
Der Appell ist kurz und bündig. „Wir brauchen 3 Plätze“: Das hat ein Mitglied des TSV Tutzing bei der ISEK-Bürgerwerkstatt am Montag auf einen Zettel geschrieben und diesen an die Stellwand geklebt, die dem Süden von Tutzing und besonders dem dortigen Freizeitgelände gewidmet war.
Die Farbe grün dominierte in dieser Veranstaltung. Fast die Hälfte der rund 80 Personen, die zur Diskussion über die künftige Ortsentwicklung von Tutzing gekommen waren, gehört dem TSV Tutzing an – und viele von ihnen unterstrichen das durch grüne Vereinskleidung. Die ISEK-Gelegenheit nutzten sie zu flammenden Plädoyers für attraktive Sportanlagen.
„Wir haben einen Schatz: das Würmseestadion“, sagte Leopold Dillmann, der Leiter der TSV-Fußballabteilung: “Da ist alles vor Ort, was man zum Fußballspielen braucht.“ Leider sei die Anlage aber in die Jahre gekommen. Zurzeit ist der Platz des Stadions nicht bespielbar. Dennoch sei es ein „Superplatz“, sagte Dillmann, den man „mit ein paar Handgriffen“ wieder herrichten könne.
Auch den Hartplatz oberhalb des Stadions könne man besser nutzen. Dass er für alle möglichen anderen Zwecke im Gespräch ist, macht den Verantwortlichen des TSV beträchtliche Sorgen. Ein Anwesender sprach einen in Vereinskreisen verbreiteten Wunsch aus: „Der Hartplatz soll nicht dem Sport entzogen werden.“ Seit langem gibt es im TSV den Wunsch, dass der Hartplatz, auf dem es sogar eine Flutlichtanlage gibt, ein nutzbarer Fußballplatz wird. Besonders für die Übergangsjahreszeiten wäre dies nach Dillmanns Worten eine wichtige Option. Ein Kiesplatz gilt fürs Fußballspielen als weniger geeignet, oft gewünscht worden ist für den Hartplatz ein Kunstrasen. Gerade für die vielen Kinder und Jugendlichen im Verein wäre dies eine bedeutende Lösung, sagte Stephan Friebel, der der Jugendleitung der Fußballabteilung angehört. Denn zurzeit müsse man „die kleinsten Spieler ablehnen“, beklagte er. Viele Spieler kämen gar nicht mehr zum Training, weil sie sowieso nicht drankämen.
"Sport sorgt für eine ausgewogene gesellschaftliche Entwicklung"

Der Andrang in der Fußballabteilung des TSV ist gewaltig. Aber es gebe zu wenig Trainingsmöglichkeiten, beklagten die Vereinsvertreter. Deshalb müssten meistens mehrere Mannschaften gleichzeitig auf einem Platz trainieren. Immer wieder müsse man ausweichen.
Betont wurde auch die Funktion des Sports als sozialer und kommunikativer Treffpunkt. Fußball halte Jugendliche vom Computer weg und sorge für ausgewogene gesellschaftliche Entwicklung. Auch etliche Flüchtlingskinder spielen in Tutzinger Fußballmannschaften mit, wie ein Anwesender sagte. Die Integration funktioniere kaum irgendwo besser als beim Sport.
Als potenziell nutzbare Fläche gilt auch der alte Fußballplatz neben dem Südbad. Aber er gilt als sanierungsbedürftig. Er müsste vor Vandalismus geschützt werden, forderte jemand auf einem Zettel. Weil dieser „Bolzplatz“ in einem wenig einladenden Zustand ist, meiden manche Spieler den TSV, wurde berichtet. Auf einem Zettel stand: „Gepflegte Sportplätze sind Werbung und Aushängeschild für die Gemeinde.“ Beim Spielbetrieb wunderten sich die auswärtigen Mannschaften oft über den schlechten Zustand der Plätze.
Wenn der Platz neben dem Südbad für den Vereinssport instandgesetzt würde, müsste er eigentlich abgesperrt werden, sagte ein TSV-Vertreter. Denn dieser Platz werde auch von vielen anderen, gerade Kindern und Jugendlichen, genutzt. Da es in Tutzing aber ohnehin Mangel an Flächen gebe, auf denen junge Leute „abhängen“ könnten, sollte dieser Platz seiner Meinung nach nicht für solche Zwecke geschlossen werden.

Plädoyer für ein gastronomisches Angebot
Auf einem Zettel stand das Plädoyer für ein „neues Vereinsheim mit Gastroangebot“. Das einstige Restaurant „Sportlerstüberl“ war quasi nebenbei auch Vereinslokal, doch diese der Gemeinde gehörenden Räume sind nicht wieder als Wirtschaft genutzt worden, seit das beliebte frühere Betreiber-Ehepaar aufgehört hat. Seit Jahren ist dort der Jugend- und Freizeitclub JM untergebracht. Die Nutzung eines gemeinsamen Veranstaltungsraums mit diesem Club können sich die TSV-Mitglieder gut vorstellen, wie sie sagten. Man kenne sich ohnehin gut, und umgekehrt nutzten auch die JM-Mitglieder beispielsweise die Toiletten neben den Umkleideräumen. Ohnehin sei der TSV eher „tagaktiv“ und di JM eher „nachtaktiv“.

Wohnraum versus Sport?
Durch die Appelle der Sportler für mehr Plätze sah sich eine Anwesende zum Widerspruch veranlasst. Es gebe auch viel Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, und auch für diesen werde viel Platz benötigt, für den Sport dagegen gebe es schon genug Angebote. Das führte zu kontroversen Auseinandersetzungen. „Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, den Jugendlichen den Sport wegzunehmen“, sagte jemand. Planerin Martina Schneider sprach schließlich ein Machtwort: „Wir sollten bei ISEK nicht einzelne Belange gegeneinander ausspielen.“
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Kommentare
Der TSV hat sich für diesen und auch für den letzten Abend eben gut vorbereitet und auch breite Präsenz gezeigt.
Davon unabhängig hat der TSV gute, sachliche Argumente vorgetragen.
Ganz nebenbei bekamen die vielen TSV Kinder auch gleich live mit, wie all' die Erwachsenen hier einen öffentlichen, demokratischen Prozess gestaltet haben. Das hat gewiss auch nicht geschadet.
Wir trainieren ca. 60 Kinder in zwei Gruppen. Gerne würden wir unsere Trainingszeiten ausweiten und die Gruppen stärker unterteilen, da die Altersspanne sehr groß ist. Dafür hätten wir auch genug engagierte und gut ausgebildete ehrenamtliche Trainer. Was uns fehlt sind Hallenzeiten und Zeiten im Stadion - in denen z. B. auch Speerwurf möglich ist, ohne unsere Fußballer zu gefährden. ;)
Wie die Fußballer sagen, das Potenzial ist da. Früher war das Würmseestadion ein Aushängeschild in toller Lage, aber leider verkommt es immer mehr.
Und auch wir sind davon überzeugt, dass der für alle erschwingliche Vereinssport wichtig für die Gesellschaft und den Zusammenhalt ist. Hoffentlich ist das den Verantwortlichen auch bewusst!