Verkehr
30.11.2018
Von Stefanie Knittl

"Schutzstreifen kontraproduktiv"

Alternativ-Vorschlag: Breiter Fußgänger- und Radweg, Parkbuchten, verengte Fahrbahn

Die Planung eines Fahrradschutzstreifens an der nördlichen Hauptstraße hat Diskussionen ausgelöst. Tutzings erster Fahrrad-Schutzstreifen Im Mittelpunkt standen dabei kürzlich im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Gemeinderats parkende Autos vor einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in der „Knittl-Villa“. Deren Eigentümerin Stefanie Knittl nimmt hierzu aus ihrer Sicht Stellung:

"Nie Anspruch auf einen Parkplatz angemeldet"

Prinzipiell - das ist nichts Neues - fährt der Tutzinger sehr gerne jede Strecke mit dem Auto und erachtet es als selbstverständlich, dass für ihn kostenloser Parkraum zur Verfügung gestellt wird. Lange Zeit wurde ich nach Eröffnung der Arztpraxis (Dezember 2012) angefeindet, dass ich nicht Hof und Garten für Parkraum asphaltiert habe. Hätte ich diesem Druck nachgegeben, wäre die Knittl-Villa nicht mehr „bewohnbar“ gewesen, denn man wäre nur noch von kreiselenden PKWs umgeben neben dem üblichen Hauptstraßenverkehr.

Nach fünf Jahren Arztpraxis hat sich die Situation aus meiner Sicht entspannt, da einige Patienten sich mit oder ohne Taxi bringen lassen, mit dem Fahrrad oder dem Bus kommen, beim Fristo oder Tengelmann parken (und dort vielleicht einkaufen) oder an der Hauptstraße parken. Lobend muss man auch sagen, dass z.B. die Mieter von Tabaluga im 2. Stock (Sozialpädagoginnen und Jugendliche) hier sehr kooperativ sind und nie einen Anspruch auf einen Parkplatz angemeldet haben.

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Parkende Autos vor der Knittl-Villa - unvereinbar mit einem Fahrradschutzstreifen? © L.G.
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"Durch parkende Autos wird der Verkehr extrem entschleunigt"

Es hat einen positiven Effekt, wenn Autos an der Hauptstraße parken, denn dadurch wird der Verkehr extrem entschleunigt. Die Autos, die von Norden kommen, nehmen bergab sehr viel Fahrt auf und rasen die freie „Betonpiste“ entlang. Ich weiß, dass die Sicht der Autofahrer eine andere ist, denn sie empfinden es als Ärgernis, abzubremsen.

Die Autos, die von Norden kommen, nehmen bergab sehr viel Fahrt auf und rasen die freie „Betonpiste“ entlang. Stefanie Knittl

Ich persönlich finde generell einen Radweg sehr erfreulich, weil ich selber eigentlich nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs bin. Jedoch finde ich die Lösung mit dem Schutzstreifen kontraproduktiv, denn dadurch müssen die Autofahrer gar nicht mehr abbremsen. Bei dem starken Verkehr in Tutzing werden sich Fahrradfahrer, insbesondere bei Dunkelheit, kaum trauen, zusammen mit den Autos auf der Fahrstraße zu fahren.

Soviel ich weiß, ist es aber schon beschlossene Sache, diesen Schutzstreifen ohne Parkmöglichkeiten umzusetzen. Mein Vorschlag wäre: ein gemeinsamer abgetrennter Fußgänger- und Radweg (breiter Bürgersteig), am Straßenrand Bäume mit Parkbuchten und eine verengte Fahrbahn. Ich weiß aber auch, dass dies in Tutzing nicht mehrheitsfähig ist.

"Kostenpflichtiges Parken im öffentlichen Raum ist richtig - für den, der ihn nutzt"

Ich habe generell nichts gegen den Vorschlag der Bürgermeisterin einer Parkraumbewirtschaftung, wenn sie gemeindlich verordnet wird, d.h. die angrenzenden Gewerbe müssen dazu verpflichtet werden, Parkraum zu vermieten bzw. kostenpflichtig zu machen. Richtig finde ich auch, dass das Parken im öffentlichen Raum kostenpflichtig ist. Aber kostenpflichtig für den, der ihn nutzt, z.B. hier der Patient. So wie das auch in Ortsmitte oder anderswo gehandhabt werden sollte. In der Stadt und in den meisten Orten ist dies kein Thema mehr. Ich könnte mir vorstellen, dass Herr Weidinger und Frau Dr. Klein Interesse hätten, auch ein oder zwei Parkplätze in der Nähe für Patienten anzumieten. Soviel ich weiß, haben sie das auch schon versucht. Jedoch sollte sie nicht ausschließlich dafür aufkommen.

Sinnvoll in meinen Augen wäre es ganz allgemein, nicht noch mehr Anreize für den Individualverkehr zu setzen durch immer mehr Parkplätze, sondern mehr Lebensqualität zu schaffen. Ganz nebenbei sind die parkenden Autos hier im Nordabschnitt nicht ausschließlich Besucher der Knittl-Villa, sondern vor allem bei schönen Wetter Touristen und auch viele Fitnessstudio (Döllinger). Dies sollte man auch bedenken, wenn man den Schutzstreifen ohne Parkmöglichkeiten umsetzt.

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Hauptstraße-Nord: Hier soll der Schutzstreifen markiert werden © L.G.
Quelle Titelbild: L.G.
ID: 1393
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Stefanie Knittl

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Kommentare

Wie ist der Radschutzstreifen eigentlich gedacht ? Sollen den Radfahrer in beide Richtungen befahren oder nur die vom Norden kommenden ?

Konnte mir bis jetzt keiner beantworten.