Das hätte gewaltig schief gehen können. Die Wasserwachten mussten gestern ausrücken, um Teilnehmer eines Betriebsausflugs sicher ans Ufer zu bringen, weil sie mit selbst gebauten Flößen nicht mehr gegen den Wind ankamen.
Gegen 15.30 Uhr begaben sich 70 Teilnehmer auf insgesamt neun Flöße, die sie zuvor aus Reifen und Holzplanken selbst zusammengebaut hatten. Sie wollten damit für etwa eine halbe Stunde von Tutzing aus auf den Starnberger See hinausfahren, um anschließend am Ufer den Tag ausklingen zu lassen. Was sie dabei nicht beachteten: Bereits einige Zeit zuvor war die Starkwindwarnung ausgelöst worden. Zudem wehte ein ablandiger Westwind.
Als die ersten Flöße schon etwa 100 Meter vom Ufer entfernt waren, versuchten die Organisatoren vom Ufer aus, die Besatzungen zum Umkehren zu bewegen. Offensichtlich hatten sie festgestellt, dass der Wind zu stark war. Das bemerkte Robert Lettenbauer, der Vorsitzende der Tutzinger Wasserwacht, der zufällig an der Wasserrettungsstation vor Ort war. Da schnell klar war, dass die Versuche, zurück ans Ufer zu gelangen, wegen des Windes zwangsläufig scheitern mussten, ließ er über die Integrierte Leitstelle Rettungskräfte alarmieren.
Die Flöße waren bereits bis zu 300 Meter vom Ufer entfernt
Das erste Boot der Tutzinger Wasserwacht konnte schon wenige Minuten später ausrücken. Zu diesem Zeitpunkt waren die Flöße bereits weiter in Richtung Seemitte abgetrieben und bis zu 300 Meter vom Ufer entfernt. Gemeinsam mit der ebenfalls alarmierten Wasserwacht Ammerland, die nicht weniger schnell im Einsatz war als die Tutzinger Wasserretter, wurden knapp 50 Personen nach und nach ans Ufer gebracht. Der Rest schaffte es aus eigener Kraft, mit dem Floß ans Ufer zu paddeln.
Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Lediglich zwei Passagiere wurden nass, weil sie zwischenzeitlich ins Wasser gesprungen waren, um zu versuchen, ihr Floß schwimmenderweise in Richtung Ufer zu schieben.
Als feststand, dass keine medizinische Versorgung notwendig war, wurden die Flöße, die mittlerweile auf dem See verteilt und mehrere hundert Meter vom Ufer entfernt waren, nach und nach zur Wasserrettungsstation Tutzing geschleppt.
Hintergrund: Sturmwarnung am Starnberger See
Auf dem Starnberger See, dem Wörthsee und dem Ammersee werden Wassersportler und Badegäste, wie auf einigen anderen bayerischen Seen auch, durch orangefarbene Sturmwarnleuchten vor auftretendem Starkwind oder Sturm gewarnt. Die Leuchten sind so platziert, dass von jeder Stelle an und auf dem See mindestens eine dieser Leuchten zu sehen ist. Bei einer Sturm- oder Starkwindwarnung des Deutschen Wetterdienstes werden die Leuchten von der Integrierten Leitstelle ausgelöst.
Die Warnung hat zwei Stufen:
Starkwindwarnung: etwa 40 Mal pro Minute
Die Starkwindwarnung wird bei zu erwartenden Böen oder anhaltendem Wind mit einer Windstärke von 6 und 7 Beaufort (39 bis 61 Stundenkilometer) ausgelöst. Die Sturmwarnleuchten blinken dann etwa 40 Mal pro Minute. Damit sollen die Wassersportler auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden. Die Kreiswasserwacht Starnberg rät in diesem Fall, sich in Ufernähe aufzuhalten und auf keinen Fall mehr weiter hinaus zu schwimmen oder zu fahren.
Sturmwarnung: 90 Blitzsignale pro Minute
Die Sturmwarnung (90 Blitzsignale pro Minute) wird ausgelöst, wenn Windstärken von 8 und mehr (ab 61 Stundenkilometer) erwartet werden. In diesem Fall sollen Wassersportler unverzüglich ans Ufer kommen oder windgeschützte Stellen wie zum Beispiel Häfen aufsuchen.
Die Sturmwarnung im Starnberger Fünfseenland wird vom 1. April bis zum 31. Oktober eines jeden Jahres in der Zeit von 7 Uhr bis 22 Uhr betrieben. Eine Karte mit den Standorten der Sturmwarnleuchten ist auf der Internetseite des Landratsamt Starnberg zu finden. https://www.lk-starnberg.de/index.php?NavID=613.1439 Hinweise zum Verhalten im Notfall zeigen Videos, die unter Mithilfe der Wasserwacht Starnberg erstellt wurden und im Internetauftritt der Bayern Tourismus Marketing GmbH veröffentlicht sind. https://erlebe.bayern/ruecksichtsvoll
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