Sommerferien voller Arbeit gab es in diesem Jahr in der Tutzinger Mittelschule. Nachdem vielen Problemen und Verzögerungen zuvor ist in diesen Wochen kräftig Gas gegeben worden – und es scheint geklappt zu haben. Obwohl es in Teilen des Gebäudekomplexes noch nach Baustelle aussieht, sollen am Dienstag zwölf Klassenzimmer im sanierten Schulgebäude an der Traubinger Straße bezugsfertig sein. - mehr als genug für acht oder neun Klassen der Mittelschule.
Mit diesem Erfolg eines Kraftakts hatten selbst Optimisten nicht gerechnet. Noch kurz vor den Sommerferien war völlig unklar gewesen, wo der Unterricht bei Schuljahresbeginn stattfinden kann. Festgestanden hat nur, dass die Ausweichräume in der Feldafinger Bundeswehrkaserne nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Doch wegen der vielen Verzögerungen schien auch die erhoffte Fertigstellung der Mittelschule bis zum Beginn des Schuljahres nicht zu schaffen zu sein.
Deshalb wurde nach Ersatzräumen Ausschau gehalten, doch das erwies sich als schwierig. In die Überlegungen einbezogen wurde auch das der Gemeinde gehörende Haus an der Traubinger Straße, gegenüber der Schule, in dem bis vor kurzem die Ambulante Krankenpflege ansässig war. Die Gemeinde hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie dieses Gebäude künftig verwendet werden kann. Dabei soll sich schnell herausgestellt haben, dass dieses Gebäude baulich nicht für einen Schulbetrieb geeignet ist.
Parallel zu all diesen Untersuchungen wurde aber – auch in den Sommerferien - auf der Baustelle der Mittelschule kräftig Dampf gemacht. Daniel Grunwald, der Amtsleiter des gemeindlichen Liegenschaftsamts, kam aus diesem Grund sogar extra früher aus seinem Urlaub zurück. Wie eifrig gearbeitet wurde, war im Umfeld nicht zu überhören.
In mancher Hinsicht muss in der ersten Zeit trotzdem noch improvisiert werden. Eine schicke neue Tür ist zwar beim Haupteingang der Schule zu erkennen, doch in diesem Bereich sind die Arbeiten noch nicht beendet. Deshalb wird zunächst der Eingang der alten Volksschule zum Haupteingang. Dieses sehr ansehnlich hergerichtete historische Gebäude präsentiert sich bereits als Schmuckstück des Schulkomplexes.
Der Sportunterricht wird für eine Weile nicht in der Turnhalle der Schule stattfinden können. Wie vor einiger Zeit bekanntgegeben worden ist, soll ein Catererer vorübergehend in der Turnhalle das Mittagessen ausgeben, weil die Mensa im Erdgeschoss nicht rechtzeitig fertig wird. Ebenso noch nicht betriebsbereit ist die Schulküche im Untergeschoss. Der Kochunterricht aber ein prüfungsrelevantes Fach. Er wird in die Hallbergerallee verlegt – in die Räume, die früher für das Fotogeschäft Marquart und dann für eine Tagespflege und den mittlerweile im Kinderhaus untergebrachten Hort St. Josef bekannt waren.
Ob und wo der Sportunterricht stattfinden wird, darüber gibt es bisher keine konkreten Informationen. Bisher geführte Gespräche scheinen aber darauf hinzudeuten, dass es – zumindest zum Teil – Sportunterricht geben kann. Soweit zu erfahren ist, hat die Schulleitung Kontakte mit anderen Schulen, unter anderem mit dem Gymnasium, das offenbar noch über freie Hallenkapazitäten verfügen könnte.
Die Gemeinde Tutzing teilt zum Thema Sportunterricht mit: „Das Schulamt hat in den Beratungen mit uns und der Schule selbst in erster Linie Wert daraufgelegt, dass der Kochunterricht stattfinden kann – vermutlich, weil dieser eine höhere Relevanz für den entsprechenden Schulabschluss hat. Der Sportunterricht hatte demgegenüber keine allzu hohe Priorität und seine Gewährleistung fiel auch nicht in unser Aufgabengebiet.“
Unabhängig vom Schulbeginn beschäftig das Thema Mittelschulsanierung mit all den damit zusammenhängenden Problemen die Gemeinde weiter. Am Dienstagabend ist im Gemeinderat bei seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause wieder ein Sachstandsbericht zu den Arbeiten an der Mittelschule vorgesehen. Bei einem Sachstandsbericht vor einem Monat hatte es im Gemeinderat tiefe Verärgerung gegeben – vor allem wegen nochmaliger Kostensteigerungen auf nun 31,2 Millionen Euro. Zunächst waren über lange Zeit 25 Millionen, später dann 28 Millionen Euro veranschlagt worden. Mittelschule nochmal um drei Millionen teurer
Wegen der Kostensteigerungen werden auch immer wieder Fragen wegen des von der Gemeinde für das Schulprojekt beauftragten Unternehmens „Bayern-Grund“ gestellt. Diese der Bayerischen Landesbank und der Sparkassenorganisation nahestehende Gesellschaft wurde von Anfang an als "externes Bauamt" dargestellt, das die Baubetreuung und zunächst auch die Finanzierung übernimmt. Die Bezahlung wurde damit für die Gemeinde bis zum Abschluss der Bauarbeiten verschoben. Mit dieser Konstruktion war auch besonders die Erwartung verbunden worden, dass ein solcher Spezialist die Abläufe auf der Baustelle und die finanzielle Entwicklung besser im Griff behalten kann. Nachdem sich dann aber die Probleme häuften, wurde im vorigen Jahr noch ein weiteres Unternehmen, die Firma Kling Consult, mit der Bauüberwachung beauftragt.
Kommentar hinzufügen
Kommentare