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Schläuche und Dart

Tutzings Jugendfeuerwehr bietet ein breites Spektrum - Anna-Maria Stöckerl neue Jugendwartin

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Der neue Kommandant Christoph Knobloch und die neue Jugendwartin Anna-Maria Stöckel stehen für einen Generationswechsel bei der Tutzinger Feuerwehr © L.G.

Schon als Fünfjährige war Anna-Maria Stöckerl gern auf dem Gelände der Tutzinger Feuerwehr. Später hat sie sich der Jugendfeuerwehr angeschlossen - und nun ist die 20-Jährige Jugendwartin. Christoph Knobloch, der kürzlich zum neuen Kommandanten gewählt worden ist, hat sie in dieser Funktion zu seiner Nachfolgerin ernannt. Christoph Knobloch ist Feuerwehr-Kommandant Sechs Jahre war er Jugendwart, und sein großes Engagement hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass ihn der bisherige Kommandant Markus Kuisl für die Spitzenposition vorgeschlagen hat.

Mit der Nachfolge von Christoph Knobloch trete sie in „Riesenfußstapfen“, sagt die neue Jugendwartin. Anna-Maria Stöckerl ist die Jüngste unter vier Geschwistern in der bekannten Tutzinger Metzgerfamilie, die auch eine Musikerfamilie ist. Wie ihre Eltern und ihre Geschwister gehört sie zu den Stützen der Traubinger Blaskapelle. Beruflich befasst sie sich bei der Gemeinde Tutzing, bei der sie gelernt hat, als Verwaltungsfachangestellte mit dem Bestattungswesen sowie mit öffentlicher Sicherheit und Ordnung.

Unter den 43 Jugendfeuerwehren im Landkreis Starnberg ist die Tutzinger nicht nur eine der größten, sie gilt auch als eine der aktivsten. „Die Jugendfeuerwehr hat bei der Tutzinger Feuerwehr einen sehr hohen Stellenwert“, sagt Knobloch. Wie wichtig das ist, belegt seine Wahl: Er selbst ist mit erst 28 Jahren der jüngste Feuerwehr-Kommandant im Landkreis Starnberg. Seine Bestellung ist auch Zeichen eines Generationswechsels.

Früher sind manche jungen Leute nicht selten "ums Feuerhaus herumgeschlichen"

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Die Feuerwehr braucht Nachwuchs, und sie bietet viel für die jungen Leute: Werbung der Tutzinger Jugendfeuerwehr © Jugendfeuerwehr Tutzing

Es ist "das letzte Abenteuer": So hat es Josef Stümpfl einmal formuliert, der von 1971 bis 1977 der erste Jugendwart der Tutzinger Feuerwehr war und später leitender Branddirektor der Münchner Berufsfeuerwehr wurde. Das letzte Abenteuer Das große Engagement für die Jugend, das damals begonnen hat, wird damals für nicht wenige der älteren Mitglieder wie ein Kulturbruch gewesen sein. Denn früher hatten Zwölfjährige und Jüngere bei der Feuerwehr nichts zu suchen.

Joachim Grotz, einer aus der ersten Stunde, hat einmal erzählt, wie er mit 14 Jahren oft „ums Feuerhaus herumgeschlichen“ ist - bis ihm endlich ein Aufnahmeformular hingelegt wurde. Mit den Grundstein gelegt haben seinerzeit Ludwig Brod, Andreas Chowanetz, Klaus Greif, Hans Großbuchberger, Helmut Henning, Gregor Müller, Peter Riedelsheimer und Michael Zistl junior.

Erst einmal sind die Jugendlichen in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre „mitgelaufen“ - bis dann die Jugendfeuerwehr richtig organisiert wurde. Zurzeit hat sie 17 Mitglieder im Alter von 13 bis 17. Es waren schon mal deutlich mehr, es gibt halt ein Auf und Ab. Vier der Jüngeren sind kürzlich 18 Jahre geworden, sie sind jetzt bei der aktiven Mannschaft. Anna-Maria Stöckerl war, bevor sie Jugendwartin wurde, zwei Jahre Jugendbetreuerin. In dieser Funktion sind derzet Michael Ludwig, Tatjana von Dawans, Florian Schiffner und Valentin Englaender aktiv.

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Gerätekunde, Handwerk, Freizeit

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Bei der "Deutschen Jugendleistungsspange" müssen die Mitglieder der Jugendfeuerwehr unter anderem acht 120 Meter lange Schläuche verlegen und zusammenkuppeln, und die Schlauchstrecke darf keinerlei Verdrehungen enthalten. Zeiten von unter 60 Sekunden sind dabei nicht selten. © Andreas Binder

Seit ihrer Gründung vor einem halben Jahrhundert bildet Tutzings Jugendfeuerwehr kontinuierlich Nachwuchs aus. Bei ihr erlernen die jungen Leute ein breites Spektrum, von Gerätekunde, Umgang mit Schläuchen und Knoten über Notruf, Erste Hilfe, Verbände anlegen, stabile Seitenlage, Reanimation und Defibrillator-Bedienung bis zu Handwerklichem: Handhabung von Wasserleitungen, Akkuschraubern, Sägen, Hammer und Nagel „und was man noch so alles im Alltag braucht“, sagt Knobloch. Zurzeit ist wegen Corona Vieles anders, Schulungen werden online abgehalten, aber sie finden statt.

Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr werden aber nicht nur mit spannenden, interessanten und lehrreichen Aufgaben herausgefordert, sie können auch zahlreiche Freizeitangebote nutzen. Es gibt einen Jugendraum mit Dart-Automat, Spielen und einem Fernseher. In der aktuellen Pandemie fallen die meisten Aktivitäten aus, aber zu normalen Zeiten unternehmen die Mitglieder oft Tagesausflüge, sie gehen zum Wandern und Klettern, einmal jährlich gibt es eine Woche lang ein Zeltlager, in Südtirol, an der Ostsee, im Allgäu, am Chiemsee oder in einem Jugendlager bei Iffeldorf. In den Sommerferien des vorigen Jahres haben die jungen Leute ein Projekt „Wir renovieren unseren Jugendraum“ gestartet. Statt Geländespielen, Wasserschlacht und Radltouren haben sie unter strikter Einhaltung der Corona-Regeln Türen geschliffen, Wände gespachtelt und alles in neuen Farben gestrichen.

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Jugendgruppe mit Jugendbetreuern und Jugendausbildern, aufgenommen im Mai 2017 © Freiwillige Feuerwehr Tutzing

Die jungen Leute haben sogar ein Konzept für bessere Busverbindungen erarbeitet

Auch für alle möglichen Aktionen in Tutzing ist die Jugendfeuerwehr bekannt, von einem Stand bei der Wintersonnwendfeier im Kustermannpark bis zu ihrer Christbaumsammelaktion. Sichtlich beeindruckt waren Tutzings Gemeinderäte vor einiger Zeit vom Engagement der Jugendfeuerwehren in Tutzing und Traubing im Rahmen eines Ausbildungsprojekts „Demokratieführerschein für Jugendliche“. Über die Volkshochschule Starnberger See (VHS) haben sich die jungen Leute auf Vermittlung der Tutzinger Kulturmanagerin Brigitte Grande, die zweite Vorsitzende der VHS ist, eingehend mit dem öffentlichen Personennahverkehr in Tutzing befasst. Dabei haben sie konkrete Vorschläge erarbeitet und sie im Gemeinderat präsentiert, dessen Mitglieder sichtlich beeindruckt waren. Unter anderem haben sie für bessere Busverbindungen in die diversen Siedlungen und Ortsteile der Gemeinde plädiert. Nicht lange danach wurde die Buslinie 978 bis Fischerbuchet und Kallerbach ausgeweitet.

Die neue Führungsspitze der Feuerwehr hat der Tutzinger Gemeinderat unterdessen bestätigt. Das gilt für den neuen Kommandanten Christoph Knobloch sowie seine beiden Stellvertreter Michael Lanio und Dominik Sperk.

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