Die Lage von Tutzing am Starnberger See ist noch lange keine Garantie dafür, dass alle in der Bevölkerung schwimmen können - schon gar nicht alle Kinder. Das zeigt sich auch an einer recht langen Warteliste für Schwimmkurse, die beim TSV Tutzing angeboten werden. Die aktuellen Kurse, die im Pöckinger Hallenbad abgehalten werden, sind mit 18 Kindern voll belegt (siehe Informationen unten auf dieser Seite). Um die Osterzeit beginnen die nächsten Kurse, doch auch für sie liegen schon zahlreiche Anmeldungen vor. Per E-Mail kann man sein Interesse bekunden, aber dann wird man wohl erst einmal auf die Warteliste gesetzt werden (schwimmen.tsv-tutzing@web.de).
Die Probleme wurden am Dienstag bei einer Präsentation der Starnberger Wirtschaftsfördergesellschaft gwt offen angesprochen. Es finde wenig Schwimmunterricht statt, die Kapazitäten der Bäder seien begrenzt, es gebe nicht ausreichend Plätze, die Wartezeiten seien lang, sagte Isabell Bauch, die Leiterin eines Projekts „Mit Sicherheit mehr Spaß am See“ bei der gwt. Seit 2017 bietet die Gesellschaft kostenfreie Angebote für Kinder an, in denen sie über Gefahren und das richtige Verhalten am und im Wasser aufklärt.
Viele Kinder haben Angst vor dem Wasser
Neu ist eine Kooperation der gwt mit der Stiftung „Deutschland Schwimmt“. Als besonders wichtig betrachten die Initiatoren vorab ein Konzept für behutsame und unterhaltsame Wassergewöhnung. Denn nach ihren Angaben haben 60 Prozent der Kinder, die Schwimmkurse besuchen, Angst vor dem Wasser. Etliche Sponsoren und auch Prominente wirken mit, darunter der Komiker Wigald Boning, der für tägliches Baden auch im Winter bekannt ist.
Angekündigt wird nun die Ausbildung erster Erzieherinnen von „Fortschritt Bayern“ in Niederpöcking zum „Instruktor Wassergewöhnung“. Weiter helfen soll auch ein kindgerechtes Heft mit bunten Illustrationen, in dem der „Wassergeist Willi“ Tipps und Übungen zeigt, die man auch daheim in der Badewanne ausprobieren kann. Außerdem soll ein Video mit Boning auf die Notwendigkeit der Wassergewöhnung aufmerksam machen und Lösungen aufzeigen. https://youtu.be/MY42WHik95o
Die frühere Schwimmabteilung des TSV Tutzing war ein Magnet
In Tutzing war vor Jahren ein Angebot zum Schwimmenlernen regelrecht ein Magnet: Seit 1988 gab es beim TSV eine wiedergegründete Schwimmabteilung, deren etwa zehn Trainerinnen und Trainer alle Hände voll zu tun hatten, denn das Interesse war beträchtlich. Um 17 Uhr begann der erste Kurs in drei Gruppen auf drei Bahnen im damaligen Hallenbad, dann folgten im Dreiviertelstunden-Takt die nächsten Gruppen bis 21 Uhr. Bis zu 250 Mitglieder hatte die Schwimmabteilung, zu 95 Prozent waren es Kinder, erinnert sich Anke Benn-Ortlieb, die diese Abteilung lange geleitet hat.
Mit der Zeit traten aber immer mehr Defekte im Tutzinger Hallenbad zu Tage. Chlorwasser, das heruntertropfte, beschädigte die Apparaturen und die Wände. Irgendwann war alles so kaputt, dass auch die Turnhalle oben nicht mehr benutzt werden konnte. Das Hallenbad wurde Mitte 2010 vorübergehend und schließlich komplett geschlossen. Die Verantwortlichen der TSV-Schwimmabteilung versuchten die Arbeit auf andere Weise fortzuführen, so in einem – mittlerweile ebenfalls stillgelegten - Bad in der Feldafinger Bundeswehrkaserne und in einem Weilheimer Schwimmbad. Aber die Bedingungen und die Termine waren anders, für viele aus Tutzing war das alles längst nicht mehr so attraktiv wie zuvor. Das Interesse ließ nach, viele suchten nach anderen Möglichkeiten, so beim Schwimmverein SG Oberland in Penzberg, der allerdings keine Schwimmkurse anbietet. 1988 wurde die Schwimmabteilung des TSV Tutzing aufgelöst.
Der See bietet keinen ausreichenden Ausgleich
Inzwischen werden beim TSV Tutzing wieder Schwimmkurse angeboten. Darum kümmern sich besonders Yvonne Kolbe und Miriam Kleemann, die Töchter von Anke Benn-Ortlieb. Zu einer Wiederbelebung der Schwimmabteilung im TSV ist es noch nicht gekommen, aber die Informationen werden im Schaukasten des Vereins veröffentlicht. Miriam Kleemann betreibt auch eine Schwimmschule (info@schwimmen-kleemann.de).
Wenn vom fehlenden Hallenbad die Rede ist, verweisen manche gern auf den Starnberger See, der ja viele Möglichkeiten für Wasserfreude biete. Das hält Anke Benn-Ortlieb aber keineswegs für einen ausreichenden Ausgleich. Wichtig fürs Schwimmenlernen sei die Regelmäßigkeit. Bei einer Wassertemperatur von 20 Grad frieren Kinder nach ihren Erfahrungen nach 20 Minuten. Wenn der Sommer lange schön ist, könne man es schaffen, einem Kind das Schwimmen beizubringen - aber häufig gelinge das nicht. „Erst wenn ein Kind Grundfähigkeiten im Wasser beherrscht, ist es in Notsituationen ausreichend gesichert“, sagte Sabine Kurz von der Stiftung Deutschland Schwimmt bei der Präsentation der gwt: „Es kann sich unter Wasser orientieren, bei einem unvermittelten Sturz drehen und im Idealfall auf dem Rücken im Wasser schweben, um auf Hilfe zu warten.“

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