Sport
13.5.2025
Von Lorenz Goslich

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Stadion

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Tutzinger Sportler bangen um den Hartplatz
Im Tutzinger Sport machen sich große Bedenken breit. Die Hauptsorge gilt dem so genannten Hartplatz oberhalb des Würmseestadions. Denn der ist für andere Zwecke im Gespräch. Die Befürchtungen werden lauter: Über kurz oder lang könnte de Hartplatz nicht mehr für den Sport zur Verfügung stehen.
Tutzing - Der Andrang ist gewaltig, besonders von jungen Menschen. Beim großen Sportverein TSV Tutzing, der insgesamt etwa 1800 Mitglieder hat, sind allein in den Abteilungen Fußball und Leichathletik etwa 300 junge Menschen, von den 5-Jährigen bis zu den jungen Erwachsenen, aktiv. Wie eine Gunst des Schicksals wirkt es, dass sich auch viele Erwachsene mit Können und Begeisterung beim Training und in der Betreuung der jungen Leute engagieren, viele von ihnen ehrenamtlich und mit sehr geringen Aufwandsentschädigungen. Im Würmseestadion ist beim Training nicht selten so viel Betrieb, dass Passanten, die vorbeikommen, gar nicht fassen können, wie man in diesen Massen noch vernünftig Sport betreiben kann.
Irgendwie schaffen es die Verantwortlichen, die Gruppen so zu organisieren, dass sie sich nicht gegenseitig behindern. Da üben die einen den Weitsprung, die anderen den Hochsprung, wieder andere werfen oder laufen. Auch andere Aktive wie etwa die der Abteilungen Basketball oder Ski nutzen solche Flächen. Das alles klappt aber nur, weil es eine Alternative gibt: Oberhalb des Stadions befindet sich der so genannte Hartplatz – eine Fläche, auf der es keinen Rasen gibt, sondern Erde und Kies, so hart wie der Name. „Eine Art planierte Betonwüste“, sagt Jochen Wagner. Der Philosoph und Theologe, langjähriger Studienleiter der Evangelischen Akademie Tutzing, war von klein auf leidenschaftlicher Fußballer, Aktiver beim 1. FC Nürnberg und in der Nationalmannschaft der Autoren. Im Ruhestand engagiert er sich jetzt wieder, wie schon früher, in der Leitung der TSV-Fußballabteilung.
Der Hartplatz, auf dem es sogar eine Flutlichtanlage gibt, ist trotz seines Zustands als weiterer Sportplatz sehr willkommen, fürs Training wird er viel genutzt. Denn ein weiteres Areal, der so genannte Bolzplatz neben dem Südbad, gilt nicht als Platz, der für den Sportbetrieb geeignet ist, sagt Fußball-Abteilungsleiter Leo Dillmann. Ihn und viele andere Sportbegeisterte in Tutzing plagen aber beträchtliche Sorgen: Immer wieder wird darüber gesprochen, dass der Hartplatz für andere Zwecke genutzt werden soll. „Das wäre bitter für uns“, sagt Dillmann. Leichtathletik-Abteilungsleiterin Nadine Dettenhofer wird noch deutlicher: „Es wäre der Super-GAU, wenn der Hartplatz weg wäre - das wäre der Tod für die Leichtathletikabteilung.“
Im Gespräch ist der Hartplatz für einen Neubau des Feuerwehrhauses, für ein Lager des kommunalen Bauhofs und sogar als denkbarer Standort des Wertstoffhofs, der an seinem bisherigen Ort mitten im Tutzinger Zentrum nicht allen passend erscheint. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, doch schon diese Überlegungen führen in den Tutzinger Sportkreisen regelrecht zu Protestbewegungen. Bei einer „Bürgerwerkstatt“ im Rahmen der Vorbereitungen für das Stadtentwicklungskonzept ISEK waren viele der rund 80 Teilnehmer TSV-Mitglieder. Etliche von ihnen erschienen in grünen Vereinstrikots, um ihren Wünschen schon optisch Ausdruck zu verleihen. In gut vorbereiteten Reden betonten sie die Bedeutung des Sports, gerade auch in sozialer und kommunikativer Hinsicht. Fußball halte Jugendliche vom Computer weg und sorge für ausgewogene gesellschaftliche Entwicklung. Der Sport trage dazu bei, Kindern wichtige Werte wie Fairness und Teamgeist sowie Spaß an der Bewegung zu vermitteln. Auch etliche Flüchtlingskinder spielen in Tutzinger Fußballmannschaften mit, sagte einer aus dem Verein. Die Integration funktioniere kaum irgendwo besser als beim Sport. Jochen Wagner bringt es so auf den Punkt: „Wer spielt, ist gegen Krieg.“
Die Proteste, die in Tutzinger Sportkreisen nun mehr und mehr laut werden, hält Claus Piesch, der Sportreferent des Gemeinderats, für richtig. Da werde gegen falsche Vorstellungen gearbeitet: Viele hätten offenbar nicht verstanden, dass sich die Sportvereine um die Volksgesundheit kümmerten. Der Sport sei gemäß dem Sozialgesetzbuch 8 eine Pflichtaufgabe - „nicht eine freiwillige Leistung, wie es mehrere Mitglieder des Gemeinderats immer wieder sagen.“ Dabei unterscheidet Piesch allerdings ausdrücklich zwischen dem Sport, der nicht selten viel Geld kostet, und sportlichen Betätigungen wie Fußball, für die man „einen Ball braucht und sonst gar nichts“. Beides müsse möglich sein.
Leo Dillmann sieht in Tutzing Bedarf für zwei vollwertige Fußballplätze. Neben dem Würmseestadion wäre der Hartplatz dafür nach seiner Überzeugung die richtige Fläche, wenn er für den Sportbetrieb hergerichtet würde - mit Rasen oder Kunstrasen. Das sei ein Wunsch aller Fußballer. Piesch sieht das ähnlich. Nach seiner Meinung gibt es gar keine andere Möglichkeit, schon weil kein anderer geeigneter Grund zur Verfügung steht.
Bürgermeister Ludwig Horn kann die Sorgen der Sportler nachvollziehen, wie er sagt: „Der aktuelle Zustand ist nicht zufriedenstellend.“ Aber die Gemeinde verfüge nur sehr begrenzt über eigene Flächen – und bei derart knappen Ressourcen gebe es natürlich Konfliktpotenziale. „Beim Hartplatz liegen schon Rohre, weil wir keine anderen Lagerflächen haben“, sagt er fast bedauernd. Eine Machbarkeitsstudie für die Weiterentwicklung der Tutzinger Feuerwehr sei schon recht weit, aber noch seien nicht alle Informationen verfügbar.
Ein Kunstrasen für den Hartplatz würde 600 000 Euro kosten, gibt Horn zu bedenken: „Das zwingt uns in die Knie.“ Dass die Gemeinde dafür kein Budget hat, ist Dillmann klar. In der von ihm geleiteten TSV-Fußballabteilung neigen deshalb viele zu eigenem Engagement: Über Sponsoring und Spenden, eventuell eine Crowdfunding-Aktion könnte eine Neugestaltung des Hartplatzes finanziell unterstützt werden. Eine solche Aktion war schon vor Jahren über einen Förderverein vorgesehen, doch daraus wurde damals nichts. Ein entsprechendes Konzept hält Dillmann heute für realistisch. Für Jochen Wagner ist das ein „zeitnahes, dringendes Projekt“. Er warnt vor „konkurrierenden Akteuren“, was die künftige Nutzung des Hartplatzes betrifft, und mahnt: „Die Gesamtarchitektur sollte nicht durch sportfremde Akteure unheilbar angetastet werden.“ Dillmann macht es aber davon abhängig, dass die Gemeinde die Nutzung des Hartplatzes für andere Zwecke ausschließt.
Die Gemeinde habe schon einige Investitionen in die Sportanlagen gesteckt, sagt Bürgermeister Horn, und dies werde fortgesetzt. Im Würmseestadion ist der Rasen neu angesetzt worden, deshalb ist der Platz derzeit – länger, als zunächst geplant - gesperrt. Auch einige Reparaturen wurden vorgenommen. Die Duschen und die Toiletten sind saniert worden, bald soll auch das Dach der Halle an die Reihe kommen – ein Projekt von wohl eher zwei als einer Million Euro. Sogar am Hartplatz, der über lange Zeit ungepflegt war, gibt es Verbesserungen, ebenso beim Bolzplatz neben dem Südbad – zumindest notdürftig, damit es fürs Training reicht. Dass die Infrastruktur dort für den Sportbetrieb nicht gerade gut ist, weiß der Bürgermeister. Zudem ist dieser Platz öffentlich zugänglich – mit nicht unbedingt positiven Folgen für seinen Zustand. Neulich hat jemand dort mit seinem Auto Schleuderübungen vollzogen, wie an entsprechenden Reifenspuren zu erkennen war. Das alles, sagt Horn, mache die sportlichen Nutzungsmöglichkeiten dieses Platzes „schwierig“. „Wir investieren wirklich viel in den Sport“, sagt er. Die Gebühren, die die Gemeinde von den Nutzern der Sportanlagen erhält, reichten bei Weitem nicht aus, diese Kosten zu decken.
Auf Dauer bezeichnet es Horn als Ziel, die bestehende Infrastruktur auf einen wesentlich besseren Standard zu heben, sagt der Bürgermeister. Angesichts der vielen Problemfelder bei den bestehenden Sportanlagen mit zwei undichten Dächern, dem seit langem nicht mehr als Lokal nutzbaren ehemaligen Sportlerstüberl und weiteren Herausforderungen sei das allerdings nur langfristig zu machen – und zwar über das Stadtentwicklungskonzept ISEK. In dessen Rahmen sei auch über weitergehende Überlegungen gesprochen worden. In Tutzing sind immer wieder visionäre Vorstellungen über eine Erweiterung der Sportanlagen zu hören. Da winkt Horn ab: Solche Überlegungen seien nicht konkret. Für derartige Pläne in Frage kommende Flächen gehören ohnehin nicht der Gemeinde, zudem dürfte der Landschaftsschutz solchen Vorhaben im Wege stehen.
Trotz aller Probleme ist TSV-Leichtathletik-Leiterin Nadine Dettenhofer von der Bedeutung der sportlichen Betätigungen überzeugt. „Wir versuchen, dass alle Kinder Spaß an der Bewegung haben“, sagt sie: „Wenn sie aus diesem Grund zweimal in der Woche das Handy aus der Hand legten, ist schon viel erreicht.“

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Über den Autor
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Lorenz Goslich

Wirtschafts- und Lokaljournalist, Diplom-Kaufmann, Dr. oec. publ. Schreibt für diverse Medien und liebt seinen Heimatort Tutzing.

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