Manche wollen nicht aufgeben. „Tutzing Stachus“ haben sie auf einen Zettel geschrieben und mitten auf dem Platz aufgehängt, der doch nach einem Gemeinderatsbeschluss künftig „Josefaplatz“ heißen soll. "Josefaplatz" ist der künftige Name Den großen Neubau gegenüber nennt dessen Bauherr, die Wilma-Immobiliengruppe, dagegen weiterhin „Projekt Marienplatz“. Beim Richtfest für diese Anlage hat die Diskussion über den Platznamen heute keine Rolle gespielt. „Wir freuen uns, in einer so schönen Lage ein solches Projekt realisieren zu können“, sagte Wilma-Chef Michael Nagel, der aus diesem Anlass eigens aus der Düsseldorfer Unternehmenszentrale nach Tutzing gekommen war.
„Wir denken, dass wir das Tutzinger Zentrum in seiner Wertigkeit weiter stärken können“, sagte Nagel. Mit der Fertigstellung rechnet er im März nächsten Jahres. Die Wilma-Gruppe belegt mit dem Tutzinger Projekt ihre Expansionspläne in Bayern. In Freising ist sie auf dem neuen Baugebiet „Seilerbrücklwiesen“ aktiv, und ebenfalls am Starnberger See, in Berg, hat sie erst kürzlich ein Grundstück erworben, auf dem sie zwei Mehrfamilienhäuser und vier Reihenhäusern errichten will.
Kaufpreise für die Wohnungen von 495 000 Euro bis fast 1,8 Millionen Euro
In Tutzing ist im Verlauf der Bauzeit immer deutlicher geworden, wie der dreigeschossige Gebäudekomplex mit zusätzlicher Penthouse-Etage den Ort an zentraler Stelle neu prägen wird. Auf dem rund 1860 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem über lange Zeit in einem nur eingeschossigen länglichen Gebäude das Geschäft Kohlen-Müller und ein Tengelmann-Markt – später Edeka – betrieben wurden, entstehen 22 Wohnungen mit einem bis vier Zimmern und Wohnflächen von etwa 49 bis 164 Quadratmetern sowie zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss zur Hauptstraße hin.
Die Kaufpreise für die Wohnungen reichen von 495 000 Euro bis fast 1,8 Millionen Euro. Ein paar der Wohnungen sind solche mit „einkommensorientierter Förderung“ (EOF), für die es zinsgünstige Darlehen und ergänzende Zuschüsse vom Staat gibt, im Gegenzug zu einer verlangten verhältnismäßig günstigen Miete von offenbar 13 oder 14 Euro je Quadratmeter. Sieben der 22 Wohnungen sind nach Nagels Angaben noch nicht verkauft. In die Gewerbeflächen, zu denen auch zwei Vorbauten gehören, werden eine Zahnarztpraxis und ein Friseurladen einziehen.
In Tutzings zentraler Lage soll es mehr und mehr Belebung geben
Was das große Bauvorhaben für den Verkehr und gerade auch die Fußgänger, die zwischen den Straßenseiten hin und her wechseln müssen, nach der langwierigen Straßensanierung bedeutet, das wissen alle Einheimischen. „An so einer Stelle ist es nicht leicht zu bauen“, sagte Bürgermeister Ludwig Horn beim Richtfest. Aber er gab sich optimistisch: Schritt für Schritt entstehe nun mehr Leben. Es sei wichtig, dass in dieser zentralen Lage von Tutzing Frequenz entstehe. Horn erwähnte den nahen See, die Hauptstraße, an der es „langsam grüner“ werde, Cafés, Restaurants, die Eisdiele („Da regt sich was“), die im Juli bevorstehende Fischerhochzeit mit einem 50 Meter entfernten Festzelt und auch den „Josefaplatz“ gegenüber.
Entwickelt haben das Bauprojekt für Tutzings Mitte eigentlich andere: Der Unternehmer Felix Wittmann hat das Grundstück von dessen langjährigen Eigentümern, der Familie Müller, gekauft und das Projekt seit 2022 mit seinem Starnberger Unternehmen Imeno entwickelt. Vor zwei Jahren haben Wittmann und seine Partner die eigens hierfür gegründete Gesellschaft „Imeno Tutzing GmbH“ und damit das Grundstück samt dem Bauvorhaben an die Wilma-Gruppe veräußert. Beim Richtfest heute war auch Wittmann dabei, und bei einem Rundgang durch das in Bau befindliche Gebäude wurde deutlich, dass er praktisch jede Ecke kennt. An vielen Details hat er selbst intensiv gearbeitet und getüftelt, wie er erzählte. Wilma hat die Planung so übernommen, wie Wittmann sie mit seinem Team gestaltet hatte. Natürlich sei auch Wehmut dabei, wenn jetzt andere das Sagen haben, bestätigte er. Wilma-Chef Nagel begrüßte Wittmann beim Richtfest herzlich mit den Worten: „Ihm haben wir dieses Projekt zu verdanken.“


Kommentar hinzufügen
Kommentare