Die finanzielle Lage beim TSV Tutzing ist sehr angespannt. Deutliche Kostensteigerungen und rückläufige Zuschüsse haben den Verein deshalb zu einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge veranlasst. Bei der Delegiertenversammlung stieß diese Maßnahme auf breite Zustimmung. Der entsprechende Vorschlag wurde mit 24 Ja-Stimmen bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen angenommen.
Zwei Varianten standen zur Debatte: Eine Erhöhung um 25 Prozent oder um 35 Prozent. Die Delegierten entschieden sich für die zweite Variante - eine Erhöhung um 35 Prozent. Sie tritt bereits Anfang August in Kraft – das bedeutet, dass demnächst die erhöhten Beiträge von den Mitgliedern eingezogen werden. Sie sind darüber bereits schriftlich informiert worden. Die künftigen Beiträge: Erwachsene 216 (bisher 160) Euro, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene 118 (88) Euro, Familien 432 (320) Euro, Ehegatten/Rentner 150 (112) Euro. Für bedürftige Mitglieder soll es Ausnahmeregelungen geben. Bürgermeister Ludwig Horn verwies in diesem Zusammenhang auch auf mögliche Unterstützung durch den Sozialfonds der Gemeinde.
„Wir liegen auch nach der Beitragserhöhung nicht an der Spitze – vielleicht im oberen Mittelfeld“
„Wir bieten ein sehr großes – fast zu großes- Sportangebot“, sagte der Vorsitzende Mark Habdank. „Für das, was wir an Sportbetrieb bieten, verlangen wir zu wenig“ - so formulierte es der für die Finanzen zuständige Vorstand Rainer Fichtl. Tatsächlich sind die Mitgliedsbeiträge des TSV Tutzing auch nach der Erhöhung noch immer deutlich niedriger als die vieler anderer Sportvereine. Sie variieren stark je nach Sportart, Region, Vereinsgröße und Angebot. Es gibt Vereine mit Beiträgen in Größenordnungen von 50 Euro bis 250 Euro im Jahr für Erwachsene, aber auch Vereine mit sehr viel höheren Beiträgen, gerade dann, wenn teure Infrastruktur erforderlich ist, etwa bei Tennis, Reitsport, Golf oder Segeln. In solchen Fällen erreichen die Beitragshöhen oft 300 Euro bis über 1000 Euro im Jahr, manchmal sind es sogar teilweise mehrere tausend Euro. „Wir liegen auch nach der Beitragserhöhung nicht an der Spitze – vielleicht im oberen Mittelfeld“, sagte Fichtl.
Fichtl präsentierte bei der Versammlung eine Hochrechnung, in nach der in diesem Jahr ohne Beitragserhöhung 415 000 Euro Einnahmen 500 000 Euro Ausgaben gegenübergestanden hätten – ein Defizit von 85 000 Euro. Für die schwierige finanzielle Entwicklung nannte er verschiedene Gründe, so einen „dynamischen Zuwachs“ bei den Ausgaben, allgemeine Kostensteigerungen, Rückgänge der staatlichen Förderung, vor allem aber höhere Kosten für den Spielbetrieb. Auch die Gemeinde Tutzing hat die Nutzungsgebühren für die ihr gehörende Halle deutlich um 60 Prozent erhöht. Etwa ein Drittel dieser Erhöhung ist darauf zurückzuführen, dass die Gemeinde inzwischen Umsatzsteuer abführen muss. Fürs Würmseestadion wurden darüber hinaus Nutzungsgebühren neu eingeführt. Damit werden die Hallen- und Stadionkosten aber nach Angaben der Gemeinde nicht gedeckt; die Differenz gilt als „verdeckter Zuschuss“ für den TSV, wie Horn erläuterte. Dieser Zuschuss ist nach seinen Worten aber kleiner geworden.
„Der TSV leistet mit dem Sport einen erheblichen Beitrag für die Gesellschaft"
Die Folgen der Gebührenerhöhung wurden in der Versammlung kritisch kommentiert. In Sportveranstaltungen steckten Mitglieder oft viel ehrenamtliche Arbeit in der Hoffnung, dass damit etwas Geld in die Vereinskasse komme – doch unter Abzug der Nutzungsgebühren bleibe oft nichts mehr übrig. Wenn das so weitergehe, warnte eine Delegierte, würden sich viele bald nicht mehr so für den Verein einsetzen wollen.
Die Hallennutzungsgebühr liegt laut Fichtl bei 200 Euro am Tag und 400 Euro am Wochenende. „Das muss man erst mal verdienen“, sagte er, „das erschwert es uns, Veranstaltungen zu machen.“ Horn warb für Verständnis. Die Gemeinde schieße gern Geld zu: „Weil wir die Arbeit wertschätzen - die Frage ist nur, ob wir die finanziellen Mittel dafür haben.“ Es gehe der Gemeinde bestimmt nicht darum, am TSV Geld zu verdienen, versicherte der Bürgermeister.
Ein Delegierter hielt dagegen: „Der TSV leistet mit dem Sport einen erheblichen Beitrag für die Gesellschaft – und zwar einen Beitrag, den die Gemeinde nicht leisten kann.“ Recht deutlich fügte er hinzu: „Irgendwann ist hier Schluss, dann machen wir zu – was sagt dann die Gemeinde?“ Horn erwiderte: „Wir sehen ja, was für ein wahnsinniger Schatz das in unserer Gemeinde ist.“ Das werde auch im Gemeinderat hoch priorisiert. Wenn die ganze Halle dem TSV gehören würde, fügte er hinzu, dann hätte der Verein ein größeres Defizit. Habdank bestätigte, dass es zwischen Vereinsvorstand und Gemeinde „ein gutes Miteinander“ sei – wenn der TSV auch von der Gebührenerhöhung von bis zu 60 Prozent sehr getroffen werde.
„Wir wollen den Verein auf alle Fälle erhalten"
Die Einnahmen haben nach Fichtls Angaben nicht mit den Ausgabensteigerungen mitgehalten. Bei Fortschreiten dieser Entwicklung, sagte er, hätte schon 2026 eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des Vereins drohen können. Die Ausweitung des Sportbetriebs geht auch mit einer größeren Zahl von Übungsleitern einher, was mit Kostenerhöhungen verbunden ist. Auch staatliche Hilfe gebe es nicht mehr in dem Maß wie früher. Alles in allem: „Jeder findet den Sport gut, aber die Mittel sind begrenzt.“ Die Konsequenz fasste er nüchtern so zusammen: „Je mehr Sport wir machen, umso schlechter werden leider unsere Finanzen“.
Die Verantwortlichen wollen aber auf keinen Fall daraus den Schluss ableiten, dass der Verein sein Sportangebot stark einschränken oder Teile des Sportbetriebs sogar komplett einstellen muss. Ein Delegierter rief bei der Versammlung aus: „Wir wollen den Verein auf alle Fälle erhalten - es darf nicht zu Lasten des Spielbetriebs gehen.“ Da gab es keinen Widerspruch.
Parallel zur Beitragserhöhung werden an allen Ecken im Verein Bemühungen um eine Verbesserung der finanziellen Situation erkennbar. Dabei spannt sich der Bogen von Crowdfunding-Aktionen über Veranstaltungen – bekannt ist der Wintersport-Secondhandmarkt der Skiabteilung – bis zu einem neuen Online-Shop, über den Fanartikel verkauft werden sollen. In der Skiabteilung ist die Idee entstanden, auf dem Traubinger Wochenmarkt unter anderem selbst gebackenen Kuchen anzubieten. Für Unternehmen aus Tutzing und darüber hinaus gibt es Sponsoringmöglichkeiten, und im Stadion können Firmen vom nächsten Jahr an mit Bandenwerbung auf sich aufmerksam machen. In den einzelnen Kursen soll außerdem strenger als bisher darauf geachtet werden, dass die Zahl der Übungsleiter in einem vernünftigen Verhältnis zur Zahl der Teilnehmer steht. Es gibt sogar Überlegungen, einen der beiden Vereinsbusse abzugeben, von denen einer der Skiabteilung gehört.
Ziel ist eine mehr auf die Abteilungen ausgerichtete Finanzierung
Über den Vereinsbeitrag hinaus sind auch schon in mehreren Abteilungen so genannte Abteilungsbeiträge eingeführt, inzwischen auch erhöht worden. Dies gilt als sinnvoll, weil viele Mitglieder vor allem die Angebote einzelner Abteilungen und nicht die des gesamten Vereins in Anspruch nehmen. Über weitere strukturelle Änderungen wird nachgedacht – Ziel ist eine mehr auf die Abteilungen ausgerichtete Finanzierung. Danach sollen die Kosten, die sie jeweils verursachen, soweit wie möglich ihnen zugerechnet werden.
Bisher folgt der TSV dem Grundgedanken einer Solidargemeinschaft, in der finanzielle Überschüsse und Defizite der Abteilungen untereinander ausgeglichen werden. Angesichts der sehr unterschiedlichen Kostenstrukturen wird nun darüber diskutiert, die Abteilungen stärker in die finanzielle Verantwortung einzubeziehen. Die gemeinsame Infrastruktur, die gegenseitige Unterstützung und der Hauptverein als organisatorische Klammer sollen jedoch erhalten bleiben. Auch künftig sollen sich alle Abteilungen als Teil des TSV Tutzing verstehen.
Eine auf die Abteilungen zugeschnittene Berechnung würde ihnen nach Habdanks Meinung eine bessere eigene Steuerung ihrer Einnahmen und Ausgaben nach ihren unterschiedlichen Größen und Bedürfnissen ermöglichen, ebenso eine bessere Planung ihrer zukünftigen Entwicklungen. Die im Verein bisher geltende finanzielle Solidargemeinschaft werde damit zwar etwas aufgeweicht. Durch die geteilte und für alle Abteilungen vorgehaltene Infrastruktur, die gegenseitigen Hilfestellungen der Abteilungen und die Struktur mit dem Hauptverein als Koordinator werde aber weiterhin dafür gesorgt werden, dass sich alle Abteilungen beim TSV zuhause fühlten. In dieser Grundhaltung sieht sich Habdank durch die Stimmung in der Delegiertenversammlung bestätigt.
Der Verein wird sich auch an den Kosten der Dachsanierung beteiligen müssen
Verschärft werden die Probleme durch weitere absehbare Kosten, die auf den Verein zukommen. Das betrifft in nächster Zeit besonders das reparaturbedürftige Dach der Würmseehalle, mit dessen Sanierung vielleicht noch in diesem, ansonsten im nächsten Jahr begonnen werden soll. An der Halle ist der TSV, der über einen eigenen Hallentrakt an der Bernrieder Straße verfügt, nach Fichtls Angaben mit 17 Prozent beteiligt. Das Dach zieht sich über die gesamte Halle, deshalb wird sich der Verein auch an den Kosten der Dachsanierung beteiligen müssen.
„Bei dieser Liegenschaft ist einiges schief gelaufen“, bemerkte Bürgermeister Horn zum Zustand der Halle, bei der seit ihrer Eröffnung 2011 erhebliche Schäden bekannt und durch Sachverständige nachgewiesen sind. Auch der Energieverbrauch sei noch nicht wirklich intelligent gesteuert. Von Maßnahmen wie einer geplanten Photovoltaikanlage erhofft man sich Verbesserungen.
Der TSV hat zurzeit 1790 Mitglieder (Stand 10. Juni 2026), davon 782 Erwachsene, 614 Kinder bis 14 Jahre, 210 Jugendliche bis 18 Jahre und 184 junge Erwachsene bis 25 Jahre. Die Mitgliederzahl hat in den vergangenen Jahren relativ stabil über 1700 Personen gelegen, sagte Habdank. Austritte wegen der Beitragserhöhung werden nicht ausgeschlossen, doch hofft der TSV auf das Verständnis und den Zusammenhalt der Mitglieder für das gemeinsame Ziel, den größten Sportverein am Ort zu erhalten.
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