„Haus am See“: War es ein Loblied auf die schönstgelegene Schule weit und breit oder schon ein Abgesang auf sie? Musikalische Lehrkräfte interpretierten in dieser Woche beim Festakt zum 75-jährigen Bestehen des Tutzinger Gymnasiums den Song von Peter Fox mit diesem Titel. Dabei besangen sie eine „neue Schule ohne Schaden“ und verbanden damit die Frage, die sich viele stellen: Wird das bestehende Gymnasium saniert werden oder wird es einen Neubau an einer ganz anderen Stelle geben?
Denn seit ein paar Monaten prüft der Landkreis Starnberg, der im Jahr 2020 von der Gemeinde Tutzing die Trägerschaft dieser Schule übernommen hat, neben einer Sanierung auch einen Neubau des Gymnasiums an einem anderen Standort. Dabei hat der Landkreis in die bestehenden Gebäude – in die Turnhallen, ins Dach, in den Schallschutz und in neue Heizungen - bereits etwa zwei Millionen Euro investiert, wie beim Festakt des Jubiläums in der Evangelischen Akademie berichtet wurde.
Neubau des Gymnasiums im Kustermannpark - ein Witz oder vielleicht ein wenig Ernst?
Wird es das „Haus am See“ bleiben? Einer, der das am besten wissen müsste, war beim Festakt dabei: Starnbergs Landrat Stefan Frey. Tatsächlich machte er einige interessante Angaben: Eine komplette Sanierung des Gymnasiums würde Kosten von 70 Millionen bis 80 Millionen Euro verschlingen. Da wäre man gar nicht mehr so weit von den Kosten eines Neubaus entfernt. Die lagen zum Beispiel beim neuen Herrschinger Gymnasium, das am nächsten Freitag in Verbindung mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht wird, bei 110 Millionen Euro.
Hintergründige Andeutungen beim Tutzinger Festakt ließen darauf schließen, dass die Möglichkeit eines Neubaus mittlerweile durchaus ernsthaft untersucht wird. Ob es witzig oder doch ein wenig ernst gemeint war, das wurde nicht ganz klar, als Landrat Frey den Kustermannpark als potenziellen neuen Standort des Gymnasiums erwähnte - quasi dann, wenn alle Stricke reißen sollten. Auch eine Fläche im südlich davon gelegenen Ortsteil Unterzeismering soll für so eine Nutzung im Gespräch sein.
Unter den rund 2000 Gästen der Jubiläumsfeier sorgte die Zukunft des Gymnasiums für Gesprächstoff, aber viele waren auch einfach in der Erwartung gekommen, Bekannte von früher zu treffen. In zahlreichen Fällen gelang das, aber viele hielten auch vergeblich nach ehemaligen Klassenkameraden Ausschau. Wie sich herausstellte, waren längst nicht alle eingeladen worden, die das Tutzinger Gymnasium seit seiner Gründung besucht haben. Das wäre wohl auch kaum möglich gewesen, denn die Schule verfügt natürlich nicht über die jeweiligen Adressen. Man hoffte offenbar, dass sich die Einladung zum Schulfest herumsprechen würde, aber das scheint nur begrenzt geschehen zu sein.
Erinnerungen an frühere Schulzeiten, Volkstänze, Sautrogrennen
Gefeiert wurde aber auch so ausgiebig – allerdings auf unterschiedliche Weise. Das ergab sich schon aus einer Dreiteilung der Veranstaltung: Auf den Festakt folgte ein Schulfest auf dem Bleicherpark, und während dort im Freien die Bratwürste auf dem Grill brutzelten, gaben nebenan in der Aula ehemalige Schüler Erinnerungen zum Besten, darunter die Schauspieler Alexander Netschajew und Joern Hinkel.
Nicht wenige fühlten sich hin und her gerissen, wo sie denn nun dabei sein sollten. Hier und dort war Interessantes geboten. Eine Lehrerin zeigte Volkstänze, bei denen viele begeistert mitmachten, und bei einem Sautrogrennen gab es spannende Wettkämpfe auf dem Wasser vom Ufer bis zu Bojen und zurück. Später tauchte eine Band den Bleicherpark in lautstarke Musik.
Der See ist die Seele der Schule. Wird er es auch bleiben?
Ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch alle einzelnen Teile der Jubiläumsfeier: wie die einmalige Lage dieses Gymnasiums am See seit Jahrzehnten für Schüler wie für Lehrer prägend ist, ja wie der See geradezu die Seele dieser Schule ist. Auf diese Lage verwies Schulleiter Andreas Thalmaier beim Festakt und auch später auf dem Bleicherpark beim Schulfest. Offen blieb aber hier wie dort die derzeit über dem Tutzinger Gymnasium schwebende Frage, ob und wie lange es in dieser Form noch bleiben wird – das „Haus am See“.
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