. Freie Fahrt für freie Bürger, zumindest bis zum nächsten Unfall. Und dann kann man ja immer noch zurückrudern, falls der Druck zu groß werden sollte.
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