Von vorOrt.news

„Diese Masche hätte ich nie für möglich gehalten"

Betrüger bitten in Tutzinger Geschäften Passanten um Sachspenden für die Tafel und tauschen die Ware anschließend wieder

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Diese Warnung ist am Donnerstag auf nebenan.de veröffentlicht worden © Screenshot - www.nebenan.de

Es klingt zunächst nach einer guten Tat: Jemand spricht einen im Laden an, will kein Bargeld, sondern nur ein paar Sachen für die Tafel – Windeln vielleicht, oder Babymilch. Wer sich bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen und an der Kasse bezahlt, steht kurz darauf mit leeren Händen da. Denn die angesprochene Person nehme den Kassenzettel an sich und tausche die Ware anschließend wieder zurück, heißt es in einer Warnung, die an diesem Donnerstag auf dem Nachbarschaftsportal nebenan.de veröffentlicht wurde. „Damit hat man dann eine größere Menge an diese Betrüger gezahlt." Passiert sein soll das im Drogeriemarkt dm, bei Edeka und bei Lidl in Tutzing.

Caroline Krug hat diese Warnung „mit Entsetzen" gelesen, wie sie in einer Mitteilung an vorOrt.news schreibt. Sie koordiniert das „Tutzinger Tischlein Deck Dich", arbeitet seit 20 Jahren ehrenamtlich für die Tafel und kommentiert: „Diese Masche hätte ich nie für möglich gehalten." Umso wichtiger ist ihr eine Klarstellung: Niemand von den Helferinnen oder Helfern der Tafel gehe in die Supermärkte und spreche Menschen an. Diese Klarstellung ist ihr wichtig, damit die Einrichtung, die seit über 20 Jahren besteht, nicht in Verruf gerät.

Wie die Tafel tatsächlich zu ihren Lebensmitteln kommt

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Auch an diesem Freitag werden wieder Lebensmittel in der Bräuhausstraße ausgegeben, die von Geschäften gespendet oder von hilfsbereiten Menschen dort hingebracht werden © Tischlein Deck Dich

Der Weg der Waren ist ein anderer – und ein unauffälliger. Freitags erhält das Tischlein Lebensmittel, die knapp am Verfallsdatum stehen, dazu Brot und manchmal auch Drogerieartikel. Abgeholt werden sie von ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern im eigenen Auto. Manche Tutzingerinnen und Tutzinger bringen zusätzlich Lebensmittel oder Süßigkeiten direkt in die Bräuhausstraße 3. Dort ist jeden Freitag von 10.30 Uhr bis 12 Uhr Ausgabe – also auch schon wieder an diesem Freitag. Wer Lebensmittel bekommt, hat zuvor eine Selbstauskunft abgegeben.

Zweimal im Jahr gibt es tatsächlich eine Sammlung vor Geschäften: Der Rotary Club organisiert sie vor den Märkten Edeka und Aldi im Süden Tutzings, die Spenden kommen der Tafel zugute. Diese Aktionen seien aber „deutlich durch Banner und Ankündigungen ersichtlich", betont Krug. Eine spontane Ansprache zwischen Regal und Kasse gehört nicht dazu.

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Träger: die Ambulante Krankenpflege Tutzing

Das „Tutzinger Tischlein Deck Dich" existiert seit mehr als zwei Jahrzehnten unter dem Dach der Ambulanten Krankenpflege Tutzing. Auf deren Homepage ist die Tafel unter dem Stichwort „Soziales Engagement" zu finden. Getragen wird die Arbeit von Ehrenamtlichen. Sie verteilen nicht nur Lebensmittel an bedürftige Menschen im Ort, sondern bewahren zugleich Woche für Woche Ware vor der Tonne, die andernfalls entsorgt würde. Genau dieses über Jahre aufgebaute Vertrauen ist es, das nun auf dem Spiel steht. „Es ist traurig, dass sich jetzt Betrüger mit dieser Masche Geld erschwindeln", so Caroline Krug, „und das auf dem Rücken der Ärmsten."

Was man im Zweifelsfall tun kann

Wer im Laden auf eine solche Bitte angesprochen wird, sollte sie also mit gesunder Skepsis behandeln: Sachspenden für das Tischlein werden nicht an der Supermarktkasse eingesammelt, sondern freitags direkt in der Bräuhausstraße 3 entgegengenommen. Wer bereits gezahlt hat oder eine solche Ansprache beobachtet, kann sich an die Polizei wenden. Und wer die Tafel unterstützen möchte, hat dazu ohnehin einen verlässlicheren Weg – jeden Freitagvormittag, ganz ohne Kassenzettel.

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