Die Halle der Tutzinger Feuerwehr wirkte am Freitag komplett verändert. Die Fahrzeuge waren alle hinaus gebracht worden, damit Platz war für die diesjährige Versammlung des Feuerwehrvereins. Es war ein beeindruckender Anblick. Viele Mitglieder waren zu dieser ersten Präsenzversammlung seit langer Zeit erschienen - und der Anteil junger Leute war auffallend groß.
Damit wurde deutlich, was sich zurzeit bei der Tutzinger Feuerwehr tut: Der Generationswechsel prägt den Übergang in eine neue Ära. Mehr und mehr übernehmen jüngere Personen auch Führungsaufgaben. Weithin für Aufsehen gesorgt hatte schon der erst 29 Jahre alte neue Kommandant Christoph Knobloch, der im Februar dieses Jahres Nachfolger von Markus Kuisl geworden war. Der erfahrene Michael Lanio steht ihm als Stellvertreter zur Seite, aber im Februar ist erstmals auch ein zweiter stellvertretender Kommandant gewählt worden, nämlich Dominik Sperk - ein weiterer Vertreter der jüngeren Generation. Beim Feuerwehrverein vollzieht sich diese Entwicklung genauso.
Boris Wolff wurde am Freitag zum Vorsitzenden wiedergewählt, doch er freute sich sichtlich über mehrere jüngere Mitglieder, die neu in den Vorstand berufen worden sind. Deren Interesse ist so groß, dass es für den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden sogar zwei Bewerber gab. In der Wahl setzte sich Florian Schiffner gegen Frank Klein durch. Wolff bescheinigte Schiffner viel „Feuerwehr-DNA“. Insgesamt zeigt der Vorstand eine gute Mischung. Schriftführerin Florentine Lanio und Kassier Andreas Binder wurden wiedergewählt. Ältestenräte sind Josef Schiffner und Georg Pulfer, Beisitzer Tobias Wegl, Oliver König und Sebastian Steinmüller, Kassenprüfer Harry Olm und Andreas Weigmann. Jugendwartin ist schon seit ein paar Monaten Anna-Maria Stöckerl.
"Davon können viele andere Vereine nur träumen"
Wolff zeigte sich angetan von der „guten jüngeren Mannschaft“. Er selbst hatte, wie er sagte, eigentlich mit seinem Rückzug geliebäugelt, doch es sei alles anders gekommen. „Ich bin hier aufgewachsen, habe hier viele Werte gelernt und hänge stark an diesem Verein“, betonte er. Deshalb stelle er sich noch für eine weitere Periode der Verantwortung. Nach den kommenden drei Jahren werde er aber nicht noch einmal kandidieren, kündigte er an. Die Wahlergebnisse vom Freitag und das große Engagement auch jüngerer Mitglieder sieht er als gute Voraussetzung, mehr und mehr „die junge Generation an den Start zu bringen“. Auch Kommandant Christoph Knobloch sprach von einem „guten Team“.
Erkennbar beeindruckt war auch Tutzings Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg. Sie gratulierte herzlich zu dem reibungslosen Wechsel von der älteren zur jüngeren Generation. Davon, fügte sie hinzu, könnten viele andere Vereine nur träumen, denn die Bereitschaft, Posten zu übernehmen, sei bei den Jüngeren keineswegs überall so groß.
Umkleiden in Abgasen
Die Vizebürgermeisterin ging auch kurz auf die laufenden Prüfungen für eine Erweiterung oder einen Neubau des Feuerwehrhauses ein. „Der Umkleide-Anbau läuft“, sagte sie. Diese Maßnahme gilt seit langer Zeit als sehr wichtig, weil die Feuerwehrleute derzeit beim Umziehen in der Fahrzeughalle den Abgasen stehen.
Als nach der Versammlung die Fahrzeuge wieder auf ihre Plätze gefahren wurden, konnten sich alle davon überzeugen. Die Abgas-Gerüche zogen durch die Halle und durch die Feuerwehrbekleidung hindurch, die direkt daneben hängt. Wie die Einsatzkräfte, die sich dort regelmäßig umziehen, um Menschenleben zu retten, an dieser Stelle seit Jahren selbst Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, darüber machen sich wohl die wenigsten Menschen in Tutzing Gedanken.
Wenn nun ein lange ersehnter Anbau fürs Umkleiden errichtet werden kann, ist dies ein ausgesprochen wichtiger Schritt, aber die Tutzinger Feuerwehr steht noch vor einer erheblichen weiteren Herausforderung. Das gesamte Feuerwehrhaus muss umgestaltet, modernisiert und für die Zukunft gerüstet werden. Die Verantwortlichen der Feuerwehr und der Gemeinde hoffen sehr, dass dies am bisherigen Standort an der Oskar-Schüler-Straße möglich sein wird, denn schnelle Hilfe ist von weiter entfernten Stellen der Gemeinde aus wegen weiterer Anfahrtwege kaum zu gewährleisten. Experten beleuchten das alles zurzeit genau, aber Vieles ist noch keineswegs klar, und zahlreiche Aspekte sind dabei zu berücksichtigen. Eine Machbarkeitsstudie, die in Arbeit ist, soll darüber Aufschluss geben. Vizebürgermeisterin Dörrenberg gab sich bei der Versammlung zuversichtlich. „Wir werden es schaffen“, versicherte sie, „da bin ich felsenfest überzeugt.“

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