Die Nutzung der Bundeswehrkaserne in Feldafing für die Tutzinger Mittelschule kann nicht bis zum Jahresende verlängert werden: Diese Nachricht hat für Aufsehen gesorgt. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass die Schulturnhalle bis Jahresende nicht mehr für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung steht, weil sie als Ersatzmensa gebraucht wird. Turnhalle wird Ersatzmensa Der ehemalige Tutzinger Gemeinderat Claus Piesch, der als Soldat bei der Bundeswehr in Feldafing tätig ist, widerspricht dem Eindruck, die Gemeinde sei erst kurzfristig über das Ende der Nutzung informiert worden. Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn bestätigt das auf Nachfrage: Die Bundeswehr habe die Gemeinde schon vor längerer Zeit entsprechend informiert. In einer ausführlichen Stellungnahme schildert Horn den zeitlichen Ablauf: von der ursprünglichen Unterbringung im Jahr 2021 über mehrere Vertragsverlängerungen bis zum Wechsel des Planungsteams Ende vergangenen Jahres, der neue – und ernüchternde – Prognosen für die Fertigstellung brachte. Er beschreibt, wie die Gemeinde parallel mit der Bundeswehr um eine weitere Übergangslösung verhandelte, Alternativen wie das Gymnasium Herrsching und einen mobilen Containerbau prüfte und warum am Ende die Teilinbetriebnahme des Kasernengebäudes als praktikabelste Lösung im Gemeinderat beschlossen wurde. Horn bittet um Verständnis für die "herausfordernden Momente" der kommenden Monate und zeigt sich zuversichtlich, dass die Schlussphase des Bauprojekts gemeinschaftlich zu einem guten Ende geführt werden könne. Im Wortlaut:
Erklärung von Bürgermeister Ludwig Horn zur Sanierung der Tutzinger Mittelschule
Unspezifische Vorabinformation
Die Bundeswehr ist und war ein sehr guter Partner und ich kann die Aussagen von Herrn Piesch bestätigen. Die Unterbringung in der Kaserne war zum damaligen Planungsstand zu Beginn des Jahres 2021 die beste Lösung für die Gemeinde und wurde entsprechend auch vom Gemeinderat so beschlossen. Aufgrund des schleppenden Baufortschritts wurde die anfängliche Vereinbarung mehrfach verlängert. Bei unseren Gesprächen vielzähligen Gesprächen zu Verlängerungen für die Jahre 2025 und 2026 wurde uns immer mitgeteilt, dass der Bedarf der Bundeswehr sehr hoch ist und wir mit weiteren Verlängerungen nicht rechnen könnten. Rückblickend sind wir dennoch sehr dankbar über die uns gewährten Verlängerungen.
Nach dem Wechsel des Planungsteams waren uns zwei Dinge besonders wichtig: zum einen eine möglichst schnelle Fertigstellung, zum anderen die Sicherung des Unterrichts. Nach Übernahme der Baustelle durch das neue Planungsteam Ende vergangenen Jahres erhielten wir die unspezifische Vorabinformation, dass wir unter normalen Voraussetzungen des Baufortschritts mit der vollständigen Fertigstellung in den Oktober 2026 rutschen könnten – wenige Wochen nach Schulbeginn. Die genauen Voraussetzungen auf der Baustelle konnten durch das neue Planungsteam erst in den nächsten Monaten eruiert werden. Da sich diese Fertigstellung mit den verlängerten Verträgen (bis August 2026) mit der BImA überschnitt, ist die Gemeindeverwaltung erneut in Verhandlungen mit der Bundeswehr getreten. Um Optionen zu schaffen, haben wir dabei auch nur einzelne Teile des Gebäudekomplexes in Feldafing als Teillösung ins Spiel gebracht. Die Verwaltung hat hierzu Gespräche geführt. Parallel hierzu wurden weitere Ersatzalternativen geprüft, dennoch wollte die Gemeindeverwaltung die erneute Anfrage bei der Bundeswehr nicht unversucht lassen.
Herausfordernde Momente für alle Beteiligten
Wie bereits bei den letzten Verhandlungen war der hohe Bedarf der Bundeswehr klar, uns wurden Gespräche gewährt und unser Anliegen samt Vorschlägen geprüft. In einem persönlichen Gespräch im Juni 2026 wurde unser Anliegen besprochen und festgehalten, dass die Gebäude von der Bundeswehr zwingend genutzt werden müssen. Mein persönlicher Eindruck war, dass die Bundeswehr und die BImA sehr professionell vorgegangen sind: Unsere Situation wurde gesehen, die sachlichen Argumente dagegen konnten aber nicht anderweitig gelöst werden. Da wir stets darüber informiert wurden, dass uns keine sicheren Zusagen gemacht werden können, sehe ich das Vorgehen als korrekt an. Wir konnten aufgrund der frühen Information sowie der Hinweise von Herrn Piesch parallel andere Lösungen ausarbeiten, die nun umgesetzt werden.
Natürlich bedeuten auch vorbereitete Lösungen in einem engen Zeitrahmen immer herausfordernde Momente für alle Beteiligten – Schüler, Lehrer, alle Betroffenen der Ausweichliegenschaften und auch die Gemeindeverwaltung. Dafür bitten wir um Verständnis und möchten in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit den weiteren Unterrichtsbetrieb sicherstellen.
Gleichzeitig war uns nach dem Wechsel des Planungsteams wichtig, das tatsächliche Datum der Inbetriebnahme unserer Mittelschule möglichst verlässlich auszuarbeiten und eine mögliche Zeitspanne nach den Sommerferien überhaupt nicht oder so kurz wie möglich zu halten. Deshalb haben wir die verantwortlichen Projektfirmen um entsprechende Beschleunigungsmaßnahmen gebeten.
Wunsch nach einer schnelleren Fertigstellung konnte nicht erfüllt werden
Im Frühjahr 2026 wurden verschiedene Szenarien für eine Inbetriebnahme zum Schulbeginn 2026 durchgespielt. Leider wurden bei den weiteren Detailplanungen durch das neue Architekturbüro auch weitere hohe Defizite auf der Baustelle festgestellt, worüber öffentlich berichtet wurde. Dementsprechend konnte der Wunsch nach einer schnelleren Fertigstellung bis zum Beginn des neuen Schuljahres 2026 nicht erfüllt werden. Seit Mitte April 2026 wissen wir, dass wir bis Jahresende auf eine Übergangslösung bis zur vollständigen Inbetriebnahme angewiesen sein werden.
Parallel zu den Gesprächen mit der Bundeswehr mussten die angedeuteten Alternativen geprüft und entsprechende Rückfallpläne erarbeitet werden. Ein mobiler Containerbau stellt dabei die beste Lösung für die Verfügbarkeit zusätzlicher Schulräume dar, ist jedoch mit sehr hohen Kosten im Millionenbereich verbunden. Zu beachten ist hierbei, dass die Kosten für einen kurzen Zeitraum von wenigen Monaten und für einen längeren Zeitraum ähnlich ausfallen, da Auf- und Abbau die kostenintensivsten Bestandteile sind und die eigentliche Mietdauer weniger stark ins Gewicht fällt.
Teilinbetriebnahme liegt am nächsten
Bezüglich des Gymnasiums Herrsching wurde auch eine Anfrage an das Landratsamt gestellt und geprüft; diese Unterbringungsvariante konnte uns seitens des Landratsamtes jedoch leider nicht zur Verfügung gestellt werden. Wir haben daraufhin andere Schulen, wie das Gymnasium Tutzing und die Realschule, angefragt. Beide würden uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen, wofür wir sehr dankbar sind. Zudem wurden gemeindeeigene Liegenschaften katalogisiert und teilweise hergerichtet, dies in Abstimmung mit dem Schulamt. Auch eine Teilinbetriebnahme des Gebäudekomplexes wurde geprüft, unter Berücksichtigung von Brandschutzauflagen und möglichen Auswirkungen auf den Fertigstellungstermin, verbunden mit einer entsprechenden Priorisierung in der Fertigstellung. All dies war und ist sehr zeitintensiv, aber notwendig, um uns handlungsfähige Optionen zu schaffen.
In der Gemeinderatssitzung im Juni 2026 wurden sämtliche Informationen zusammengetragen und die Entscheidung im Gemeinderat getroffen. Die naheliegendste Variante war dabei die Teilinbetriebnahme. Gleichzeitig wurden weiterhin Rückfallpläne berücksichtigt, da das Bauvorhaben nach wie vor dynamisch verläuft und wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sein müssen. Die Information über die neue Situation erfolgte kaskadenartig: zunächst an den Gemeinderat, dann an die Schule und das Schulamt und schließlich an die Öffentlichkeit.
Persönlich verstehe ich, dass die Einschränkungen der kommenden Monate keinen zufriedenstellenden Zustand darstellen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir die Schlussphase dieses großen Bauprojekts gemeinschaftlich zu einem guten Ende führen können. Ich selbst freue mich sehr auf die Rückkehr zu einem normalen Zustand und wünsche mir dies schnellstmöglich, vor allem für die Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Dafür arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde sowie die projektverantwortlichen Firmen intensiv an diesem Projekt.
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