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Das Tutzinger Meisterstück

Tutzings Gymnasium feiert 75. Geburtstag - Rückblick auf einen Neubeginn nach turbulenten Wochen 1951

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Die vom Reichstagsabgeordneten Wilhelm Kalle einst erbaute "Kalle-Villa" bildet bis heute den optischen Mittelpunkt des Schulgeländes, wie auf diesem Bild aus einer Abiturzeitschrift gut zu erkennen ist

Morgen feiert das Gymnasium Tutzing mit einem großen Fest sein 75-jähriges Bestehen. Seine Vorgeschichte ist eng mit einer Hiobsbotschaft verknüpft. Wenige Wochen vor dem Schuljahresende 1951 hatte die Nachricht aufgeschreckt: Die Missionsbenediktinerinnen wollten ihre Mädchen-Realschule schließen, weil ihnen für die weltweiten Missionsgebiete in Afrika, Amerika und Asien dringend Lehrkräfte fehlten. Eltern und sogar der Bischof von Augsburg setzten sich zunächst erfolglos für eine Fortführung ein. Erst ein kurzfristig gegründeter Zweckverband aus Tutzing, Feldafing, Pöcking, Seeshaupt und Bernried rettete die Schule – unter Trägerschaft der Gemeinde Tutzing, mit dem Studienrat Johann Salomon, dem damaligen Bürgermeister Karl Bleicher und seinem Stellvertreter Hans Hofmair als treibenden Kräften. Was damals in kurzer Zeit geleistet wurde, das wurde nicht nur in Tutzing immer wieder als Meisterstück bezeichnet.

Untergebracht war die junge Schule zunächst in der Kustermann-Villa, die der Gemeinde damals kostenlos zur Verfügung stand, ehe 1956 der Umzug in die Kalle-Villa folgte – jenes Gebäude, das der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Kalle einst erbaut hatte und das bis heute den optischen Mittelpunkt des Schulgeländes bildet. 1958 bestanden die ersten neun Schülerinnen das Abitur, im selben Jahr wurde aus dem Realprogymnasium das Realgymnasium Tutzing. Erst 1959 kamen die ersten Buben in eine gemeinsame Klasse – bis dahin war die Schule reine Mädchensache.

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Die Kalle-Villa in den 1930er Jahren - lange vor ihrer Nutzung als Schule
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Phil Collins, Tommy Hilfiger und das Tutzinger Gymnasium

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Bleibt das Gymnasium weiter auf seinem prächtigen Grundstück in Ufernähe des Starnberger Sees? Der Landkreis Starnberg prüft neben einer Sanierung im laufenden Betrieb mittlerweile auch einen kompletten Neubau an anderer Stelle.

Fast 70 Jahre lang war die Gemeinde Tutzing Träger ihres Gymnasiums – eine Konstellation, die selbst für eine deutlich größere Kommune ungewöhnlich gewesen wäre. Seit 2020 liegt die Trägerschaft beim Landkreis Starnberg. Der Wechsel war nötig geworden, weil die Gemeinde die hohen Sanierungskosten für die in die Jahre gekommenen Gebäude allein nicht mehr stemmen konnte. Bis heute ist die bauliche Zukunft des Gymnasiums nicht endgültig geklärt: Der Landkreis prüft neben einer Sanierung im laufenden Betrieb mittlerweile auch einen kompletten Neubau an anderer Stelle – eine Frage, die den Elternbeirat seit Jahren beschäftigt und die auch zum 75. Jubiläum mitschwingt. Im Gespräch soll unter anderem eine Fläche im Tutzinger Ortsteil Unterzeismering sein.

Trotz dieser offenen Baustelle blickt die Schulfamilie in diesen Tagen erst einmal zurück – und zusammen. „Im Jahr 1951 erblickten nicht nur Genesis-Schlagzeuger Phil Collins und Modedesigner Tommy Hilfiger das Licht der Welt", schreibt der Elternbeirat mit einem Augenzwinkern in der Ankündigung zum Jubiläum, „in einem damals 6000 Einwohner zählenden Dorf am Starnberger See startete auch das spätere Gymnasium Tutzing seinen Schulbetrieb."

Drei Generationen unter einem Hut

Die Feier beginnt morgen am Nachmittag mit einer nicht-öffentlichen Feststunde in der Evangelischen Akademie, zu der zahlreiche offizielle Gäste mit entsprechend vielen Ansprachen erwartet werden. Im Anschluss startet rund um und in der Schule das große Schulfest – für mehr als 2000 erwartete Gäste, mit einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm aus Beiträgen der aktuellen Schülerschaft und ehemaliger Jahrgänge. Eltern sollen auf alte Schulfreunde treffen, Lehrkräfte auf frühere Klassen, und Kinder sollen ihre Schule einmal ganz anders erleben: als Ort des Feierns für Jung und Alt.

Besonders am Herzen liegt den Organisatoren ein Detail: Sie suchen noch Familien, in denen mehrere Generationen das Tutzinger Gymnasium besucht haben, um Großeltern gemeinsam mit ihren Kindern und Enkeln begrüßen zu können – ein lebendiges Bild für 75 Jahre Schulgeschichte am Starnberger See.

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Der heutige Schulleiter Andreas Thalmaier (links) und sein Vorgänger Bruno Habersetzer © Fotos: Gymnasium Tutzing / Abiturzeitschriften / L.G.

Träger und gesellschaftlicher Nutzen

Organisiert wird das Fest vom Elternbeirat in enger Abstimmung mit Schulleitung und Kollegium. Anders als an manchen anderen Schulen wird für den Besuch kein Eintritt erhoben – das Fest soll allen offenstehen. Eine Crowdfunding-Aktion hat fast 16 000 Euro eingebracht. Wer die Finanzierung unterstützen möchte, kann dies über den Verein der Freunde des Gymnasiums Tutzing (FGT) tun, der bereits seit der Schulgründung als Förderverein besteht. Eine eigene Aktion auf dem Fest kommt zudem der Partnerschule in Togo zugute, mit der das Gymnasium seit 2022 eine Schulpartnerschaft pflegt. Als anerkannte Umweltschule setzt die Veranstaltung außerdem auf Mehrweggeschirr und Müllvermeidung.

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