Von vorOrt.news

Wasserwacht will weg vom Zeltprovisorium

Halle geplant – Schnelle Hilfe rund um die Uhr ehrenamtlich mit nur 12 000 Euro Jahreshaushalt

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Bayerns Ministerpräsident Söder nahm 2022 während eines Besuchs der Tutzinger Wasserwacht spontan an einer Übungsfahrt teil

Für die Tutzinger Wasserwacht ist zurzeit die Unterbringung der mobilen Schnelleinsatzgruppe, kurz SEG, das aktuellste Thema. Das hat der Ortsvorsitzende Robert Lettenbauer bei einer Vorstellung der Wasserwacht im Gemeinderat bekräftigt. Die mobile Schnelleinsatzgruppe muss bislang provisorisch mit einem Zelt auskommen.

Geplant ist eine feste Fahrzeughalle in unmittelbarer Nähe der bestehenden Wasserwacht-Station, zwischen Sportplatz und Ruderhallen, mit einem befestigten Vorplatz zum Rangieren. Für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte wäre das ein deutlicher Schritt weg vom Zeltprovisorium, hin zu einer Unterbringung, die Fahrzeuge und Ausrüstung dauerhaft witterungsgeschützt und einsatzbereit hält.

Schon bei einem Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vor vier Jahren waren die maroden Liegenschaften der Wasserwacht Bayern das zentrale Thema. Damals wurde bereits über offene Finanzierungsfragen und bürokratische Hürden geklagt. "Als Söder, der früher selbst Rettungsschwimmer war, durch die in die Jahre gekommene Wasserrettungsstation geführt wurde, war ihm anzusehen, wie die beengte Situation auf ihn wirkte", hieß es damals in einem Beitrag auf vorOrt.news Söder packt in Tutzing gleich selbst mit an Eine Lösung gibt es aber immer noch nicht. Lettenbauer verweist auf Nachfrage auf vielfachen Wechsel der Geschäftsleitung beim Starnberger Kreisverband der Wasserwacht und auf eine chronische Unterbesetzung dort. Dies lasse wenig Ressourcen für zusätzliche Projekte neben dem Tagesgeschäft: „Da leiden die Projekte sehr in der Planungsgeschwindigkeit darunter.“

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Die Aufgaben der Wasserwacht gehen weit über das gängige Bild vom Rettungsschwimmer hinaus

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Robert Lettenbauer und das gesamte Team der Tutzinger Wasserwacht sind hoch engagiert mit zahlreichen Aufgaben vor allem am Starnberger See

Die Tutzinger Ortsgruppe wurde 1952 gegründet und ist heute mit einer stationären Schnelleinsatzgruppe an der Wasserrettungsstation Südbad sowie der mobilen Schnelleinsatzgruppe aktiv. Mehr als 4600 Stunden haben die Mitglieder der Tutzinger Wasserwacht im vergangenen Jahr geleistet – für Wachdienst, Ausbildung, Einsätze und Arbeitsdienst zusammengenommen.

41 Mitglieder zählt die Ortsgruppe aktuell, davon 29 über 25 Jahre und zwölf zwischen 18 und 25. Hinzu kommt eine rege Jugendgruppe mit rund 29 Nachwuchskräften. Im Jahr 2026 verzeichnete die Ortsgruppe bisher 41 Bootseinsätze, 40 Tauchgänge und 65 Alarmierungen – Zahlen, die laut Lettenbauer den engen Bezug der Wasserwacht zum Alltag am See widerspiegeln.

Die Aufgaben der Wasserwacht gehen weit über das gängige Bild vom Rettungsschwimmer hinaus. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, sind die Einsatzkräfte über Piepser alarmbereit. Ihr Kerneinsatzgebiet ist die Mitte des Starnberger Sees, durch Taucher und die mobile SEG aber auch landkreisweit und überregional. Dazu kommt die technische Hilfeleistung im, auf und unter Wasser. Die Ortsgruppe verfügt über Einsatztaucher, Bergeausrüstung und Fachpersonal sowie ein großes Motorrettungsboot. Auch Naturschutz zählt zu den Aufgaben, ebenso wie Prävention und Ausbildung – etwa durch verstärkten Wachdienst bei hoher Freizeitnutzung der Gewässer sowie Fach- und Breitenausbildung für Mitglieder und Öffentlichkeit.

Fachlich ist die Ortsgruppe breit aufgestellt: Unter den Mitgliedern sind Wasserretter, Motorbootführer, Einsatztaucher, Truppführer, Gruppenführer, Einsatzleiter Wasserrettung sowie Fachkräfte für die psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Daneben bildet die Ortsgruppe selbst aus – mit eigenen Ausbildern für Rettungsschwimmen, Motorbootführerschein, Führungskräfte und den Helferführerschein.

„Unsere Leute kriegen keine Aufwandsentschädigungen – das können wir uns nicht leisten"

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Schnelle Rettung im Fall des Falles: Angesichts der wachsenden Freizeitnutzung des Starnberger Sees – Segler, Schwimmer, Stand-up-Paddler - wächst auch die Bedeutung der Wasserwacht

Getragen wird die Arbeit von der Wasserwacht Bayern im Bayerischen Roten Kreuz (BRK), vor Ort organisiert als eigenständige Ortsgruppe Tutzing – ausschließlich mit ehrenamtlichem Personal. „Unser Haushalt ist nicht höher als 12 000 Euro im Jahr“, sagte Lettenbauer: „Unsere Leute kriegen auch keine Aufwandsentschädigungen – das können wir uns nicht leisten.“ Die Mitgliedsbeiträge liegen bei etwa 3800 Euro, konkretisiert Lettenbauer auf Nachfrage: „Den Rest müssen wir über Absicherungen, Ausbildungskurse für Externe, Unterwasserarbeiten, verrechenbare Einsätze, Spendenaktionen und Stiftungsanfragen kostendeckend kalkulieren.“

Der Haushalt sei an das Notwendige angepasst: „Wir finanzieren die Mitgliedsausbildungen wie auch Einsatzkleidung, Sprit für die Fahrzeuge und Eintritt für das Hallenbad in Pöcking für die Interne wie auch externe Ausbildung.“ Ein kleiner Puffer für Wartung und Reparaturen sei auch eingeplant, außerdem ein kleiner Posten, um die Gemeinschaftspflege zu realisieren, „z.B. Gummibärli für die Jugendgruppe nach dem Training oder Grillfleisch zum Sommerfest der Mitglieder“. Von der Gemeinde Tutzing erhalte die Wasserwacht 400 Euro im Jahr für die Jugendarbeit, vom Kreisverband bekomme die Tutzinger Ortsgruppe einen kleinen Teil der Gelder von Fördermitgliedern.

Für die Gemeinde hat die Wasserwacht große Bedeutung

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Die Einsatzkräfte der Tutzinger Wasserwacht- hier bei einer Übung - sind Tag und Nacht verfügbar, wenn sie gebraucht werden

Für die Gemeinde bedeuten die Aktivitäten der Wasserwacht demgegenüber: schnelle Hilfe im Notfall auf dem Wasser, ausgebildete Rettungsschwimmer entlang der Uferabschnitte in den Sommermonaten und eine Anlaufstelle, die auch Nachwuchs an Rettungsschwimmen und Verantwortung heranführt. Angesichts der wachsenden Freizeitnutzung des Starnberger Sees – Segler, Schwimmer, Stand-up-Paddler - wächst auch die Bedeutung dieser ehrenamtlichen Infrastruktur.

Ob das immer alle zu schätzen wissen, scheint dem Ortsvorsitzenden eher fraglich zu sein. „Ich habe mal von jemand aus dem Gemeinderat eine Anfrage bekommen, ob er mitmachen kann“, erzählte er im Gemeinderat: „Aber bis jetzt hat sich noch keiner gezeigt.“ Ergänzend fügt er nach der Präsentation hinzu: „Natürlich waren die Grünen und Schwarzen auf Landesebene auch schon bei uns wie auch auf Kreisebene die Gelben - jedoch dienen diese Besuche zum ‚Einblick in die Arbeit der Wasserwacht‘ meist dem Profilbild zur Wahl - da sind wir nicht blauäugig.“ Dennoch nutze die Ortsgruppe diese Termine, um ihre Probleme immer wieder zu definieren.

Gern sind die Mitglieder der Tutzinger Wasserwacht zu Gesprächen bereit, bekräftigt Lettenbauer. Besuchen kann man sie immer an Wochenenden und Feiertagen in der Sommersaison oder am Donnerstagabend ab 18.30 Uhr zum Training an der Wasserrettungsstation im Südbad.

„Wir sind stark vom Wohlwollen der politischen Geld-Entscheider abhängig“

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Wasserwachtstation im Tutzinger Südbad: "Sicherheit auf und am Wasser kostet nun mal Geld" © Fotos und Grafik: Wasserwacht Tutzing

Grundsätzlich ist die Aufgabe der Wasserrettung in Bayern ehrenamtlich im Einsatzdienst, sagt Lettenbauer. Keine Kommune, kein Kreis und kein Bezirk sei finanziell verpflichtet, dies zu finanzieren: „Wir sind stark vom Wohlwollen der politischen Geld-Entscheider abhängig - und in Zeiten von Haushaltsengpässen wird auch hier gespart.“ Er persönlich stelle sich immer die Frage, was gesellschaftlich und politisch gewollt sei. "Sicherheit auf und am Wasser" - auch wenn diese ehrenamtlich gestaltet sei - koste nun mal Geld. Man müsse nur mal an den letzten Tankstellenbesuch denken: „Wir bekommen auch keinen Rabatt und - tanken Super E5 bei einem 6-Zylinder-Motor, den wir brauchen an diesem Gewässer...“ Der Sprit allein nehme schon eine unangenehme Dimension im Haushalt ein.

Allein den Haushalt für 2027 bald planen zu müssen, sei keine schöne Erwartungsvorstellung für ihn als Vorsitzenden, sagt Lettenbauer: „Da beginne ich schon im Spätsommer 2026 mit den Sorgen, wie wir dies gegenfinanzieren fürs nächste Jahr.“ Eine Planung wie die Feuerwehr mit dem Feuerwehrbedarfsplan und dem daraus resultierenden Druck auf die Gemeindekasse habe die Wasserwacht nicht. „Vergleichen Sie mal den Haushalt der Tutzinger Feuerwehr mit unseren 12 000 Euro“, sagt Lettenbauer: „Dann verstehen Sie, was sparen heißt und viel Eigenleistung bei Reparaturen jeglicher Art.“ Das Bayerische Rote Kreuz sei eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Das sei in den "fetten Jahren" des Wirtschaftsaufschwungs sehr gut - doch jetzt sei das BRK einer der Sparposten in den entscheidenden Gremien. „Wir gehören zum Katastrophenschutz, jedoch ist der „Ausbau der Zivilschutzfähigkeit" hier noch nicht erkennbar angekommen. Große Summen und Worte versiegten in irgendwelchen Ministerien zur Aufstockung von Mitarbeitern, um die politische Gewichtung zu positionieren: „Sorry - aber nach dem kalten Krieg wurde nicht nur die Bundeswehr kaputt gespart.“

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