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Mittelschule nochmal um drei Millionen teurer

Kosten jetzt über 31 Millionen Euro – Scharfe Kritik am „externen Bauamt“ BayernGrund

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Groß, schön und teuer: Die Aula der künftigen Mittelschule

Das kommt nicht oft vor im Tutzinger Gemeinderat: Die öffentliche Sitzung wurde gestern unterbrochen, die zahlreichen Anwesenden im Publikum und von der Presse wurden für eine Weile hinausgeschickt. Grund: Tiefe Verärgerung über die Probleme bei der Sanierung der Mittelschule. Sie sollte ursprünglich im August 2025 beendet sein, dann wurde die Fertigstellung für Ostern 2026 angekündigt, nun wird die Bauzeit wohl bis ins Jahr 2027 dauern. Bemühungen um eine weitere Auslagerung der Mittelschüler in die Feldafinger Bundeswehrkaserne waren vergeblich – die Bundeswehr macht eigenen Bedarf für das betreffende Gebäude geltend. Mittelschüler müssen Kaserne verlassen Und was gestern im Gemeinderat besonders für Ärger gesorgt hat: Nach der vor einiger Zeit bekanntgegebenen Kostensteigerung von 25 Millionen auf 28 Millionen Euro kündigte eine Vertreterin des als „externes Bauamt“ beauftragten Unternehmens BayernGrund in der Sitzung eine weitere Kostensteigerung auf 31,2 Millionen Euro an.

Eben um solche Probleme zu verhindern, hatte die Gemeinde BayernGrund beauftragt. Im vorigen Jahr wurde dem ersten mit der Schule befassten Architekturbüro gekündigt, im Oktober wurde das Unternehmen Kling Consult zur Bauüberwachung hinzugezogen. Als gestern der nächste Schlag mit der neuerlichen Kostensteigerung kam, platzte vor allem Dr. Thomas von Mitschke-Collande von der CSU, der selbst ein erfahrener Wirtschaftsexperte ist, der Kragen. ‚Ich bin geschockt“, kommentierte er bitter. Er fühle sich „an der Nase herumgeführt“ – auch aus Gründen der Kommunikation: „Ihnen und Ihren Vorgesetzten muss doch klar gewesen sein, dass der Temin Ende März überhaupt nicht haltbar ist.“ Die Kommunikation sei besonders schlecht gelaufen, sagte auch Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste). Auf Antrag von Mitschke-Collande wurde die Sitzung dann mit einstimmigem Beschluss unterbrochen.

Keine Stellungnahme des Geschäftsführers von BayernGrund zu den Vorhaltungen

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Schallgedämpfter Boden, ausgefeilte Technik: Ein Klassenzimmer der künftigen Mittelschule. Die "Münchner Mediensäule" wird noch installiert, ebenso ein Panel

Als Publikum und Presse vor der Tür warteten, ist offenbar vor allem über zwei Punkte gesprochen worden: wie die Kommunikation verbessert werden kann und ob jetzt wenigstens alle „Eventualitäten“ einkalkuliert sind – ob also weitere Kostensteigerungen ausgeschlossen werden können. Später, als die öffentliche Sitzung fortgesetzt wurde, versprach die Vertreterin von BayernGrund gute Informationen für die nächsten Gemeinderatssitzungen - und sie erklärte sogar, es gebe Potenzial für gewisse Kostenreduzierungen. Unter anderem kündigte sie Gespräche mit Firmen an, um sie zu Preisminderungen zu bewegen.

Mehrere Gemeinderatsmitglieder machten ihrer Verärgerung dennoch weiter Luft. Man habe bereits seit Januar gewusst, dass der ursprüngliche Zeitplan mit Fertigstellung zu Ostern nicht zu halten sei, kritisierte Gerald Herrmann (Grüne) – dem Gemeinderat sei das aber erst jetzt, kurz vor einer haushaltsrelevanten Entscheidung über mehrere Millionen Euro, mitgeteilt worden. Herrmann sprach von „verschwendeter Zeit, verschwendetem Geld" und nannte es eine Unverschämtheit, das Gremium auf dieser Grundlage arbeiten und letztlich „Luftnummern" beschließen zu lassen.

Tief enttäuscht äußerte sich Marlene Greinwald von den Freien Wählern. An die Adresse des Unternehmens BayernGrund, das in ihrer Zeit als Bürgermeisterin mit der Betreuung der Schulsanierung beauftragt worden war, sagte sie: „Wir haben Sie zu Hilfe geholt, weil wir erkannt haben, dass wir so etwas nicht allein stemmen können.“ Bei den ursprünglichen Vertragsverhandlungen mit BayernGrund sei eine engmaschige, transparente und „hervorragend funktionierende" Kommunikation zugesagt worden – davon könne keine Rede sein. Ein Geschäftsführer von BayernGrund war bei der Sitzung anwesend, nahm zu all dem aber – jedenfalls im öffentlichen Teil – keine Stellung.

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Aufteilung des Schulbetriebs nicht ausgeschlossen

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Schöne Aussicht: Blick aus einem Fenster im oberen Stockwerk der Mittelschule

Der Gemeinderat hat quasi in den sauren Apfel gebissen und das Projektkonto für die Sanierung der Mittelschule einstimmig um 3,2 auf 31,2 Millionen Euro aufgestockt. Ein erheblicher Teil der Kostensteigerung entfällt nach Angaben von BayernGrund auf gestiegene Finanzierungskosten: Wegen der Bauzeit voraussichtlich bis 2027 wurde vorsorglich mit einem höheren Zinssatz von 3,5 Prozent gerechnet – allein dadurch kämen rund 700 000 Euro hinzu. Auch die Kosten für die Fachplaner steigen, weil deren Begleitung des Projekts sich um mehrere Monate verlängert – hier wurde eine Steigerung von rund 13 Prozent genannt.

Zudem gibt es sogenannte Altlasten: Eine frühere, inzwischen insolvente Firma fordert nach ihrer Kündigung über einen Rechtsanwalt rund 300 000 Euro von der Gemeinde nach – ein Anspruch, den man bei BayernGrund für unberechtigt hält, der aber sicherheitshalber einkalkuliert wird. Dazu kommt eine Sicherheitsleistung von rund 2,19 Millionen Euro bei der Justizkasse gegenüber BayernGrund, auf die die Gemeinde derzeit nicht zugreifen kann. Die Förderung durch den Freistaat Bayern orientiert sich nach Angaben von Bürgermeister Ludwig Horn am ursprünglichen Kostenstand. Sie sei mit etwas mehr als 10 Millionen Euro festgelegt und werde nun nicht wegen der Kostensteigerung erhöht werden.

160 Schüler werden zurzeit in der Tutzinger Mittelschule unterrichtet. Ob und in welchem Umfang zumindest Teile des neuen Schulcampus schon zum Schuljahresbeginn genutzt werden können, wird derzeit geprüft. Parallel hält die Gemeinde auch nach anderen Liegenschaften und Schulen Ausschau, die vielleicht als Ausweichflächen dienen könnten. Die Gemeinde selbst verfügt nach Horns Worten über keine Liegenschaft, in der alle Schüler untergebracht werden können. Es könnte also auf eine Aufteilung des Schulbetriebs auf verschiedene Gebäude hinauslaufen. „Die Lehrer sind da sehr offen“, bemerkte der Bürgermeister heute bei einer Presseführung über die Baustelle.

Rechtliche Klärung steht bevor

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Probleme bei der Schulsanierung liefern viel Gesprächsbedarf: (von links) Stefan Wagner von Kling Consult, Sina Meidinger von BayernGrund und Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn heute bei der Führung über die Baustelle

Bei der Führung waren auch Vertreter von BayernGrund und Kling Consult anwesend. Auf Fragen, wie so viel schief laufen konnte, versuchten sie alle offen zu antworten, doch man merkte, wie schwer sie sich dabei taten und wie sie sich selbst über diese Häufung von Schwierigkeiten wundern. „Der Denkmalschutz ist wichtig, wurde aber nicht immer mitgenommen“, sagte Horn. Wo konkret? Besonders beim Farbkonzept und bei den Brandschutztüren, erläuterte Stefan Wagner von Kling Consult.

Sina Meidinger von der Projektleitung bei BayernGrund verwies auf das komplizierte Zusammenfügen vieler verschiedener Unternehmen. „Vieles ist uns erst auf der Baustelle aufgefallen“, sagte sie. Wer jeweils schuld sei, das sei oft nicht so einfach festzustellen. Am Rande der Führung sprach sie aber auch nachdenklich über das öffentliche Vergabesystem, in dem sie die Gründe für viele Probleme bei der Beauftragung von Unternehmen sieht. Das sei „ein großes Problem“, bestätigte auch Wagner, der in dieser Hinsicht großen Reformbedarf sieht.

Auf Fragen nach der Regresspflicht sagte Horn: „Wir sammeln die Ansprüche, wir werden sie alle bewerten müssen.“ Natürlich werde diese Frage zu klären sein. Letztlich könnten dies aber nur Juristen beantworten. „Das wird auf jeden Fall geklärt“, versicherte er, „denn wir gehen ja mit Steuergeldern um.“ Und es sei „extrem viel Geld“.

Eisspeicher - perspektivisch auch als Pufferspeicher für ein kommunales Wärmenetz

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Hochmoderne Schule mit historischen Elementen: In der alten Volksschule gesellt sich Neues zu Altem

In der sanierten Mittelschule wird es insgesamt zwölf Klassenzimmer geben, von denen aber zunächst nur neun benötigt werden. Da auch eine Klasse der Franziskus-Schule, eines Förderzentrums der Lebenshilfe Starnberg mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, dazukommen soll, sind es zehn Klassenzimmer. Wegen Veränderungen kann es aber auch bald größeren Bedarf geben. „Man weiß nicht, was die Zukunft bringt“, sagte Horn.

Obwohl der Baustellencharakter noch alles beherrscht, sind viele Arbeiten inzwischen weit gediehen, und alles wirkt sehr schön, fast luxuriös. Weiche, schallgedämpfte Fußböden, hochwertige Fenster und Türen, „Münchner Mediensäulen“ mit der gesamten Technik an den Wänden der Klassenzimmer, auf die nun noch die Panel drauf kommen. „Alles voll digital, alles vernetzt“, schwämte Horn, „das ist wirklich eine schöne Sache.“ Ein wenig kam er aber bei der Führung doch ins Grübeln: „Was für ein technischer Aufwand für eine Schule“, kommentierte er: „Wie ein Bürogebäude.“

Wie der Denkmalschutz dennoch zu seinem Recht kommt und das Moderne mit dem Historischen verbunden wird, das wird im alten Volksschulgebäude besonders deutlich, in dem das alte Treppenhaus, alte Türen und alter Wandschmuck erhalten geblieben sind. Breite Treppen, die auch für Treppenlifte Platz lassen, verbinden die Gebäude. In der großen Mensa sollen eines Tages Grund- und Mittelschüler gemeinsam essen.

Eine klassische Klimaanlage gibt es in der Schule nicht. „Wir kühlen mit dem Eisspeicher“, sagte Horn. Der wird im Becken des ehemaligen Hallenbads installiert – quasi eine große Betonwanne. Nebenan sind viele Leitungen installiert worden „alles per Hand geschweißt“, sagte Horn sichtlich beeindruckt. Der Eisspeicher soll als Pufferspeicher für alle Schulgebäude dienen, laut Horn perspektivisch aber auch für ein kommunales Wärmenetz, das vielleicht in Tutzing entstehen soll – mit einem „Dreieck Rathaus, Feuerwehrhaus und Schulcampus“.

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Alles per Hand geschweißt: Heizungsleitungen im Untergeschoss neben dem Eisspeicher © Fotos: L.G.
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