Von Gerald A. Herrmann

Zeitloser Widerstand

Dokumentarfilm Spaltprozesse und Gespräch mit Hans Well im Kulturtheater Tutzing

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Hans Well, Musiker und Satiriker

Am Mittwoch, den 17. Juni, lädt der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen zu einer historisch-politischen Abendveranstaltung in das Kulturtheater Tutzing ein. Im Mittelpunkt stehen die Vorführung des preisgekrönten Dokumentarfilms „Spaltprozesse“ über den Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf sowie ein anschließendes Kinogespräch mit dem bekannten Musiker und Kabarettist Hans Well.

Der Anlass für den Abend ist hochaktuell: In diesem Jahr jähren sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und der Protest gegen die geplante WAA Wackersdorf zum 40sten Mal. Die Dokumentation „Spaltprozesse“ (von den Regisseuren Bertram Verhaag und Claus Strigel) beleuchtet eindringlich die damaligen Ereignisse und den breiten zivilen Ungehorsam in der Oberpfalz.

Lokaler Bezug zur aktuellen Debatte

Die Relevanz des Themas zeigt sich auch in der aktuellen Politik. Die Fraktion der Grünen hatte im April einen Antrag zur Verhinderung von Atomkraftanlagen und der Lagerung von radioaktiven Abfällen auf Tutzinger Gemeindegebiet eingebracht. Er steht nun bei einer der beiden Juli-Sitzungen zur Abstimmung. Der Antrag gewinnt vor dem Hintergrund neuerer Forderungen von Landes- und Bundespolitikern sogenannte kleine, modulare Atomreaktoren, auch in Bayern, zu bauen, an Bedeutung.
Die Veranstaltung versteht sich daher als Erinnerung an die historischen Lehren aus der Anti-Atomkraft-Bewegung. Auch das Datum der Veranstaltung wurde bewusst gewählt: Der 17. Juni markiert den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953 und steht symbolisch für den Mut zu gesellschaftlichem Protest.

Der rote Faden des gesellschaftlichen Protests

Die Absicht des Abends geht jedoch über den historischen Rückblick hinaus. Die Veranstaltung will diskutieren, wie sich Formen des Widerstands in Gesellschaften wandeln und wie die Reaktion darauf aussieht. Damals wie heute wirft der Umgang mit Protestbewegungen Fragen auf: Parallelen lassen sich zu modernen Bewegungen wie 'Fridays for Future' oder Klima- und Tierschutzaktivisten ziehen, deren Aktionsformen in der Öffentlichkeit und von der Justiz teils intensiver verfolgt werden als der damalige Widerstand in Wackersdorf.

Prominenter Gast: Hans Well im Gespräch

Als besonderer Gast und Gesprächspartner des Abends konnte Hans Well von den Wellbappn gewonnen werden. Als Mitglied der legendären Biermösl Blosn war er einst eine der prägenden kulturellen Stimmen des Wackersdorf-Widerstands. Die Musiker traten regelmäßig bei den Protesten im damaligen Hüttendorf sowie beim legendären Anti-WAAhnsinns-Festival 1986 auf und machten den Protest durch ihre politischen Lieder weit über die Region hinaus hörbar. Im Anschluss an den Film wird Hans Well aus erster Hand von den damaligen Erfahrungen berichten und die Brücke zur Gegenwart schlagen.

Aufgrund des stark historisch-politischen Charakters richtet sich die Veranstaltung ausdrücklich auch an ein jüngeres Publikum und Schüler, um den Diskurs über Demokratie, Zivilcourage und die Geschichte des Umweltschutzes zu fördern.

• Termin: Mittwoch, 17. Juni
• Ort: Kulturtheater Tutzing
• Einlass: 18:30 Uhr | Beginn: 19:00 Uhr
• Eintritt: Erwachsene: 15 Euro | Jugendliche und Schüler: 5 Euro

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