Verkehr
25.6.2020
Von Albert Behringer

Donnern, Beben und Krachen

Bahnlärm ohne Ende in Tutzing seit Überarbeitung der Gleise auf der Strecke bis Gauting

Tutzing ist um eine Lärmquelle reicher: Seit die Deutsche Bahn im April auf der Strecke Tutzing bis Gauting die Geleise überarbeitet hat, rattert, donnert und bebt es in Tutzing. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Traubinger Straße und Waldschmidt Straße, etwa 200 Meter. Hier wurden Schienen ausgewechselt. Die Anlieger beschreiben das Ergebnis mit „Donnern, Beben und Krachen“. Ursache sind eine Vielzahl von Schweißstellen, die nur grobschlächtig zusammengefügt und kaum nachbearbeitet wurden. Die ganze Baustelle macht auch heute noch den Eindruck, als wäre sie fluchtartig verlassen worden.

Baustelle1-F-Behringer.jpg
Als wäre die Baustelle fluchtartig verlassen worden © Behringer

Lange Schienenteile liegen wie auch andere Bauteile neben und in den Geleisen. Dabei sind erst 2013 in diesem Abschnitt die kompletten Gleisanlagen und das Schotterbett neu verlegt worden. Bereits 2018 stellten sich die ersten Schäden ein und führten nun zum Auswechseln der Schienen. Während 2013 die Schienen und die Schweißstellen von einem speziellen Zug geschliffen wurden, unterblieb dies bei den jetzigen Arbeiten.

Nach einem Artikel über die Missstände im „Starnberger Merkur“ vom 28. Mai erklärte ein Bahnsprecher unter anderem, das romantische „Tok-Tok“ gebe es heute nur noch an Weichen. Die Schienen seien „endlosverschweißt“, die Schweißstellen könne man auch nicht erkennen, wenn man mit dem Finger über die Schiene führe: „Ein Zugrad rollt nur mit zwei cm² über die Schienenoberkante. Diese wird im gesamten Verlauf plan-, also auf hundertstel Millimeter genau, glatt geschliffen.“

Dies ist eine Falschmeldung, denn es wurde nicht geschliffen, wie das Bild vom aktuellen Zustand zeigt:

Schwei-stelle1-F-Behringer.jpg
"Auf hundertstel Millimeter genau glatt geschliffen" © Behringer

Eine der vielen Schweißstellen im Detail: Mit bloßem Auge erkennbar sind die großen Unebenheiten, die versetzten Radlaufstellen und die tiefen Scharten vom Bearbeiten. Das Ergebnis: Krachen, beben und donnern, wenn die Züge mit Achslasten bis zu 20 Tonnen und zum Teil großer Geschwindigkeit über die Unregelmäßigkeiten fahren. Jeden Tag allein auf dem kurzen Abschnitt zwischen Bahn-Kilometer 38,8 und 38,6 rund 3600 (!) Achsen auf etwa einem Dutzend (!) solcher Schweißstellen. Das sind rund 50000 Mal Krachen, Beben und Donnern pro Tag mitten im Ort! Kein Wunder wenn die Anlieger um den Schlaf gebracht werden, und auch mal Dinge aus dem Schrank fallen.

Bis zu dem oben erwähnten Bericht im „Starnberger Merkur“ dachten die Anwohner in Tutzing, sie seien Opfer einer „vergessenen“ Baustelle. Aber es meldeten sich Bahnanrainer in Feldafing, die ebenfalls als Resultat der Gleissanierung über unerträglichen Lärm der Bahn berichten. Das Vorgehen der Bahn scheint systematisch. Die Gleisanlagen werden offenbar nur soweit saniert, dass der Zugbetrieb gewährleistet ist. Auf eine Bearbeitung der Geleise mit Berücksichtigung der folgenden Lärmlast, wie es noch 2013 der Fall war, wird selbst in Ortsmitte verzichtet.

Anzumerken ist auch der Einsatz von alten S-Bahnen der Baureihe 420 (Olympia-S-Bahn), die wieder aktiviert wurden. Deren besonderes Kennzeichen ist der ratternde, unruhige Lauf.
Wie es unter diesen Umständen die Deutsche Bahn wagt, sich mit dem Prädikat „umweltfreundlich“ zu schmücken, ist erstaunlich, ebenso mit welcher Selbstverständlichkeit Fake-News in die Medienlandschaft gestreut werden.

Übrigens kennen Sie den kürzesten Witz? Nein, nicht den mit dem Manta, die Mantas fahren nicht mehr. Der kürzeste Witz geht so: „Die Bahn ist umweltfreundlich“.

Über den Autor

Albert Behringer

Add a comment

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.

Comments

...es ist um einiges besser geworden - vereinzelt sind noch Züge dabei, wo man es noch hört - aber an den alten 420ern liegt es sicher nicht - da ich vor Ort es bei den aktuellen Triebzügen extrem mitbekommen habe.
Ganz arg ist es noch - (wo wohl nichts gemacht wurde) -> Strecke Tutzing in Richtung München - Höhe Unterführung „Waldschmidtstrasse/Bockmayrstrasse“ da sollte bald mal noch was passieren...;))
Feedback / Report a problem