Von vorOrt.news

Effizienzsprung bei der Mittelschule

Kraftakt bei Sanierung ermöglicht Unterrichtsbeginn heute - Schmuckstück altes Volksschulgebäude

Schuljahr-Beginn-Logo.png

Sommerferien voller Arbeit gab es in der Tutzinger Mittelschule - nicht für die Schüler, aber bei der Sanierung. Nach vielen Problemen und Verzögerungen zuvor ist in diesen Wochen kräftig Gas gegeben worde. Daniel Grunwald, der Leiter des gemeindlichen Liegenschaftsamts, kam aus diesem Grund sogar extra früher aus seinem Urlaub zurück. Offenkundig ist es gelungen, die Arbeiten deutlich zu beschleunigen. Obwohl es in Teilen des Gebäudekomplexes noch nach Baustelle aussieht, sollen heute, bei Schulbeginn, zwölf Klassenzimmer im sanierten Gebäude an der Traubinger Straße bezugsfertig sein - genug für die 160 Schüler der Mittelschule, für die acht oder neun Klassen gebildet werden sollen.

Alle möglichen Ersatzlösungen für den Unterricht wurden schon geprüft

Campus-BG-hell.png
Die Tutzinger Grund- und Mittelschule vor dem Baubeginn zwischen der Greinwaldstraße (links) und der Traubinger Straße

Mit diesem Effizienzsprung hatten selbst Optimisten nicht gerechnet. Noch kurz vor den Sommerferien war völlig unklar gewesen, wo der Unterricht bei Schuljahresbeginn stattfinden kann. Festgestanden hat nur, dass die Ausweichräume in der Feldafinger Bundeswehrkaserne nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Doch wegen der vielen Verzögerungen schien auch die erhoffte Fertigstellung der Mittelschule bis zum Beginn des Schuljahres nicht zu schaffen zu sein. Seit Mitte April 2026 ging man davon aus, dass vom Schulbeginn bis Jahresende eine Übergangslösung erforderlich sein würde.

Deshalb wurde nach Ersatzräumen Ausschau gehalten, doch das erwies sich als schwierig. Bei mehreren Schulen wurde angefragt. Sogar ein vorübergehender Unterricht im neuen Herrschinger Gymnasium war im Gespräch, doch das Landratsamt stellte diese Räume nicht zur Verfügung. Als gute Lösung galt ein mobiler Containerbau, doch diese Variante wurde wegen der damit verbundenen hohen Kosten verworfen. Zur Debatte stand eine Aufteilung des Unterrichts auf verschiedene Gebäude, und in die Überlegungen einbezogen wurde auch das der Gemeinde gehörende Haus an der Traubinger Straße, gegenüber der Schule, in dem bis vor kurzem die Ambulante Krankenpflege ansässig war. Die Gemeinde hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie dieses Gebäude künftig verwendet werden kann. Dabei soll sich schnell herausgestellt haben, dass dieses Gebäude baulich nicht für einen Schulbetrieb geeignet ist.

Anzeige
Webrug_1_EDEKA_HEISS.gif
Sept26-1.jpg
Ein Schmuckstück auf dem Schulcampus: das historische Volksschulgebäude

Alter Wandschmuck und neue Konzepte

Sept26-7.jpg
Die neue Eingangstür am Mittelschulgebäude kann zunächst noch nicht benutzt werden

Nach dem Kraftakt auf der Baustelle geht’s nun also doch in der „richtigen“ Mittelschule los. In mancher Hinsicht muss in der ersten Zeit noch improvisiert werden. Eine neue Tür ist zwar beim Haupteingang der Schule zu erkennen, doch in diesem Bereich sind die Arbeiten noch nicht beendet. Deshalb wird zunächst der Eingang der alten Volksschule zum Haupteingang.

Dieses sehr ansehnlich hergerichtete historische Gebäude präsentiert sich bereits als Schmuckstück des Schulkomplexes, bei dem das Moderne geschickt mit dem Alten verbunden wird. Im Treppenhaus sind zum Beispiel alte Türen und alter Wandschmuck erhalten geblieben. Gerade in diesem Gebäude waren zuvor auch viele Probleme deutlich geworden, so beispielsweise wegen des Farbkonzepts, das zunächst nicht mit dem Denkmalschutzamt besprochen worden war, und bei den Brandschutztüren.

Unweit vom alten Volksschulgebäude hält ein wichtiges Konzept der Energiewende Einzug: Das frühere Hallenbad, das schon vor vielen Jahren stillgelegt worden war, ist zu einem Eisspeicher umgebaut worden. Mit so einer Anlage, die im ehemaligen Schwimmbecken installiert worden ist, werden große Erwartungen verknüpft: Sie soll eine der größten Herausforderungen der Wärmewende lösen - das hocheffiziente Heizen und gleichzeitige Kühlen ohne fossile Brennstoffe. Eine klassische Klimaanlage gibt es in der Schule nicht. Der Eisspeicher soll als Pufferspeicher für alle Schulgebäude dienen, perspektivisch aber auch für ein kommunales Wärmenetz, das vielleicht in Tutzing entstehen soll.

Baustellenf-hrung-8726-Heizung.png
Heizungsleitungen im Untergeschoss neben dem Eisspeicher - alle per Hand geschweißt

Der Sportunterricht hatte "keine allzu hohe Priorität"

Sept26-8.jpg
Neuer Durchblick: Die Sicht auf den Haupttrakt der Mittelschule von der Greinwaldstraße aus hat an dieser Stelle früher der Eingang zum Hallenbad versperrt, das nun zum Eisspeicher wird. Die Turnhalle (links) wird vorübergehend zur Ersatzmensa. Rechts die Rückansicht des alten Volksschulgebäudes.

Der Sportunterricht wird für eine Weile nicht in der Turnhalle der Schule stattfinden können. Wie vor einiger Zeit bekanntgegeben worden ist, soll ein Catererer vorübergehend in der Turnhalle das Mittagessen ausgeben, weil die Mensa im Erdgeschoss nicht rechtzeitig fertig wird. Ebenso noch nicht betriebsbereit ist die Schulküche im Untergeschoss. Der Kochunterricht ist aber ein prüfungsrelevantes Fach. Er wird in die Hallbergerallee verlegt – in die Räume, die früher für das Fotogeschäft Marquart und dann für eine Tagespflege und den mittlerweile im Kinderhaus untergebrachten Hort St. Josef bekannt waren.

Ob und wo der Sportunterricht stattfinden wird, darüber gibt es bisher keine konkreten Informationen. Bisher geführte Gespräche scheinen aber darauf hinzudeuten, dass es – zumindest zum Teil – Sportunterricht geben kann. Soweit zu erfahren ist, hat die Schulleitung Kontakte mit anderen Schulen, unter anderem mit dem Gymnasium, das offenbar noch über freie Hallenkapazitäten verfügen könnte. Die Gemeinde Tutzing teilt zum Thema Sportunterricht mit: „Das Schulamt hat in den Beratungen mit uns und der Schule selbst in erster Linie Wert darauf gelegt, dass der Kochunterricht stattfinden kann – vermutlich, weil dieser eine höhere Relevanz für den entsprechenden Schulabschluss hat. Der Sportunterricht hatte demgegenüber keine allzu hohe Priorität und seine Gewährleistung fiel auch nicht in unser Aufgabengebiet.“

Juristisches Nachspiel zu erwarten

Weg.png
Lange Wege: Die Aufarbeitung des Themas Mittelschulsanierung dürfte sich hinziehen, und was dabei herauskommen wird, ist offen. Dieser neue Weg zur Schule ist fast fertig. Er beginnt an der Traubinger Straße - aber wohin er führen soll, ist auch in diesem Fall noch nicht zu erkennen (rechtes Bild). © Fotos: L.G. / BG

Unabhängig vom Schulbeginn beschäftigt das Thema Mittelschulsanierung mit all den damit zusammenhängenden Problemen die Gemeinde weiter. Am Dienstagabend ist im Gemeinderat bei seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause wieder ein Sachstandsbericht zu den Arbeiten an der Mittelschule vorgesehen. Bei einem Sachstandsbericht vor einem Monat hatte es im Gemeinderat tiefe Verärgerung gegeben – vor allem wegen nochmaliger Kostensteigerungen auf nun 31,2 Millionen Euro. Zunächst waren über lange Zeit 25 Millionen, später dann 28 Millionen Euro veranschlagt worden. Mittelschule nochmal um drei Millionen teurer Die vielen entstandenen Probleme sind von beteiligten Fachleuten unter anderem auf das komplizierte Zusammenfügen vieler verschiedener Unternehmen zurückgeführt worden. Dabei wurde auch kritisch über das öffentliche Vergabesystem gesprochen, in dem der Grund für viele Schwierigkeiten bei der Beauftragung von Unternehmen gesehen wurde.

Wegen der entstandenen Kostensteigerungen wird es nach der Fertigstellung der Schule wohl ein juristisches Nachspiel geben. Fragen nach den Verantwortlichkeiten und der Regresspflicht werden immer wieder gestellt - erst recht, weil die Gemeinde ein Unternehmen als "externes Bauamt" beauftragt hatte, eben in der Erwartung, dass so ein Spezialist die Abläufe auf der Baustelle und die finanzielle Entwicklung besser im Griff behalten würde. Nun müssen die Ansprüche erst einmal gesammelt, gesichtet und bewertet werden - dann kann die rechtliche Aufarbeitung folgen. Der Weg zur kompletten Beendigung des Themas Mittelschulsanierung wird also noch lang sein.

ID: 9152
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.