Am Tutzinger Bahnhof tritt demnächst die lange erwartet Änderung bei der Park-and-Ride-Anlage (P+R) in Kraft. Betreiben wird sie künftig das in Berlin ansässige Unternehmen Contipark Parkgaragengesellschaft mbH. Folge für die Nutzer: Die bisher kostenlosen Parkplätze werden mit Parkscheinautomaten bewirtschaftet und damit kostenpflichtig. Entgeltfrei bleiben die Stellplätze direkt vor dem Bahnhofsgebäude.
In den Bereichen „P1“ und „P2“ gelten künftig folgende Tarife an den Parkscheinautomaten:
1 Stunde: 0,50 EUR
1 Tag: 1,50 EUR
1 Woche: 7,50 EUR
1 Monat: 22,00 EUR
Wie bisher in Tutzing sind Park-and-Ride-Plätze bundesweit überwiegend kostenfrei, doch an immer mehr Bahnhöfen werden solche Entgeltsysteme eingeführt, mit denen die Nutzung gesteuert werden soll. Obwohl die P+R-Anlage in Tutzing wie auch die Anlagen für Fahrradabstellplätze ("Bike and Ride", B+R) in Tutzing der Bahn gehören, musste die Gemeinde bisher nach einem Vertrag zahlreiche Verpflichtungen übernehmen. Weil der Vertrag ausgelaufen ist, gab es schon seit längerer Zeit Gespräche über eine Neuregelung.
Werden die Parkgebühren Bahnpendler aus der Region Weilheim abschrecken?
Mit einer Kostenpflicht für die Park-and-Ride-Plätze verbindet manch einer die Hoffnung, dass sie Bahnpendler aus anderen Regionen - vor allem dem Raum Weilheim - abschrecken könnte. Viele Tutzing sehen nicht allzu gern die kräftige Nutzung der Park-and-Ride-Plätze durch Bahnpendler aus anderen Regionen, vor allem dem Landkreis Weilheim-Schongau. Die Fahrzeuge solcher Pendler stehen tagsüber nicht nur auf den Stellflächen am Bahnhof, sondern auch an etlichen anderen Stellen im Ort.
Nach einer so genannten Bedarfsprüfung durch den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) kommen etwa 45 Prozent der Nutzer aus dem Gemeindegebiet Tutzing, 23 Prozent aus Weilheim, Bernried und Seeshaupt sowie 16 Prozent aus Wielenbach, Raisting und Fischen. Der Anteil von Parkplatz-Nutzern aus dem Landkreis Weilheim-Schongau ist nach dieser Berechnung mit insgesamt 39 Prozent nicht viel geringer als der aus Tutzing. Aus noch weiter entfernten Orten kommen nach der Bedarfsprüfung weitere 16 Prozent der Nutzer. Dabei müssen allerdings auch die Bahnpreise berücksichtigt werden. Die Bahnfahrt beispielsweise von Weilheim nach München ist soviel teurer als das MVV-Ticket von Tutzing nach München, dass nicht wenige Pendler wohl schon aus diesem Grund Tutzing als Startbahnhof vorziehen. Aus dem Landkreis Weilheim-Schongau fast so viele Nutzer wie aus Tutzing. Insgesamt sollen rund um den Tutzinger Bahnhof um die 400 Parkflächen zur Verfügung stehen.
Contipark steht oft wegen teurer "Knöllchen" in der Kritik
Mit den Parkgebühren verbunden sein dürften Strafzahlungen bei Verstößen. Contipark steht oft wegen teurer "Knöllchen" in der Kritik. Das Unternehmen gewährt nach eigenen Angaben eine "Karenzzeit" von mindestens fünf Minuten, bei größeren Parkeinrichtungen von zehn Minuten, um das Parkentgelt am Parkscheinautomaten zu entrichten. Eine Vertragsstrafe im Fall der Zuwiderhandlung ist vor einiger Zeit von 23 auf 30 Euro erhöht und mit "allgemeinen Preissteigerungen" begründet worden. Am Hauptbahnhof von Hannover musste jemand für zehn Minuten ohne Parkschein 50 Euro zahlen: 30 Euro Strafe plus 20 Euro Tagestarif, der dort gilt. In Tutzing wären es nach dieser Rechnung in einem vergleichbaren Fall 30 Euro Strafe plus 1,50 Euro Tagestarif, also 31,50 Euro. Zu Vorhaltungen, die Städte würden nach dem Bußgeldkatalog nur zehn Euro verlangen, hat Contipark erklärt, der Bußgeldkatalog sehe zehn Euro lediglich bis 30 Minuten Überschreitung vor. Der Betrag steige in wenigen Stufen an, bis ab drei Stunden 35 Euro fällig würden.
Contipark bietet Nutzern der P+R-Plätze am Tutzinger Bahnhof einen Dauerparkvertrag mit mindestens drei Monaten Vertragslaufzeit zum Preis von 22 Euro im Monat an. Interessenten können sich bereits jetzt per E-Mail an kundenservice@contipark.de wenden. Vom 1. Oktober 2019 an können sich Kunden online unter www.mein-contipark.de registrieren.
Nach der Übernahme der P+R-Anlagen wird das neue Parkangebot der DB BahnPark soll es Informationen auch online geben, und zwar in der Verbindungssuche unter www.bahn.de, unter www.parkenambahnhof.de, www.dbbahnpark.de sowie in der Bahnhofssuche von www.bahnhof.de.
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