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Bäume passen nicht überall

Bepflanzungen, Bänke, Radständer und Abfallbehälter an der Hauptstraße beschäftigen den Gemeinderat

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Tutzing ist heute grüner als vor Jahrzehnten. Das hat der Kreisvorsitzende des BUND Naturschutz, Günter Schorn, vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung zur Umgestaltung der Hauptstraße gesagt. Lediglich die Hauptstraße selbst fehle bei diesem „grünen“ Befund. © Günter Schorn - Es grünt so grün - aber noch nicht überall
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So sah es bisher neben dem Vetterlhaus aus. Der künftige Platz soll ein ganz neues Ambiente erhalten - unter anderem mit einer Rundbank um den Baum herum und dem Brunnen an anderer Stelle © L.G.

Die Sanierung der Tutzinger Hauptstraße ist beendet - aber fertig ist doch noch längst nicht alles. „Wir sind bei der Hauptstraße im Endspurt - jetzt schmücken wir sie mit Möblierungen und Bepflanzungen“: So formulierte es Bürgermeister Ludwig Horn am Dienstag im Gemeinderat.

Zwei Fachleute vom Verkehrsplanungsbüro Neudert stellten Planungen für Bäume, Bänke, Fahrradständer und Abfallbehälter vor. Per Beamer wurden Bilder verschiedener Versionen gezeigt. Bei einer früheren Präsentation war Skepsis wegen der Herkunft der verwendeten Hölzer für die Bänke aufgetaucht: Handelt es sich etwa um Tropenhölzer? Deshalb wurden diesmal Produkte mit klarer deutscher und europäischer Herkunft gezeigt.

Zur Kostenfrage schimmerte immer wieder der Wunsch nach möglichst preisgünstigen Erzeugnissen durch. Als neben dem Bild eines Pflanzkübels dessen Preis von 2412,90 Euro stand, sagte Claus Piesch (Freie Wähler): „Da könnte man auch einen lokalen Schlosser fragen, ob er ein Angebot machen kann – dann bleibt das Geld in der Gemeinde.“ Tutzinger Anbieter waren aber nicht dabei. Eines der Unternehmen, von denen die vorgestellten Produkte stammen, ist in Germering ansässig, die anderen haben ihre Firmensitze in Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Baden-Württemberg, Luxemburg und Niedersachsen.

Die meisten Bänke waren im Preisbereich zwischen 800 und 1600 Euro. Verschiedenartige Bänke wurden vorgestellt. Auf dem künftigen Platz an der Einmündung der Marienstraße in die Hauptstraße etwa soll eine Rundbank um einen Baum herum zum Verweilen einladen. Auch vor der Eisdiele an der Ecke Schlossstraße/Hauptstraße sind einladende Bänke vorgesehen.

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Noch ist das Tutzinger Ortszentrum voller Baustellen, aber die Planungen für eine ansprechende Gestaltung - so des in Entstehung befindlichen Platzes an der Marienstraße - laufen. © L.G.

Unterirdische Leitungen verhindern Baumpflanzungen

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Parkbuchten? Pflanzplätze? Das ist manchmal schwer zu erkennen. © L.G.

Ausgiebige Diskussionen gab es im Gemeinderat zu den vorgesehenen Bepflanzungen. Auch in der Bevölkerung sorgen sie für Gesprächsstoff. Zum Teil sei schwer zu erkennen, wo Parkbuchten seien, wo später Pflanzen eingeplant würden und wo die Fußgänger gehen sollten, sagte Claus Piesch (Freie Wähler).

Bäume waren auf Skizzen eingezeichnet, aber nur an bestimmten Stellen. Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste) wollte wissen, warum nicht noch mehr Bäume eingeplant würden. Das begründete Franz Albrecht vom Büro Neudert für manche Standorte mit unterirdischen Leitungen. In den Gesprächen mit den so genannten Spartenträgern – Bayernwerk, Deutsche Telekom – habe sich gezeigt, dass Bäume nicht überall dort, wo man sie sich gewünscht habe, möglich seien. Anderswo, so im Kreuzungsbereich der Oskar-Schüler-Straße, habe man auf Bäume verzichtet, ebenso vor Geschäften, denen man die Ausstellungsflächen nicht wegnehmen wollte.

An der Querungshilfe neben der Hallbergerallee sollen nur die Flächen bepflanzt werden, die nicht von Autos befahren werden. Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg warnte vor hohen Pflanzen in diesem Bereich nah beim Gymnasium. Hunderte Schüler kämen dort täglich vorbei: „Die schmeißen den Abfall da rein“, sagte sie. Eine Anwohnerin sammle jeden Tag „einen ganzen Müllsack voll“ ein. Vielleicht könne man daraus ein Schulprojekt machen, regte Christine Nimbach (fraktionslos) an: „Die Kinder freuen sich darüber – so fängt Nachhaltigkeit an.“ Georg Schuster (FDP) kritisierte in diesem Zusammenhang die enge Fahrbahn an dieser Stelle im Kurvenbereich. Gerade für Lastwägen führe dies oft zu „Riesenproblemen“, auch wegen der nebendran parkenden Autos.

Elisabeth Dörrenberg plädierte bei dieser Gelegenheit für mehr als zwei vorgesehene Behindertenparkplätze an der Schlossstraße, denn gerade unter den Menschen mit Behinderungen seien viele, die gern Dampferfahrten unternähmen. Auch Caroline Krug (ödp) unterstützte dies.

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Große Lastwägen, enge Fahrbahn: Die Querungsinsel in der Hauptstraße neben der Hallbergerallee © L.G.

"Die Leute fahren nur mit dem Rad in den Ort, wenn sie es auch abstellen können"

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Für Fahrräder soll nach mehr Abstellplätzen im Ortszentrum gesucht werden © L.G.

Georg Schuster warnte vor Problemen mit vorbei fahrenden Lastwägen, wenn Bäume nah an der Fahrbahn stünden, doch diese Gefahr sahen die Verkehrsfachleute nicht. Die Lagepläne der Bäume sei auch mit dem Staatlichen Bauamt abgestimmt worden. Es handele sich zudem um speziell für Straßen geeignete Baumsorten. Zu berücksichtigen sei auch ein geringerer Lichteinfall im Ortszentrum, was sich auf die Größe der Baumkronen auswirke. „Die Alternative wäre gar kein Baum“, sagte Bürgermeister Horn.

Flora Weichmann (Grüne) erkundigte sich nach der Insektenfreundlichkeit und Klimabeständigkeit vorgesehener Stauden. Darauf verwiesen die Fachleute auf mehrere zur Auswahl stehende Staudenmischungen speziell für bayerische Kommunen, die insektenfreundlich, hitzeresistent und pflegearm seien.

Zu klein ausgefallen sind nach Meinung von Flora Weichmann in den Planungen die Abstellmöglichkeiten Fahrräder. Claus Piesch sah das auch so. Unter Hinweis darauf, dass doch mehr Radverkehr in den Ort gebracht werden solle, sagte er: „Wir haben mehrfach besprochen, dass wir mehr Radständer bräuchten, denn die Leute fahren nur mit dem Rad in den Ort, wenn sie es auch abstellen können.“ Vier Autos bräuchten vier Parkplätze – für Fahrräder werde viel weniger Abstellfläche benötigt.

Der Platz dafür sei in der Ortsdurchfahrt sehr begrenzt, erwiderte Albrecht. Es sei schwierig, hierfür geeignete Standorte zu finden. Radständer an Parkbuchten sehe das Staatliche Bauamt sehr kritisch, „wenn daneben 40-Tonner durchfahren“. Auch Kinder seien mit Fahrrädern unterwegs. Dieser ablehnenden Haltung des Bauamts schließen sich die Verkehrsplaner nach Albrechts Worten an. An der Schlossstraße seien mehr Radständer zwar möglich, doch dort solle eine gewisse Durchfahrtbreite zum See erhalten bleiben.

Aber endgültig entschieden ist noch nicht alles. Man werde sich alles noch einmal anschauen, sagte Albrecht. Für weitere Radständer beispielsweise würden sich bestimmt noch Möglichkeiten finden lassen.

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