Von Lorenz Goslich

Beschaulichkeit und Betriebsamkeit

Tutzing gewinnt zusehends an Aufenthaltsqualität – und an Kontrasten

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Kontrastreich: Tutzings Ortszentrum mit dem entstehenden neuen Platz neben dem historischen Vetterlhaus (hinten links) und dem großen Neubau auf der anderen Seite der Hauptstraße

Gegensätze scheinen unausweichlich zu sein: Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Leben und Tod. Das wird in diesen Tagen besonders deutlich: Im christlichen Glauben stehen Karfreitag und Ostern für einen bewussten Gegensatz, der das Leiden und die Überwindung des Todes thematisiert.

Beschaulichkeit und Betriebsamkeit: Auch diese Gegensätze liegen in Tutzing ganz nah beieinander. Die Baustelle gegenüber der Marienstraße mit ihrer Geschäftigkeit und der Größe des Neubaus wirkt wie ein Kontrast zum Ambiente der Ruhe und der Entspannung auf dem entstehenden Platz gegenüber und zum ältesten Gebäude von Tutzing, dem Vetterlhaus aus dem 17. Jahrhundert, das dort immer noch im Mittelpunkt der Gemeinde steht.

Doch Gegensätze können auch helfen. In den sechs nicht immer einfachen Jahren der Straßensanierung haben sie das Leben in Tutzing immer wieder ein wenig erträglicher gemacht. Auch wenn dabei wegen eigentlich anders lautender Regeln manches Auge zugedrückt werden musste, haben zum Beispiele einige Geschäftsbetreiber ideenreich für Lust am Leben gesorgt und damit der Bevölkerung ebenso wie der Gemeinde geholfen, mit der schwierigen Phase und mit Beschwerden ein wenig besser zurechtzukommen. An Tischen vor der Eisdiele auf der gesperrten Hauptstraße, direkt neben den Baustellenschildern, haben Genießer regelrecht Entspannung von der Hektik gesucht. Gegenüber, beim Sportgeschäft, schien eine Tischtennisplatte dazu aufzufordern, den Belastungen mit Spiel und Freude zu trotzen, etwa nach dem Motto: Jetzt erst recht!

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Kontrastreich: Gemütliche Tische und Tischtennis neben der Baustelle während der Sanierungsphase
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Noch prägen Baustellenarbeiten das Tutzinger Ortszentrum mit. Auch das historische Vetterlhaus selbst ist eingerüstet (links). Aber die Aufenthaltsqualität breitet sich schon mehr und mehr aus.

Nun, nachdem die sechsjährige Straßensanierung mit einem „Asphaltfest“ quasi offiziell beendet worden ist, erhoffen sich viele Menschen in Tutzing den möglichst baldigen, aber endgültigen Erfolg in Form von Aufenthaltsqualität, Beschaulichkeit und Ruhe. Noch aber prägt der Gegensatz die Atmosphäre. Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, auch wenn für den andere zuständig sind. Bevor es an den Genuss geht, wartet noch einiges an Mühe und Arbeit.

Sogar in den Osterferien wird in Tutzings Mitte weiter gearbeitet. Gleich am kommenden Dienstag, dem 7. April sind Sanierungsarbeiten in der Schlossstraße vorgesehen. Sie sollen bis Ende Mai dauern. Für diese gesamte Zeit wird die Schlossstraße im Einmündungsbereich zur Hauptstraße nach Angaben der Gemeinde vollständig gesperrt.

Den Duft der beschaulichen Aufenthaltsqualität dürfen wir aber schon jetzt ein wenig schnuppern. Unweit der Schlossstraße ist nebenan, gleich beim historischen Vetterlhaus, die Fläche an der Einmündung der Marienstraße schon frisch gepflastert. Demnächst soll sie sogar als Platz einen eigenen Namen erhalten. Auch etwas weiter im Süden haben die Graf-Vieregg-Straße und die Hallbergerallee ansehnlichen neuen Charakter erhalten.

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Neuer Charakter: Die Graf-Vieregg-Straße (links) und die Hallbergerallee
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Sanierungsreif: Die Schlossstraße wird ab Dienstag bis Ende Mai gesperrt

Der Gegensatz in Form von Arbeit und Betriebsamkeit lugt aber schon wieder um die Ecken, nicht nur an der Schlossstraße: an den Einmündungen der Greinwaldstraße und der Traubinger Straße, auf den an einigen Stellen recht schräg geratenen Gehwegen, beim Vetterlhaus, wo der Brunnen schon verschwunden ist und auf die Versetzung an seine neue Stelle wartet, und dort, wo Bäume, Bänke und Abfallbehälter aufgestellt werden sollen.

Die komplette Ruhe, die nicht wenige Menschen immer wieder anmahnen, scheint es nicht zu geben. Darüber freuen sich die einen, die die Belebung in Biergärten, bei Konzerten unter freiem Himmel, auf Wein- und Straßenfesten genießen, während die anderen jeder Form von Lautstärke mit Misstrauen begegnen. So setzt sich die Mischung aus Tempo und Entschleunigung in Tutzing offenbar auch nach der sechsjährigen Straßensanierung fort.

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Der Brunnen, der neben dem Vetterlhaus stand, ist schon verschwunden. Er wartet auf seine Versetzung an eine andere Stelle. © Fotos: L.G.

Vieles deutet darauf hin, dass sich das Ortszentrum beim Ereignis dieses Jahres, der Fischerhochzeit, in wahrer Pracht zeigen wird. Aber beim historischen Schauspiel selbst wird es zeitweise recht lebhaft zugehen, und auch alle Baustellen werden bis dahin wohl kaum fertig sein. Doch Gegensätze - Tutzing scheint das zu bestätigen - ziehen sich an. Gerade die Osterzeit regt dazu an, darüber nachzudenken.

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