Ein Wochenende, zwei Festzüge: Vor der Fischerhochzeit am Sonntag zieht bereits am Samstag ein Umzug durch Tutzing – dann feiert der Schützenverein Immergrün sein Jubiläum. Möglich macht es ein Zufall des Kalenders: Das Festzelt am Seehof steht wegen der Fischerhochzeit ohnehin schon, und nach den Auftritten von Luise Kinseher, LaBrassBanda und den Oberkrainern von Mittwoch bis Freitag hätte es am Samstag leergestanden. Der Vorstand des Schützenvereins griff zu – und sorgt so für eine besonders ansprechende Jubiläums-Atmosphäre.
Eine Fahne, die noch niemand gesehen hat
Um 9.30 Uhr beginnt der Tag mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Joseph. Dort wird die neue Vereinsfahne geweiht – und das ist tatsächlich eine Überraschung, auch für den eigenen Vorstand. Rund anderthalb Jahre wurde an ihr gearbeitet, gesehen hat bislang niemand aus dem Verein mehr als eine Entwurfszeichnung. Erst kurz vor dem Fest hat die Kunststickerei Eibl aus Olching sie fertiggestellt. Sie soll die beiden bekannten Löwen vor dem Midgardhaus am Seeufer zeigen – ein Motivwechsel gegenüber der bisherigen Fahne von 1935, auf der Johannishügel und Adlerscheibe zu sehen sind. Deren genaues Entstehungsjahr ist bis heute übrigens ein kleines Vereinsrätsel: Eingestickt ist 1925, obwohl die Fahne von 1936 datiert.
Um 10.45 Uhr schießen Böllerschützen zu Ehren des Jubiläums, um 11.15 Uhr formiert sich an der Kirche der große Festzug – mit Schützenvereinen aus Ammerland, Starnberg, Weilheim und Wolfratshausen sowie mehreren Blaskapellen. Gegen 12.30 Uhr erreicht der Zug das Festzelt am Tutzinger Schloss, wo ab 13 Uhr der Festakt beginnt, musikalisch begleitet von der Wielenbacher Blaskapelle. Mehr als 50 Fahnen befreundeter Vereine ziehen dabei mit ein – und erstmals die neue der „Immergrünen“.
Offiziell endet die Jubiläumsfeier um 16 Uhr. Zur gleichen Zeit beginnt beim Guggerhof der Polterabend der Fischerhochzeit - mit Ankunft der Braut und Tanz auf der Straße mit der Hochberghauser Tanz´lmusi. Ab 19 Uhr ist aber auch Tanz im Festzelt angesagt - mit der Tegernseer Tanz´lmusi, den Würmsee Böhmischen und der Saustoimusi. Da haben die Feiernden die Wahl - aber in gewisser Weise wird ihnen die Entscheidung abgenommen: Etwa um 22 Uhr tritt vor dem Guggerhof der Nachtwächter auf. Wer das als Signal betrachtet, nach Haus zu gehen, kann vielleicht noch im Festzelt vorbeischauen. Dort soll die Feier erst gegen 0.30 Uhr zu Ende sein.
Ein Teil „Immergrün“ ist bei jedem Oktoberfestumzug dabei
Gegründet wurde der Verein 1926 von fünf Tutzingern rund um Johann Cattaneo, den ersten Schützenmeister – ein Mann, der als Brauereifahrer, Wirt und Limonadenlieferant halb Tutzing kannte. Der Name „Immergrün“ sollte für Beständigkeit stehen, und die hat sich der Verein durch etliche Umzüge hindurch bewahrt: vom Sommerkeller über den Andechser Hof bis zum Tutzinger Keller, dessen Schließung 1987 den Verein erneut zur Quartiersuche zwang. Erst 2011, mit dem Neubau der Dreifachturnhalle am Würmseestadion, bekamen die „Immergrünen“ ein eigenes, modernes Schützenheim mit zwölf elektronischen Ständen.
Ein sportlicher Höhepunkt gelang 1986, als Julius Bernhardt beim Gauschießen in Starnberg die Gaukönigswürde und kurz darauf sogar die Landesschützenkönigswürde errang. Kommentar in der Chronik: „Dieser Erfolg stellte einen historischen Meilenstein für den Verein dar und trug den Namen der ‚Immergrünen‘ weit über die Gaugrenzen hinaus.“ Die extra vom Schießleiter Alois Müller angefertigte zerlegbare Königskrone wurde nach dem Oktoberfestumzug 1986 zu einem symbolischen Preis verkauft. Bis heute wird sie von jedem Landesschützenkönig getragen, so dass ein Teil „Immergrün“ bei jedem Oktoberfestumzug mit dabei ist.
Seit dem Umzug in die Würmseehalle hat sich der Verein sportlich weiter etabliert, unter anderem mit dem inzwischen weit über den Gau hinaus bekannten 100-Schuss-Turnier. Seit 2020 führen Armin Ohr als 1. und Karsten Förster als 2. Schützenmeister eine neue Vereinsgeneration – mit Erfolg: Die gemeinsam mit den Wildschützen Pentenried gebildete Mannschaft holte sich 2025 bereits zum vierten Mal in Folge den Hans-Bösl-Pokal. Von den knapp 80 Mitgliedern schießen rund 30 aktiv, ein Erfolg, den der Verein vor allem seiner kontinuierlichen Jugendarbeit zuschreibt.
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