„Mitten in der neuen Ortsmitte“, sagte Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn fast poetisch, als er sich am Montag an der Einmündung der Marienstraße zu einer weiteren Begehung der Hauptstraße mit etlichen Einheimischen traf. Noch ist von der angekündigten künftigen Attraktivität des Tutzinger Zentrums nicht viel zu sehen, auch den Namen „Marienplatz“ gibt es noch nicht offiziell, obwohl diese Fläche selbst im Gemeinderat längst so genannt wird. Aber Horn gab sich sicher: „Es wird ein schöner Platzcharakter werden“ - mit Stufen, Sitzmöglichkeiten und einem Baum in der Mitte.
Das sechste Jahr der Straßensanierung
Gegenüber, wo mit dem Neubau einer Wohn- und Geschäftsanlage an der Stelle der früheren Geschäfte Kohlen-Müller und Tengelmann, später Edeka, begonnen worden ist, soll auf einem kleinen Vorplatz ein weiterer Baum gepflanzt werden. Diese neue Tutzinger Mitte ist für Horn „einer der großen Gewinne“ der Straßenarbeiten, die in ihr sechstes Jahr gehen und, wenn man die Vorplanungen dazuzählt, seit einem Jahrzehnt andauern.
Bis Oktober oder November soll alles fertig sein
„Auch ISEK fließt mit ein“, sagte Horn über das seit langem in Vorbereitung befindliche „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“. Wer sich noch beteiligen will, könne das gern tun, fügte er hinzu, indem er auf eine an der Ecke der Leidlstraße angebrachte Tafel mit entsprechenden Informationen deutete. https://isek.tutzing.de/
Die Sanierung der Hauptstraße, die seit Montag fortgesetzt wird, soll in diesem Jahr fertig werden - und zwar komplett, wie Horn immer wieder versicherte - bis Oktober oder November, sagte er. Begonnen worden ist am Montag mit dem Bereich von der Marienstraße bis zur Oskar-Schüler-Straße. Dieser Abschnitt soll „in einem Zug“, also nicht mit mehreren Baufeldern nacheinander, bearbeitet werden, sagte Franz Albrecht vom Verkehrsplanungsbüro Neudert auf eine entsprechende Frage von Gemeinderat Dr. Thomas von Mitschke-Collande.
Anschließend soll es dann „ins große Finale“ gehen, wie Horn sagte. Gemeint sind die als besonders schwierig geltenden Arbeiten zwischen Oskar-Schüler-Straße und Ringseisweg. Als Herausforderung dort gilt die Verkehrsleitung, denn eine Umleitung ist in diesem Bereich nicht möglich. Deshalb sollen die Arbeiten bei halbseitiger Straßensperrung mit Ampelschaltung laufen.
Inliner-Verfahren macht Nachtbaustelle überflüssig
Entgegen den ursprünglichen Planungen soll es keine nächtlichen Arbeiten geben. Als möglich gilt nämlich nach Horns Worten die Nutzung des so genannten Inliner-Verfahrens, bei dem ein in einen speziellen Harz getränkter Schlauch in die sanierungsbedürftige Leitung eingezogen wird.
Warnung vor Verkehrsstaus wie bei der Sanierung an der nördlichen Hauptstraße
Uli Pötzl, der Betreiber des Biomarkts in der Hallbergallee, erinnerte sich nur ungern an die Verkehrsstaus bei der Sanierung der nördlichen Hauptstraße. Auch sein Lieferdienst habe im Stau gestanden. Die Ampelphasen seien immer gleich lang gewesen und der jeweiligen Verkehrslage nicht gerecht geworden, kritisierte er. Sinnvoller wäre vielleicht eine Verkehrsregelung durch Menschen, regte er an. Auf die jeweilige Verkehrslage könnten auch Sensoren an den Ampeln reagieren, warf der Unternehmer Gerd Bittl-Fröhlich ein.
Einige Bäume sollen wegen Platzmangel in Töpfen gepflanzt werden
Für Bäume bleibt entlang der Hauptstraße weniger Platz als zunächst erwartet. Parkplätze und Bereiche für die Begrünung werde es „im Wechselspiel“ geben, sagte Horn, „wo die Sparten Platz gelassen haben“ - diejenigen also, die im Tiefbau für diverse Versorgungen wie Strom, Gas und Wasser zuständig sind. Der Tutzinger Bernhard Rekus wies darauf hin, dass manche Leute ihre Autos einfach dort hin stellten, wo Grünflächen vorgesehen seien. „Schmale Autos passen da nicht drauf“, gab er zu bedenken. Bisher sei das noch eine Zwischenphase, erwiderte Horn, es gebe auch noch Änderungen. Vor der Münchner Bank beispielsweise habe etwas nicht gepasst, das sei mittlerweile neu vermessen worden.
Mancherorts stehen Bepflanzungen auch in Konkurrenz zu gewünschten Parkflächen. So wird vor der Schloss-Apotheke ein Parkplatz für Menschen mit Behinderungen für erforderlich gehalten, wie die Gebäudeeigentümerin sagte - doch an der betreffenden Stelle sei ein Baum vorgesehen. Horn hat den Bedarf für einen solchen Parkplatz bereits angemeldet, wie er bemerkte, doch das Ergebnis kenne er noch nicht. Er zeigte Verständnis für den Parkplatz-Bedarf der Geschäftsleute, bedauerte aber auch, dass es zu wenig Platz für Bäume an der Hauptstraße gebe: „Unsere Sommer werden intensiver, wir müssen mehr beschatten und begrünen.“ Einige Bäume werde man wegen des Platzmangels in Töpfe setzen. Insgesamt vier Bäume auf dem künftigen Platz an der Einmündung der Marienstraße sieht er auf alle Fälle als wichtige Aufwertung, gerade im Sommer.
Sonderabfall wird bis nach Dresden gefahren
An den Einmündungen der Nebenstraßen werden die Arbeiten laut Horn „Stück für Stück“ fortgeführt werden, „wie es die Baukapazitäten hergeben“. Weiter südlich ist zwar die Hauptstraße fertig, nicht aber die Hallbergerallee, die dort einmündet. Auch an den parallel zur Hauptstraße verlaufenden Seitenstraßen wie der Monsignore-Schmid-Straße und der Graf-Vieregg-Straße ist noch einiges zu tun. Das betrifft dort auch die große Mauer, wie Horn sagte.
Die für die Durchfahrt über den Jahreswechsel provisorisch aufgetragene Tragschicht im Bereich zwischen der Filiale der Münchner Bank und der Marienstraße soll wieder abgefräst werden. „Der Sonderabfall wird bis nach Dresden gefahren“, berichtete Horn. „Ob das so sinnvoll ist, weiß ich auch nicht“, fügte er hinzu, „aber das sind halt die Auflagen.“ Was die Priorisierung der Arbeiten betrifft, schaue man, wo die größte Frequenz ist: „Im Sommer, wenn viele Touristen kommen, soll das Zentrum in Ordnung sein.“ Thomas Thallmair, der Inhaber des Sportgeschäfts Intersport-Thallmair an der Ecke Hauptstraße/Traubinger Straße, plädierte für eine Priorisierung der Arbeiten im Bereich der Einmündung Marienstraße, also beim künftigen Platz, wie immer er heißen wird.

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