Von Stefan Flierl

„Früher konnte man ironischer sein“

Karikaturist Klaus Stuttmann zu Besuch am Gymnasium Tutzing

Der freischaffende Karikaturist Klaus Stuttmann ist für über 30 Zeitungen tätig und gehört zu den produktivsten politischen Zeichnern in Deutschland. Im Rahmen des W-Seminars „Mit spitzer Feder gezeichnet: Karikaturen als bildliche Form der Satire“ unter der Leitung von Stefan Flierl war der Berliner zu Besuch am Gymnasium Tutzing und stand den Schülerinnen und Schülern des Kurses Rede und Antwort zu seinem kreativen Beruf.

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"Angela Merkel zeichne ich inzwischen im Schlaf."

Das Zeichnen von Karikaturen eignete sich der studierte Kunstwissenschaftler wie viele Karikaturisten autodidaktisch an. Obgleich er schon früh damit begann, habe es gedauert, bis er davon leben konnte. Heute zählt Stuttmann zu den erfolgreichsten Vertretern seiner Zunft und beliefert seit 2003 unter anderem den „Tagesspiegel“ täglich mit einer Karikatur, die stets zum Redaktionsschluss um 16.30 Uhr fertig sein muss. Den Schülern stellte sich da die Frage nach dem Umgang mit diesem Druck. Letztlich sei es aber genau dieser kreative Schaffensdruck, der ihm nach wie vor Spaß und – wenn eine Karikatur gelungen ist – Befriedigung bereite, so Stuttmann.

„Die Zukunft der Karikatur ist ungewiss“

Eine große Arbeitserleichterung brachte auch der technische Fortschritt. Früher habe er noch aus Zeitschriften ausgeschnittene Bilder als Zeichenvorlagen archiviert und seine Karikaturen auf Papier gezeichnet. Heute erfolgt die Recherche über das Internet und das Zeichnen auf dem Tablet.

Stuttmann thematisierte mit der Schülergruppe jedoch ebenso die Schattenseiten der digitalen Medienwelt. Diese gefährde seiner Meinung nach nicht nur die Zukunft der Karikatur, sondern man müsse als Karikaturist heutzutage auch immer bedenken, dass sich eine Zeichnung im Internet weltweit verbreiten und Personengruppen, die sich angegriffen fühlen könnten, leichter erreichen kann. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die sogenannten „Mohammed-Karikaturen“, die große Proteste auslösten und islamistische Terroristen zum Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ motivierten. Auch Stuttmann musste auf Rat der Polizei schon einmal wegen der massiven Kritik an einer Karikatur für eine Woche lang abtauchen, wie er den Schülerinnen und Schülern erzählte.

Nicht belehren, sondern zum Nachdenken anregen

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Bundeskanzler sind für einen Karikaturisten Alltagsgeschäft

Gefragt nach den Grenzen von Satire vertrat Stuttmann die Position, dass Karikaturen immer legitim seien, sofern ihr Gegenstand und ihre Kritik relevant und berechtigt sind. Er persönlich verzichte aber beispielsweise auf die Darstellung von Gewaltszenen. Menschen und Personengruppen, die sich beleidigt fühlen, werde es zwangsläufig immer geben. Sein Eindruck sei aber, dass das Ironieverständnis abgenommen habe. Dabei wolle er mit dem Mittel der Ironie zum Nachdenken anregen – und nicht belehren.

Die Schülerinnen und Schüler erhielten nicht nur einen spannenden Einblick in die Arbeit eines Karikaturisten, sondern auch eine künstlerische Kostprobe: Mit geübten Strichen zeichnete Klaus Stuttmann auf seinem Tablet in wenigen Minuten Angela Merkel - die könne er inzwischen schon im Schlaf.

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