11 760 geteilt durch fünf – diese Aufgabe haben die Schülerinnen und Schüler der Grund- und Mittelschule Tutzing nicht nur im Heft gelöst. Das Ergebnis, 2352, steht für die Zahl der Bäume, die gepflanzt werden, wenn alle Tafeln ihrer eigenen „Guten Schokolade“ verkauft sind. Die Tutzinger Edition liegt in den Regalen: bei Edeka Heiß in Tutzing, bei Rewe Gayer in Feldafing und bei Edeka Maciol in Pöcking. Für je fünf verkaufte Tafeln wird ein Baum gepflanzt.
Kinderkunst auf dem Schokoladenwickel
Für die Verpackung haben die Kinder und Jugendlichen gemalt, was für sie Tutzing ausmacht. Eine unabhängige Jury hat daraus Motive ausgewählt. Den größten Wiedererkennungswert hat wohl die Pfarrkirche St. Joseph mit ihren beiden Zwiebeltürmen, mit Buntstift detailreich vom roten Kirchendach bis zur Turmuhr gezeichnet. Ein zweites Motiv zeigt ein Paar in Tracht, das unter Blumenbögen über den See gerudert wird, eine Hommage an die Tutzinger Fischerhochzeit. Die übrigen Bilder fangen den See und seine Umgebung ein. Auf jedem Wickel steht außerdem ein Code. Wer ihn online eingibt, kann nachsehen, wo der eigene Baum gepflanzt wird.
Zwei Paletten wurden insgesamt produziert - so viel beträgt die Mindestmenge für eine solche Sonderedition. Das Projekt hat für die Schule auch eine Bedeutung nach innen. Weil die Mittelschule während der Sanierung des Schulgebäudes an der Traubinger Straße in Feldafing untergebracht war, lernten Grund- und Mittelschüler an getrennten Standorten. Die gemeinsame Schokolade soll nun nach Angaben der Initiatoren auch den Zusammenhalt der gesamten Schulfamilie stärken. Zugleich leisteten die Schülerinnen und Schüler damit einen eigenen Beitrag dazu, dass Tutzing Fairtrade-Gemeinde ist. Diesen Titel trägt der Ort seit 2020.
Für Tutzing hat die Aktion eine besondere Note. Die Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet, die die Produktion organisiert, hat ihren Sitz in der Lindemannstraße mitten im Ort. Die Bewegung entstand 2007 aus einer Schülerinitiative. Der damals neunjährige Initiator Felix Finkbeiner, der im Alter von 13 Jahren vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprach, leitet heute zwei Teams innerhalb von Plant-for-the-Planet sowie ein Team für politische Arbeit, das sich auf nationale und internationale Mechanismen zum Schutz tropischer Wälder konzentriert. Er hat einen Abschluss in internationalen Beziehungen und promoviert an der ETH Zürich im Fachbereich Ökologie mit dem Schwerpunkt Wiederaufforstung.
Eine Schokolade, die nach Hause zurückkehrt
Plant-for-the planet unterstützt heute weltweit Aufforstungsprojekte. Die Organisation hat in den vergangenen Jahren selbst rund 25 Millionen Bäume gepflanzt; zusammen mit weltweiten Partnern wurden über 100 Millionen zusätzliche Bäume gesetzt. Seit 2012 wird die fair gehandelte "Gute Schokolade“ vertrieben, deren Erlöse unter anderem in die Baumpflanzprojekte fließen. Bei einem Test der Stiftung Warentest im Jahr 2018 wurde diese Schokolade unter 25 Milchschokoladen mit der Note 1,9 an die Spitze gesetzt.
Nach Angaben der Initiative verzichten alle Partner auf Gewinn. Das gilt für den zur Schweizer Coop Genossenschaft gehörenden Hersteller Halba ebenso wie für den Vertriebspartner, der die Tafeln an die Märkte verteilt, für eine Grafikfirma, die die Sondereditionen gestaltet, und für die Geschäfte, die die Schokolade verkaufen.
Auch für die Kakaobauern soll etwas bewirkt werden. Zusammen mit einer Stiftung für Agrarforschung und einer auf Aufforstung spezialisierten Firma wird Kakao nach dem Bericht nicht mehr in Monokultur angebaut, sondern gemeinsam mit Obstbäumen und Edelhölzern. So hätten die Kleinbauern mehrere Einkommensquellen und könnten ihr Jahreseinkommen teils um das Fünffache steigern. Ein Film auf der Schokoladenseite von Plant-for-the-Planet zeigt, wie das funktioniert.
Immer wenn fünf Tafeln verkauft sind, soll ein neuer Baum gepflanzt werden. Damit die fast 12 000 Tafeln auch ihre Käufer finden, hat sich die Schule Partner gesucht. Edeka Heiß in Tutzing übernimmt eine ganze Palette, der Rewe Gayer in Feldafing eine halbe und der Edeka Maciol in Pöcking eine viertel Palette. Das letzte Viertel teilen sich der Elternbeirat der Schule, die Pfarrei St. Joseph, die Ambulante Krankenpflege, der Tutzinger Getränkemarkt, La Villa in Niederpöcking und Alferis Entdeckerküche.
Schon 2020 hatten Pöckinger Grundschüler eine eigene Edition mit Motiven aus ihrem Ort gestaltet. Nun ist Tutzing an der Reihe. Das Schulteam schließt seine Ankündigung mit einer Einladung an alle Naschkatzen am Westufer: „Freuen Sie sich auf unsere Gute Schokolade.“
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