Freude und Tragik hat Dieter Hummel hautnah miterlebt. 1972 war er im Münchner Olympiastadion der Stadionsprecher, als Heide Rosendahl Weitsprung-Olympiasiegerin wurde und die erste Goldmedaille für Deutschland gewann. Bei den selben Olympischen Spielen musste er als erster Staatsanwalt nach dem Terroranschlag palästinensischer Terroristen schnell zum Tatort. Schon 1970 hatte er nach einem Attentat auf Transitpassagiere der israelischen Fluggesellschaft EL AL die Ermittlungen geführt; damals musste er die Freilassung der Attentäter wegen neuer Erpressungen erleben.
Solche sehr unterschiedlichen Erlebnisse belegen das breite Spektrum des Juristen und begeisterten Sportlers Hummel, der am Mittwoch seinen 85. Geburtstag gefeiert hat. Der hoch angesehene Jurist, in seinem Beruf erfolgreich als Oberstaatsanwalt in München und als Direktor des Starnberger Amtsgerichts, hat sich so intensiv in unterschiedlichsten Funktionen für den Sport engagiert, dass man sich nur wundern kann, wie er neben seinen anspruchsvollen Aufgaben in der Justiz dafür die Zeit aufbringen konnte.
Auch in seiner Wahlheimat Tutzing hat sich Hummel über viele Jahre engagiert. Nachdem er 1973 mit seiner Frau Hilla und seinen Töchtern Claudia und Marion in diese Gemeinde gezogen war, integrierte er sich schnell ins Team der Skiabteilung beim TSV Tutzing. Neun Jahre, von 1994 bis 2003, stand er als Vorsitzender an der Spitze des TSV Tutzing. Er hat in dieser Zeit maßgeblich die Weichen für den Neubau der Dreifachturnhalle mit gestellt. Auch nach seiner Phase als Vorsitzender war er noch lange aktiv, er hat an Skiwettbewerben für Journalisten („Eurovision“) und für Juristen („Skilex“) teilgenommen und bis vor ein paar Jahren Tutzinger Kinder im Fußball betreut.
Kollege von "Blacky" Fuchsberger als Stadionsprecher
Schon in jungen Jahren hat es Dieter Hummel als Leichtathlet zu ansehnlichen Erfolgen gebracht. Beim MTV München hat er später als Leichtathletik-Trainer die Mädchen zu beachtlichen Siegen geführt, so bei bayerischen Juniorenmeisterschaften. Zwölf Jahre war er Skitrainer bei Sport-Scheck. Später hat er immer wieder wichtige Aufgaben im Sport übernommen, so im Bayerischen Leichtathletikverband und im Deutschen Skiverband, dessen Vizepräsident er von 1978 bis 1993 war. Verbandspräsident Josef Ertl, der damalige Bundeslandwirtschaftsminister, machte seine eigene Wahl davon abhängig, dass Hummel sein Stellvertreter wurde. Ertl blieb bis 1992, Hummel bis 1993 im Amt. 1980 war Hummel Pressesprecher der Deutschen Olympiamannschaft in Lake Placid.
Hummels Rechtskenntnisse wurden im Sport immer gern genutzt. So berief ihn der Deutsche Leichtathletik-Verband schon Anfang der 1970er Jahre in eine Anti-Doping-Kommission. Er war einer der ersten, die sich von Verbandsseite mit der Dopingbekämpfung beschäftigten. Gleichzeitig war er immer eloquent, und er hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Das hatte Folgen. Bei einem Sportfest im Dante-Stadion machte er einmal eine kritische Bemerkung über den damaligen Ansager - und wurde prompt aufgefordert, es besser zu machen.
Das war der Beginn seiner nebenamtlichen Sprecherkarriere bei unterschiedlichsten Leichtathletik-Wettkämpfen, die ihn schließlich auch zu den Olympischen Spielen führte. Als Stadionsprecher war er dort Kollege des Schauspielers Joachim „Blacky“ Fuchsberger. Was sie und andere ansagen mussten, wurde ihnen nicht etwa direkt an den Sprechertisch geliefert. Digitale Informationen gab es noch längst nicht. Die Stadionsprecher mussten sich selbst gut vorbereiten, die jeweiligen persönlichen Bestzeiten der Sportler parat haben. auf die weit entfernten Anzeigetafeln schauen und hoffen, die richtigen Angaben zu erhaschen - aber die Tafeln wurden ständig gedreht. Manche Namen von Sportlern standen auch noch abgekürzt drauf, wenn sie für den zur Verfügung stehenden Platz zu lang waren.
Bekannte ehemalige Skirennläufer fürs Tutzinger Jugendtraining
Zum TSV Tutzing stieß Dieter Hummel, als er Vizepräsident des Deutschen Skiverbands war. Zusammen mit dem langjährigen Sportwart der Skiabteilung, Hans Hofmair, leistete er intensive Aufbauarbeit. Er baute Gletschertrainings mit auf, die die Tutzinger über viele Jahre ins Hotel von Hansjörg und Elisabeth Falkner in Süden (Ötztal) führten. Und er gewann ehemalige Skirennläufer fürs Jugendtraining, darunter Schorsch Sonnenberger, Willi Lesch, Peter Dürr, Walter Hölzler und seinen Schwiegersohn Herrmann Wellinger, den Vater von Olympiasieger Andreas Wellinger. So wurde der TSV Tutzing für lange Zeit zum erfolgreichsten Skiverein der ganzen Region.
Auch Hummels Töchter Claudia und Marion haben über Jahre erfolgreich an Skirennen teilgenommen. Auf die sportlichen Erfolge seines Enkels Andreas Wellinger ist er natürlich mächtig stolz, und er hat dazu wohl einiges beigetragen. Als Andi noch - bis 2010 - bei den nordischen Kombinierern aktiv war, regte er bei seinem Trainer den Wechsel zu den Spezialspringern an, weil er seine Fähigkeiten auf diesem Gebiet erkannt hatte, doch der zögerte noch. Dann klappte es aber doch - und bereits kurz darauf siegte Andi bei den Olympischen Jugend-Winterspielen in Innsbruck im Mixed-Teamwettbewerb.
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*) Links der damalige TSV-Vorsitzende Uli Dillmann, im Hintergrund links Hans Hofmair und rechts Willi Eisele, beide ebenfalls Träger des Ehrenrings.
**) Das Bild entstand bei der Starnberger Kreisschülerskimeisterschaft 1982. Von links stehend Hans Pfeffer und Hans Hofmair, sitzend Linde Wagner, Helmut Wagner und Dieter Hummel.
***) Von rechts Dieter Hummel, Elisabeth und Hansjörg Falkner und Hans Hofmair
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