Felix Magath ist heute in Tutzing. Im Würmseestadion begleitet der Ex-Fußballnationalspieler und Meistertrainer ein Fußball-Feriencamp des TSV Tutzing. 18 Trainer der Fußballabteilung sowie 46 Kinder und Jugendliche machen bei dem Camp, das bis Freitag dauert, begeistert mit. Dass Magath zu diesem Feriencamp kam, hat viel mit persönlichen Kontakten zu tun. Besonders der sportbegeisterte Dr. Jochen Wagner hat dazu beigetragen, der lange Studienleiter der Evangelischen Akademie Tutzing war und heute wieder im TSV-Vorstand mitwirkt.
Magath ist heute den ganzen Tag im Würmseestadion dabei. Den meisten Erwachsenen ist sein Name ein Begriff – aber gilt das auch für die Kinder und Jugendlichen? Die Organisatoren von der TSV-Fußballabteilung haben im großen Raum des Clubs JM erst mal einen Film des Fernsehsenders Sport1 über die Karriere des 73-Jährigen gezeigt: Wie er über Eintracht Frankfurt den Sprung zum Hamburger SV geschafft hat, mit dem er in den frühen 1980er-Jahren zur festen Größe der Bundesliga wurde oder wie er seinen bekanntesten Moment im Europapokal-Finale der Landesmeister 1983 gegen Juventus Turin lieferte, als er aus der Distanz das entscheidende Tor zum HSV-Titelgewinn schoss. Seine internationalen Erfolge mit der Nationalmannschaft waren ebenso dabei wie seine Karriere als Trainer, wie er unter anderem den FC Bayern München und den VfL Wolfsburg zur deutschen Meisterschaft führte und wie er als erster Deutscher – lange vor Jürgen Klopp – Cheftrainer einer englischen Mannschaft wurde, nämlich beim FC Fulham. Nicht unerwähnt blieb auch sein Spitzname „Quälix", den er seinen fordernden Trainingsmethoden verdankte. Nach dem Film, als klar war, wen die Teilnehmer des Camps da vor sich haben, kam er zusammen mit Jochen Wagner zur Tür herein, und er wurde mit starkem Applaus begrüßt.
"Es ist wichtig, auch dann noch weiter zu machen, wenn man müde ist"
Auch Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn war dabei. „Das ist ja der Oberhammer“, entfuhr es ihm, als er sah, was die Fußballabteilung des Vereins da alles organisiert hat. „Das kann nur der TSV Tutzing leisten“, schwärmte er.
Magath riss das Thema mit ein paar allgemeinen Bemerkungen an. „Das Schöne am Fußball, am Sport ist, dass jeder seine Position hat“, sagte er, „dass jeder nach seinen Fähigkeiten eingesetzt werden kann.“ Mit eifrigem Training könne jeder viel erreichen, wenn er dabei bleibe – neben den Hausaufgaben natürlich.
Später, auf dem Platz, führte Magath seine Sicht der Dinge noch ein wenig mehr aus. Nach seiner Auffassung zur sportlichen Betätigung der Jugend gefragt, sagte er, er habe da eine andere Meinung als die meisten anderen. Seiner Ansicht nach seien alle jungen Menschen talentiert. Was außerdem dazukommen sollte? „Charakterliche Eigenschaften“, sagte er: „Der Wille, mehr zu machen, nicht aufzuhören, wenn man müde ist.“ Es sei wichtig, auch dann noch weiter zu machen. Ob die Eltern dazu etwas beitragen können? „Natürlich“, sagte Magath, „ sie können das sehr unterstützen.“
Wie er die große Bedeutung der Bewegung für Kinder und Jugendliche einschätzt, belegt er mit seiner Teilnahme am Tutzinger Feriencamp. Er berichtete darüber hinaus über eine in Oldenburg gegründete Gruppe für Herzkranke, die Fußball spielen. Bei Tests habe man bestätigt gefunden, dass sich dies bei ihnen gesundheitlich sehr positiv auswirke. Fußball sei offenbar in dieser Hinsicht besser geeignet als viele andere Sportarten, meinte Magath.
Das Feriencamp deckt systematisch alle wichtigen Grundlagen ab
Für das Training beim Feriencamp haben die Mitglieder der TSV-Fußballabteilung auf dem Sportplatz vier Stationen aufgebaut. An jeder von ihnen wird ein anderer Teil des Fußballspiels trainiert. Das Programm deckt systematisch alle wichtigen Grundlagen ab: Technik, Abschluss, Zusammenspiel und Zweikampfverhalten:
An Station 1 dreht sich alles um die Basis jedes guten Fußballers: die Ballführung. Über einen Dribbling-Parcours arbeiten sich die Kinder durch enge Ballkontakte, üben Finten und trainieren Tempowechsel – also das schnelle Umschalten zwischen langsamem Führen und explosivem Antritt. Wer den Ball eng am Fuß halten kann, gewinnt beim Spiel später entscheidende Sekunden.
Die zweite Station widmet sich dem, was für viele Kinder der schönste Teil des Fußballs ist: dem Torschuss. Geübt wird Zielschießen ebenso wie der Abschluss nach Zuspiel und nach eigenem Dribbling – also genau die Situationen, die im echten Spiel am häufigsten vorkommen und am meisten Nervenstärke verlangen.
An Station 3 steht das Zusammenspiel im Mittelpunkt. Im Passdreieck üben die Kinder präzise Zuspiele, den ersten Kontakt nach der Ballannahme sowie das Freilaufen – jene unscheinbare, aber entscheidende Fähigkeit, sich im richtigen Moment anzubieten. Passqualität, so die Idee dahinter, entscheidet oft mehr über ein Spiel als spektakuläre Einzelaktionen.
Die letzte Station bringt schließlich alles zusammen: In Spielformen wie 2-gegen-2 oder 1-gegen-1 müssen die Kinder Technik, Abschluss und Zusammenspiel unter echtem Gegnerdruck abrufen. Hier zeigt sich, wer die Übungen der anderen Stationen schon verinnerlicht hat – und es wird, ganz nebenbei, auch am meisten gejubelt.
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