Ein Gutachten zur Deixlfurter Weiherkette bringt es an den Tag: Sowohl der Damm des Johanniweihers als auch der des Deixlfurter Sees gelten als nicht standsicher. Der Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss hat am Dienstag über die Konsequenzen beraten – der Gemeinderat entscheidet am nächsten Dienstag.
Ein vom Ingenieurbüro Kokai erstelltes Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die Dämme sowohl am Johanniweiher als auch am Deixlfurter See den heutigen Anforderungen an die Stauanlagensicherheit nicht mehr genügen. Sollte einer der beiden Dämme versagen, könnte im schlimmsten Fall auch der jeweils andere brechen – mit erheblichen Folgen für den Tutzinger Ortsteil Traubing.
Übergangslösung von 2014 besteht bis heute
Die Geschichte der Weiherkette reicht Jahre zurück. Bereits 2014 hatte man am Johanniweiher eine schadhafte Stelle im Damm festgestellt und daraufhin eine provisorische Öffnung – eine sogenannte Dammscharte – angelegt, damit der Bach ungestaut durchfließen konnte. Was als Übergangslösung gedacht war, besteht bis heute.
Weil sich eine dauerhafte Sanierung als schwierig und teuer erwies, forderte das Landratsamt Starnberg gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim die Gemeinde 2021 auf, die Stand- und Hochwassersicherheit sämtlicher Dämme der Weiherkette überprüfen zu lassen. Schon 2023 stufte man den Johanni-Damm als sanierungsbedürftig ein. Im April dieses Jahres kam nun auch für den Damm des Deixlfurter Sees das Urteil „nicht standsicher“ hinzu.
Der Gemeinderat hat die vertiefte Gefährdungs- und Risikobetrachtung bereits im Januar 2025 für rund 61 000 Euro an das Büro Kokai vergeben. Das Wasserwirtschaftsamt sagte dafür eine Förderung von 75 Prozent zu.
Auflassung des Johanniweihers wäre deutlich billiger als sein Erhalt
Im Kern steht die Gemeinde nun vor einer Grundsatzfrage: Wird der Johanniweiher instandgesetzt und dauerhaft erhalten oder wird er aufgelassen, also endgültig abgelassen und zurückgebaut? Die im Ausschuss vorgestellten Zahlen zeigen einen deutlichen Unterschied: Der Erhalt des Johanniweihers würde nach ersten Schätzungen mit rund 820 000 Euro netto zu Buche schlagen, eine Auflassung wäre mit geschätzt 300 000 Euro deutlich günstiger. Für die Herstellung der reinen Stauanlagensicherheit ist laut den Ausführungen im Ausschuss eine Förderquote von etwa 50 Prozent im Gespräch – anders als bei der bereits fest zugesagten 75-prozentigen Förderung für das Gutachten selbst.
Die Kostenfrage ist dabei nicht der einzige Aspekt. Im Ausschuss wurde deutlich, dass der Johanniweiher auch als Landschaftsbild, Lebensraum und Naherholungsgebiet einen eigenen Wert hat – mit teils altem Baumbestand am Damm und, im Zuge einer möglichen Sanierung, sogar einem geplanten Biberschutzbereich im neuen Dammkörper. Naturschutz-, Landschaftsbild- und Erholungsaspekte sollen deshalb ausdrücklich mit in die Entscheidungsfindung des Gemeinderats einfließen.
Reaktivierung der Weiherkette würde Hochwasserschutz wenig verbessern
Ernüchternd fällt die Antwort auf eine zentrale Frage aus: Wie stark würde eine Reaktivierung der Weiherkette den Hochwasserschutz für Traubing tatsächlich verbessern? Laut den Berechnungen des Ingenieurbüros ließe sich der maßgebliche Abfluss bei einem hundertjährigen Hochwasserereignis – dem in der bayerischen Wasserwirtschaft üblichen Bemessungsmaßstab – bestenfalls von etwa 13 Kubikmetern auf 12,5 Kubikmeter pro Sekunde drücken. Ein Effekt, der im Ausschuss selbst als „sehr, sehr klein“ bezeichnet wurde, gemessen an den damit verbundenen Kosten für Betrieb und Unterhalt einer Stauanlage. Die im Gutachten zusätzlich vorgeschlagenen Hochwasserschutzmaßnahmen im Siedlungsgebiet dienen laut Kokai ausdrücklich der Anlagensicherheit selbst und bewirken keine Reduktion der Hochwasserabflüsse für Traubing.
Damit bleibt die Sanierung der Weiherkette vor allem eine Frage der Anlagensicherheit – nicht des Hochwasserschutzes im engeren Sinn. Im Ausschuss wurde zugleich auf frühere Starkregenereignisse verwiesen, die zeigen, wie eng Schwarzer Graben und Deixlfurter Bach bei Hochwasser zeitlich zusammenfallen und wie stark Traubing davon betroffen sein kann.
Wasserwirtschaftsamt fordert Sofortmaßnahmen ab 1. November
Unabhängig von der grundsätzlichen Zukunftsfrage duldet die Sicherheit der bestehenden Dämme keinen Aufschub. Das Wasserwirtschaftsamt fordert Sofortmaßnahmen an den Dämmen ab dem 1. November 2026. Für deren Förderung beantragt die Gemeinde beim Wasserwirtschaftsamt einen „vorzeitigen Maßnahmenbeginn“. Die entsprechenden Kosten wurden im Ausschuss mit rund 140 000 Euro beziffert. Zusätzlich sind laut Gutachten unter anderem die Erstellung eines Stauanlagenbuchs samt Überwachungskonzept sowie Tonnagebeschränkungen für die Straßen auf den Dämmen vorgesehen.
Die eigentliche Grundsatzentscheidung über Erhalt oder Auflassung des Johanniweihers fällt nicht im Ausschuss, sondern im Gemeinderat. Das Thema steht am nächsten Dienstag öffentlich auf der Tagesordnung. Dann soll neben dem Ingenieurbüro Kokai auch ein Vertreter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim anwesend sein, um offene Fragen zu Folgemaßnahmen und Konsequenzen für die Gemeinde zu beantworten.


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Kommentare
Zum Hochwasserschutz in Traubing habe ich schon 2011 verschiedene Teilmaßnahmen vorgeschlagen, die auch der Gemeinde Tutzing vorliegen.
U.A. habe ich ein einfaches Sperr-Wehrbauwerk unmittelbar vor dem Damm der B2 vorgeschlagen. Hier könnte bei Hochwasser der Zufluss aus dem Deixelfurter Bach mit einem Dammbalken Verschluss abgesperrt werden. Der Damm bei der B2 wird dam temporär als Rückhalte-Damm genutzt. Im HW Fall würde dann "nur" das Wasser des Schwarzen Grabens durch Traubing abgeleitet werden müssen. Auch im umgekehrten Fall eines möglichen Dammbruchs bei Deixelfurt hätte man ein "Schutzbauwerk" für Traubing.
Seinerzeit hat auch der damalige Amtsleiter des WWA Weilheim das Konzept für durchaus weiter vertiefbar gehalten.
Leider wurde meines Wissen diese Idee nicht weiter verfolgt, aber vielleicht könnte das Konzept zumindest in die weiteren Überlegungen zum HW-Schutz von Traubing mit einbezogen werden.
Aus meiner persönlichen Sicht sollten die Stauanlagen bei Deixelfurt unbedingt erhalten bleiben, vlt. kann man ja auch mit kostengünstigeren Maßnahmen die Anlagen ertüchtigen.