Von Uta Waldau

Nach dem Hitzesommer ist vor dem Hitzesommer!

Welche Erkrankungen und gesundheitlichen Risiken bringt die Klimakrise – und wie können wir uns schützen?

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Robert-Koch-Institut

Die Klimakrise ist längst auch eine Gesundheitsfrage. Darauf machte der 18. Tutzinger Klimasalon am 21. September aufmerksam. Im Mittelpunkt standen die Fragen, welche Erkrankungen und gesundheitlichen Belastungen durch die zunehmende Erwärmung entstehen und wie wir uns besser davor schützen können.

Dass der Klimawandel die menschliche Gesundheit auf vielfältige Weise beeinflusst, zeigt der Sachstandsbericht „Klimawandel und Gesundheit“ des Robert Koch-Instituts (RKI). Mehr als 90 Expertinnen und Experten aus rund 30 deutschen Behörden und zivilgesellschaftlichen Institutionen haben darin den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zusammengetragen. Der 2023 veröffentlichte zweite Teil beschäftigt sich unter anderem mit den gesundheitlichen Folgen von Hitze, Extremwetter, UV-Strahlung, Luftschadstoffen, und klimabedingten psychischen Belastungen.

Hitze belastet den gesamten Körper
Die medizinische Fakultät der Universität Augsburg modelliert auf einer interaktiven Karte die Klimawandelbedingten Risiken für die menschliche Gesundheit bis 2050 in Deutschland, Luftbelastung, Allergene, Überschwemmungen, Waldbrände, Überhitzung, Krankheitsüberträger, siehe: https://ehlabaugsburg.github.io/AdaptNet/map.html Für den Landkreis Starnberg wird der Risikotrend für Hitze bis 2050 als „extrem zunehmend“ charakterisiert. Auch alle anderen genannten gesundheitlichen Risiken werden zunehmen.

Hohe Temperaturen belasten das Herz-Kreislauf-System, die Atemwege, die Nieren und den Stoffwechsel. Bestehende Erkrankungen können sich verschlechtern. Bei Menschen mit Diabetes kann die Blutzuckerregulation aus dem Gleichgewicht geraten. Auch die Wirkungsweise vieler Medikamenten kann sich unter Hitze verändern. Menschen, die regelmäßig Medikamnete einnehmen, sollten dies mit ihrem Hausarzt vor der nächsten Hitzesaison besprechen.
Die "Heidelberger Hitzetabelle" gibt über die hitzekritischen Medikamente Auskunft; siehe: https://aerzte.ihf-fortbildung.de/news/heidelberger-hitzetabelle-risikominimierung-bei-medikamenten/

Dabei sind nicht nur klassische Hitzeerkrankungen wie Hitzekrämpfe, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag relevant. Während längerer Hitzeperioden steigt auch das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Thrombosen, Infektionen, Sepsis, Atemwegs- und Nierenprobleme und damit letztlich auch für hitzebedingte Todesfälle.

Besonders bemerkenswert ist, dass früh im Sommer auftretende Hitzewellen gesundheitlich besonders belastend sein können. Der Körper ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend an die hohen Temperaturen angepasst.

Der Deutsche Wetterdienst spricht ab einer Gefühlten Temperatur von 32 Grad Celsius von starker Wärmebelastung, ab 38 Grad von extremer Wärmebelastung. Hinzu kommt die Belastung durch sogenannte Tropennächte, in denen die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad sinken und die notwendige Erholung erschwert wird; siehe: https://warnwetter.de.app-foxy.com/?utm_source=bing&utm_medium=cpc&msclkid=acdd66940cdf1c681a780c201c350b14&utm_campaign=607161129&utm_content=1339207755345080&utm_term=kwd-83701731154897:loc-72&adId=83700777059470

Wer besonders gefährdet ist
Nicht alle Menschen sind gleichermaßen gefährdet. Zu den besonders schutzbedürftigen Gruppen gehören ältere Menschen, Kinder, Schwangere sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. Ein erhöhtes Risiko haben außerdem Menschen, die im Freien arbeiten, beispielsweise auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder im Lieferdienst. Menschen mit geringem Einkommen oder Obdachlose verfügen zudem teilweise über weniger Möglichkeiten, sich vor Hitze zu schützen.

Auch die Psyche ist betroffen
Die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise beschränken sich nicht auf körperliche Erkrankungen. Extreme Wetterereignisse können mit Stress, Angst, Schlafstörungen und posttraumatischen Belastungen einhergehen. Hinzu kommt bei vielen Menschen die anhaltende Sorge über die Folgen des Klimawandels und die eigene Zukunft.

Auch andere Klimafolgen können die Gesundheit beeinträchtigen: stärkere UV-Belastung erhöht unter anderem das Hautkrebsrisiko, Luftschadstoffe (durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle) können Atemwegserkrankungen verschärfen und die verlängerte Blühzeit kann Allergien verstärken.

Was jeder Einzelne tun kann
Der Klimasalon machte zugleich deutlich, dass es wirksame Möglichkeiten gibt, gesundheitliche Belastungen zu reduzieren. Bei Hitze helfen zunächst einfache Maßnahmen: ausreichend trinken, körperliche Anstrengung in die kühleren Tageszeiten verlegen, direkte Sonne vermeiden, Wohnungen tagsüber möglichst kühl halten und nachts lüften. Besonders gefährdete Menschen sollten während Hitzewellen regelmäßig Unterstützung und Kontakt erhalten.
siehe youtube: https://www.youtube.com/watch?v=3svgHRCSVs8
So kommen Sie gut durch die nächste Hitzewelle - Empfehlungen für heiße Tage
Ein Hitzschlag mit sehr hoher Körpertemperatur und Bewusstseinsstörungen ist ein medizinischer Notfall und erfordert sofortige Hilfe (112 Notruf).

Klimaschutz ist auch Gesundheitsvorsorge
Eine wichtige Botschaft des Abends war schließlich: Viele Maßnahmen zum Klimaschutz sind gleichzeitig gut für die Gesundheit (Co-Benefits). Wer häufiger zu Fuß geht oder Fahrrad fährt, bewegt sich mehr. Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung kann gesundheitliche Vorteile haben. Mehr Bäume und Grünflächen können Plätze abkühlen und zugleich die Lebensqualität verbessern.

Der 18. Tutzinger Klimasalon hat damit ein Thema aufgegriffen, das in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird: Nach dem Hitzesommer ist vor dem Hitzesommer – und guter Hitzeschutz beginnt rechtzeitig vor der nächsten Hitzewelle.

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Quelle Titelbild: Robert Koch Institut
ID: 9177
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