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Im Schloss Tutzing entsteht die „Akademie 2030“

„Hybridveranstaltungen“ sowohl am Ort als auch virtuell - Udo Hahn seit zehn Jahren Direktor

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Auf dem Weg zur "Akademie 2030": Udo Hahn © eat

Die im Schloss Tutzing ansässige Evangelische Akademie befindet sich in einer strategischen Neuausrichtung. Ihr Direktor Udo Hahn, der sie seit genau zehn Jahren leitet, beschreibt dies in einem Interview aus Anlass seines Jubiläums so: „Wir befinden uns gerade in einem Prozess, in dem wir die ‚Akademie 2030‘ konzipieren.“

Geplant sind mehr und mehr „Hybridveranstaltungen“ - mit Publikum in der Akademie und Personen, die online dabei sind. Die Tagungsräume werden derzeit nach Hahns Worten mit neuer Technik ausgestattet. Neben einem erneuerten Auftritt der Akademie und einer zweiten Website eigens für das Denkmal Schloss Tutzing soll auch die Social Media-Präsenz an Bedeutung gewinnen. Die Akademie verfügt inzwischen über einen hauseigenen YouTube-Kanal und einen monatlichen Podcast. Von all dem verspricht sich Hahn auch Erleichterungen bei der Ergebnissicherung und der Dokumentation von Veranstaltungen. Damit könnten Impulse schneller in andere Debatten und Prozesse eingebracht werden, und die Inhalte seien besser auffindbar und abrufbar.

Die zunehmende Hinwendung zur virtuellen Welt wird das Schloss Tutzing aber nach Hahns Überzeugung als Veranstaltungsort dauerhaft nicht in Frage stellen. Trotz aller Veränderungen mit dem Internet werde die Akademie „ein Präsenzort“ bleiben. Er vertritt sogar die Auffassung, dass die persönliche Begegnung gerade in der Pandemie „als ein gefragter Mehrwert neu entdeckt“ worden sei. So sieht sich Hahn unverändert dem Auftrag verpflichtet, „die Evangelische Akademie Tutzing als Stätte des Glaubens und politischer Diskussionen zu gestalten, als Ort kultureller Inspiration, als Raum, in dem Menschen aufatmen und etwas von der Freundlichkeit Gottes spüren können“. Der Kernauftrag der Akademie habe sich über die Jahrzehnte nicht verändert: Menschen zum Diskurs zu gewinnen, um Lösungen für die Herausforderungen in Politik und Gesellschaft zu entwickeln. „Die Evangelische Akademie ist für die evangelische bayerische Landeskirche so etwas wie ein Fenster zur Gesellschaft“, hatte Hahn nach seinem Amtsantritt vor zehn Jahren gesagt: „Sie ist ein Außenposten kirchlicher Arbeit, weil wir Menschen ansprechen, die sich nicht in erster Linie zur Kerngemeinde rechnen.“

Viele haben nur über die Akademiearbeit Kontakt zur Kirche

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Mit neuen Angeboten sollen junge Menschen in der Evangelischen Akademie mehr Gewicht bekommen © eat

Als seine vielleicht wichtigste Aufgabe sieht Hahn die Gestaltung des personellen Wandels in der Akademie. Durch zahlreiche Neubesetzungen sei das Kollegium deutlich jünger geworden - und weiblicher: „Waren von den zehn Positionen zu meinem Amtsantritt nur drei mit Frauen besetzt, so sind es heute sieben.“ Viele halten diesen Wandel für vorbildlich, sagt er, fügt allerdings hinzu: „In Sachen Diversität muss sich das noch zeigen.“ Im Interview betont Hahn, dass die Kirchen durch ihre Akademien aufs Engste mit der Gesellschaft verbunden seien - heute auch mit vielen, die keiner Kirche angehören. Bis zu vierzig Prozent der Personen, die an Akademie-Tagungen teilnehmen, hätten praktisch nur über die Akademiearbeit Kontakt zur Kirche, sagt er unter Berufung auf eine Sozialraumanalyse mitteilt. Nur über diesen Bereich habe die Kirche damit Kontakt zu einer Zielgruppe, die für den zivilgesellschaftlichen Diskurs wichtig sei.

Einen deutlichen Wandel beobachtet Hahn auch beim Akademie-Publikum: „Es ist in den vergangenen Jahren jünger geworden.“ Einen Grund dafür glaubt er unter anderem darin zu erkennen, dass jüngere Studienleiterinnen und Studienleiter auch Menschen in ihrer Altersgruppe ansprächen. Um das Gewicht betonen, das sie den Stimmen junger Menschen beimisst, hat die Akademie auch schon „Jugendbotschafter“ ernannt. Hinzu kommen ganz neue, am Interesse junger Menschen orientierte Angebote. In einem Online-Format “Meet online & be creative – für ein neues digitales Wir!” konnten Jugendliche zum Beispiel per Videokonferenz künstlerische Ausdrucksformen wie Comic, Poetry Slam und Improvisationstheater ausprobieren. Ein „Junges Forum“ ist laut Hahn der einzige auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichteter Arbeitsbereich der Akademie, nämlich ganz zugeschnitten auf Menschen zwischen 14 und 34 Jahren. Hahn bedauert, dass dieser Bereich vor seiner Zeit einer Kürzung zum Opfer gefallen sei: „Hätten wir nicht nur eine halbe Stelle - wir könnten noch mehr machen.“

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"Tutzing ist ökumenisch vorbildlich"

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Im Schloss Tutzing ist die Evangelische Akademie seit ihrer Gründung im Jahr 1947 ansässig © eat

Sehr positiv äußert sich Hahn über Tutzing: „Meine Frau und ich haben uns vom ersten Tag an in dieser Gemeinschaft und generell in Tutzing wohlgefühlt.“ Tutzing sei durch das gute Miteinander der beiden Kirchengemeinden auch ökumenisch vorbildlich. Zusammen mit den Schulen, den Vereinen und der Gemeinde sei es ein Ort, an dem die Bürgergesellschaft für ein gutes Miteinander und eine gelingende Verständigung sorge.

Am 1. Juni 2011 hatte Udo Hahn die Nachfolge von Friedemann Greiner angetreten, der 20 Jahre - von 1991 bis 2011 - an der Spitze der Evangelischen Akademie Tutzing gestanden hatte und vor wenigen Tagen 75 Jahre alt geworden ist. Hahn, 1962 in Lauf an der Pegnitz geboren, wurde nach seinem Studium der evangelischen Theologie in Erlangen, Neuendettelsau und München 1988 zum Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ordiniert. Er sieht sich selbst als „Grenzgänger zwischen Medien und Bildung“. So war er unter anderem Redakteur beim Evangelischen Sonntagsblatt (1986 bis 1989), Ressortleiter bei der Zeitung „Rheinischer Merkur“ (1989 bis 1999) und von 1999 bis zu seinem Wechsel nach Tutzing 2011 Pressesprecher der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und beim Deutschen Nationalkomitee (DNK) des Lutherischen Weltbundes (LWB). Er ist auch Autor und Herausgeber zahlreicher religiöser Sachbücher und spiritueller Texte.

Das vollständige Interview mit Udo Hahn:
https://www.ev-akademie-tutzing.de/dienstjubilaeum-akademiedirektor-udo-hahn/

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