Am Ebersweg wird in der Nähe des Midgardhauses ein Zaun aus verzinkten Eisenstangen mit Handlauf errichtet. Es handele sich um eine erste Baumaßnahme im Zuge des ISEK-Projekts, teilt die Gemeinde Tutzing auf Nachfrage mit.
Der Zaun soll nach ihren Angaben verhindern, dass Radfahrer den Fußweg in Richtung Biergarten nutzen. Die entsprechende Entscheidung sei im April dieses Jahres im Rahmen einer ISEK-Besprechung getroffen worden. Fußgängern stehe weiterhin die Treppenanlage bei der Surfschule als Wegalternative zur Verfügung, fügt die Gemeinde hinzu.
Im zweiten Schritt soll im kommenden Jahr der Weg beim Spielplatz umgestaltet werden, um Radfahrer künftig zur Nutzung des Radwegs zu verpflichten, teilt die Gemeinde weiter mit. Diese Maßnahme sei unumgänglich, weil es im Bereich des Spielplatzes immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Radfahrern gekommen sei.

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Der amtliche Unfallatlas verzeichnet für diesen Bereich – Herr Rekus hat die Zahlen recherchiert und hier veröffentlicht – seit über zehn Jahren keinen einzigen Unfall mit Fahrradbeteiligung und keinen verletzten Fußgänger. Die Gefahr, die hier baulich beseitigt wird, findet sich in keiner Statistik. Sie existiert nur als Eindruck, der sich so lange in den Vordergrund geschoben hat, bis aus ihm politisches Handeln wurde. Das lehrt, wieder einmal, einiges über die Aufmerksamkeitsverteilung im öffentlichen Raum und über kommunale Meinungsbildung.
Weil es erklärtermaßen um Kinder und Fußgänger geht, lohnt die Frage, wo Kinder in Tutzing tatsächlich gefährdet sind. Die Antwort ist schnell gefunden: 2011 wurde an der Ecke Kirchenstraße/Traubinger Straße ein kleines Kind überfahren, und im Ort folgten weitere Unfälle mit Verletzten im Straßenverkehr. Daraus ergibt sich eine schiefe Bilanz: Null Unfälle am Ebersweg führen zu einer Baumaßnahme, während ein totes Kind in einen Prüfauftrag mündete, der folgenlos blieb.
An dieser Stelle kommt verlässlich der Einwand, die Gemeinde dürfe leider nicht so handeln, wie sie wolle. Die Hauptstraße sei Staatsstraße, Tempo 30 dort kaum durchsetzbar. Das stimmt nur eingeschränkt, denn die Straßenverkehrsreform von 2024 hat den Kommunen hier mehr Spielraum verschafft. Vor allem aber erklärt dieser Einwand nicht die Ablehnung in der Bahnhofstraße und am Höhenberg. In der Bahnhofstraße beantragten Anwohner bereits 2017 Tempo 30, ausdrücklich zum Schutz der Schulkinder; am Höhenberg geschah dies 2019. Abgelehnt wurde beides nicht wegen fehlender Zuständigkeit, sondern weil man an der Wirksamkeit von Schildern zweifelte. Die zugesagten Geschwindigkeitsmessungen blieben zunächst aus. Acht Jahre später zeigte eine Messung, dass mehr als fünfzehn Prozent der Autos zu schnell unterwegs waren.
Halten wir fest: Wo die Gemeinde Fußgänger schützen wollte, durfte sie nicht. Wo sie durfte, wollte sie nicht. Stellt man beides nebeneinander, fällt auf, dass ein Problem gelöst wurde, das es objektiv nicht gibt, während eine objektiv vorliegende Gefährdung bewusst nicht beseitigt wird. So absurd das erscheint, zeigt sich darin doch ein Muster: Der politische Wille richtet sich gegen das Neue und schützt das Bestehende. Das Neue ist hier die mühelose Fortbewegung mit dem E-Bike; das Bestehende wird durch das Auto symbolisiert, samt des gesamten infrastrukturellen Aufwands, den man für dieses betreibt.
Echter Kinderschutz im Straßenverkehr, einer, der Leben rettet, ginge zu Lasten dieses Status quo: Geschwindigkeitsbegrenzungen, zusätzliche Querungen, die Preisgabe von Flächen, die heute den Autos gehören, bis hin zu mehr Rücksichtnahme und Verantwortung am Steuer. Das alles ist unbequem, es kostet Geld, Privilegien und womöglich Zustimmung bei den Stammwählern.
So endet eine Groteske, die etwas Aufschlussreiches sichtbar macht: wo die Gemeinde Grenzen zieht. Diese Grenzen weisen nicht das wirklich Gefährliche in Schranken; ihr Standort ergibt sich vielmehr aus Bequemlichkeit, aus dem Unwillen zur Kontroverse, aus der Schwierigkeit, einen konstruktiven politischen Diskurs zu führen. Deshalb baut man dort, wo es niemandem wehtut, während Maßnahmen unterbleiben, die zum Schutz der Schwächsten dringend geboten wären.
Die echten Gefahren lauern ganz woanders: an den beiden Einfahrten zur Promenade. Dort schießen oft Radfahrer — völlig unabhängig davon, ob mit oder ohne E-Motor — im vollen Tempo um die unübersichtliche Ecke, ohne entgegenkommenden Verkehr oder Fußgänger rechtzeitig sehen zu können. Als Radler erlebe ich das immer wieder.
Noch brenzliger ist die Einfahrt vom Fischergassl. An dieser Stelle kommt es oft zu gefährlichen Beinahe-Unfällen. Statt wirkungsloser Absperrungen auf freier Strecke braucht es hier praxisnahe und einfache Lösungen zur Sichtverbesserung — wie etwa einen Verkehrsspiegel direkt gegenüber der Einmündung. Das würde die Situation für alle Beteiligten sofort entschärfen.
Wenn man sich dann aber mal die Mühe macht und selbst im amtl. Unfallatlas für die vergangenen 10 Jahre (2016-2025) ganz konkret für diesen Spielplatzbereich nachschaut, findet man KEINEN einzigen Vorfall, der es bis in die zugrundeliegende Unfallstatistik der Polizei geschafft hätte? KEINEN EINZIGEN !!
-> Keinen einzigen Unfall mit Fahrradbeteiligung.
-> Keinen einzigen Unfall mit Fußgängerbeteiligung.
-> Keinen einzigen Unfall mit Personenschäden.
-> Erst recht keinen Unfall mit Getöteten.
Bitte, welchen Unfallschwerpunkt will man hier entschärfen ???
Herr Goslich möge mich bitte korrigieren, aber auf seinem Spielplatzfoto kann ich nur entspanntes Miteinander von Bürgern und spielenden Kindern erkennen.
Auch die mitfotografierten Radfahrer scheinen sich dem Tempo der Fußgänger angepasst zu haben, und im "Verkehr" mitzuschwimmen ohne irgendeine Gefahr oder einen Streßfaktor darzustellen.