Verkehr
14.9.2018
Von vorOrt.news

Tempo-30-Wirrwarr vor den Schulen

Die vor Monaten angekündigte Regelung gilt jetzt - aber nicht für alle Autofahrer ist sie erkennbar

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Die Tempo-30-Regelung beginnt im Süden an der Ampel bei der Tankstelle © L.G.

Eberhard Möller äußert sich zufrieden. „Die ersten Schilder stehen tatsächlich - vielen Dank!“ Das hat der Tutzinger an eine Mitarbeiterin des Fachbereichs Verkehr im Landratsamt geschrieben. Er meint Tempo-30-Schilder, die zum Schulanfang vor dem Tutzinger Gymnasium und vor der Tutzinger Realschule aufgestellt worden sind.

Um diese Geschwindigkeitsbegrenzung hatte es ein arges Hin und Her gegeben. Weil es sich bei der Hauptstraße um eine Staatsstraße handelt, sind das Landratsamt und die Regierung von Oberbayern zuständig - und beide hatten das von vielen Tutzingern für diesen Bereich geforderte Tempolimit über lange Zeit energisch abgelehnt. Im Februar dieses Jahres hat Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald jedoch bei einem Bürgerforum zur allgemeinen Überraschung über eine Mitteilung des Landratsamts informiert, dass vor den Schulen an der Hauptstraße nun doch montags bis freitags zwischen dem Gröberweg und dem Schlösserweg jeweils von 7 bis 17 eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 angeordnet werde. Die Gefahrensituation in diesem Bereich rechtfertige eine solche Maßnahme. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln? Eine Erklärung für den plötzlichen Umschwung gibt es dazu vom Landratsamt bis heute nicht.

Ortsdurchfahrt so zugestellt, dass kaum Schilder-Standorte zu finden waren

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Im Norden steht ein Tempo-30-Schild unweit des Gymnnasiums (weißer Bau im Hintergrund), etwa zwischen dem Mayr-Haus (li.) und dem Andechser Hof © L.G.

Aber dann ging die Zeit ins Land, und nichts geschah. Wie schnell man so eine Regelung realisieren kann, bewies unterdessen die Gemeinde Tutzing: Sie beschloss im März dieses Jahres eine Tempo-30-Regelung auf der Bahnhofstraße, einer Ortsstraße, und schon im Juni standen dort die betreffenden Schilder. Bei den Staatsbehörden dauert das alles erheblich länger.

Das Schuljahr ging zu Ende, und auch während der Sommerferien blieb vor den Schulen an der Hauptstraße alles bei Tempo 50. Als das Ferienende nahte, frage Eberhard Möller im Landratsamt nach. Der Schulbeginn sei natürlich anvisiert, antwortete ihm die Mitarbeiterin des Landratsamts. Doch: „Ein Schild muss auf privatem Grund errichtet werden, daher nochmals die Verzögerung.“ Und weiter: „Die Ortsdurchfahrt ist leider so ‚zugestellt’ bzw. zugewachsen, dass es wirklich schwer war, überhaupt Standorte für die Schilder zu finden.“

Bis zum Schulanfang hat es aber nun auf einmal doch geklappt. Zwei Tempo-30-Schilder stehen in dem betreffenden Bereich: Eines an der Ampel neben der Tankstelle weist die von Süden kommenden Autofahrer auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hin, und für die von Norden nahenden Fahrer steht ein Schild unweit des Gymnasiums, zwischen dem Mayer-Haus und dem Andechser Hof.

Woher sollen die Autofahrer ohne Schilder wissen, dass Tempo 30 gilt?

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Ob für die aus der Bahnhofstraße (re.) in die Hauptstraße einbiegenden Autofahrer wohl auch Tempo 30 gilt? Ein entsprechendes Schild steht in Richtung Süden jedenfalls nicht © L.G.

Aber Möller ist doch ein wenig irritiert. Deshalb hat er sich nochmals ans Landratsamt gewandt. Ob das Tempolimit auch für diejenigen Autofahrer gilt, erkundigt er sich, die aus der Bahnhofstraße kommen und in Richtung Süden fahren. Und woher die wissen sollten, dass an dieser Stelle Tempo 30 gilt. Tatsächlich: Dort stehen keine solchen Schilder. Auch für die aus der Bahnhofstraße in Richtung Norden abbiegenden Fahrer gibt es keinen Hinweis auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung - und genau dort befindet sich das Gymnasium. Es wirkt also alles eher wie ein Tempo-30-Wirrwarr.

Weiter weist Möller darauf hin, dass sich das Tempo-30-Schild im Norden keine 25 Meter vor Beginn des Schulgeländes am Gymnasium befinde. Er fragt, ob dies wirklich ausreichend sei: „Das bisherige Warnschild stand deutlich weiter nördlich und vor der Kurve. Warum gilt nicht ab dort Tempo 30?“ Je Schule seien 300 Meter zulässig.

Ob nun alles so bleibt wie es ist oder nicht, muss sich zeigen. Das Landratsamt, bei Schulanfang auf Möllers Fragen hingewiesen, hat mitgeteilt, die Kollegen aus dem Fachbereich Verkehrswesen würden sich das alles in den nächsten Tagen ansehen. Bisher gibt es aber keine Änderung. Und von den Autos, die im neuen Tempo-30-Bereich unterwegs sind, halten sich nach Beobachtungen von Bürgern viele ohnehin nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung.

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Wer von der Bahnhofstraße in Richtung Norden abbiegt, sieht beim Mayr-Haus ein Schild, das "50'" erlaubt. Von "30" keine Spur. © L.G.
Quelle Titelbild: L.G.
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