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Morgen wird der „Karibikbaum“ gefällt

Gemeinde begründet Entscheidung unter anderem mit der Nutzung des Bereichs als Liege- und Badefläche

Morgen, am Mittwoch, 4. Februar soll der so genannte „Karibikbaum“ gefällt werden, der zwischen dem Spielplatz an der Brahmspromenade und dem Midgardhaus steht und mit seinem stark geneigten Wuchs als charakteristisch für Tutzing gilt. In einer Pressemitteilung begründet die Gemeinde Tutzing die Entscheidung, den Baum zu fällen, die viele Diskussionen ausgelöst hat. Mein Freund der Baum

Die Pressemitteilung der Gemeinde Tutzing:

Nach eingehender Prüfung durch Sachkundige und intensiver Beratung hat der Haupt-, Finanz- und Werkausschuss der Gemeinde Tutzing schweren Herzens einstimmig beschlossen, den "Karibikbaum" aus Gründen der Verkehrssicherheit zu fällen. Diese Entscheidung fiel den Verantwortlichen nicht leicht, da der Baum zweifellos ein charakteristisches Element des Tutzinger Seeufers darstellt und bei vielen Menschen mit schönen Erinnerungen verbunden ist.

Verkehrssicherheit als oberste Priorität

Der Zwieselwuchs, die stark geneigte Wuchsform, der allgemeine gesundheitliche Zustand und das vorhandene Totholz stellen nach Expertenmeinung eine zunehmende Gefahr dar. Besonders problematisch ist, dass der Bereich um den Baum im Sommer intensiv als Liege- und Badefläche genutzt wird. Die Gemeinde sieht sich in der Verantwortung, die Sicherheit der Erholungssuchenden zu gewährleisten.

Alternative Erhaltungsmaßnahmen geprüft

Die Verwaltung hat verschiedene Erhaltungsoptionen sorgfältig geprüft:

Stützkonstruktion mit Metallstützen und starker Rückschnitt:
Diese Lösung würde Kosten von 10 000 bis 15 000 Euro verursachen und große Betonfundamente erfordern. Das optische Ergebnis würde dem charakteristischen Erscheinungsbild des Baumes nicht gerecht werden, da ein drastischer Rückschnitt das markante Erscheinungsbild zerstören würde. Der Baum wäre mit Stützen und nach starkem Rückschnitt kaum wiederzuerkennen und ein Schatten seines früheren Selbst.

Einfache Stützmaßnahmen:
Auch weniger aufwendige Abstützungen oder temporäre Lösungen können nach Sachverständigeneinschätzung die Verkehrssicherheit nicht dauerhaft gewährleisten.

Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen
Bei aller Wertschätzung für diesen besonderen Baum steht der erforderliche Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis zum erzielbaren Ergebnis. Die Gemeinde muss ihre begrenzten finanziellen Mittel verantwortungsvoll einsetzen und dabei die Verkehrssicherheit als oberste Priorität betrachten.

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Bei aller Wertschätzung für diesen besonderen Baum steht der erforderliche Aufwand für Erhaltungsmaßnahmen nach Auffassung der Tutzinger Gemeindeverwaltung in keinem angemessenen Verhältnis zum erzielbaren Ergebnis © L.G.

Fällung am Mittwoch und geplante Neupflanzung

Die Fällung des Baumes wird am Mittwoch, den 4. Februar 2026, durchgeführt. Die Gemeinde plant eine Ersatzpflanzung unter Berücksichtigung des ISEK-Konzepts. Hierfür können die ursprünglich für Stützmaßmahmen vorgesehenen Haushaltsmittel verwendet werden. Eine standortgerechte Neupflanzung wird langfristig wieder einen attraktiven Blickfang am Seeufer schaffen.

Verständnis für emotionale Verbundenheit

Die Gemeinde hat großes Verständnis für die emotionale Verbundenheit vieler Bürgerinnen und Bürger mit diesem Baum. Auch Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung bedauern den Verlust dieses Naturjuwels. Die Entscheidung erfolgte jedoch ausschließlich aufgrund der Verkehrssicherheit und der Fürsorgepflicht gegenüber allen Nutzern der Brahmspromenade.

Die Gemeinde bittet um Verständnis für diese schwierige, aber notwendige Entscheidung.

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Kommentare

Jetzt muss es anscheinend sehr schnell mit dem Fällen des Baumes gehen.
Mir stellt sich die Frage, ob das nur der Gefahrenminimierung dient, oder ob das unrühmliche Thema aus dem Wahlkampf gehalten werden soll und schnell noch abgeräumt wird?

Der Baum ist ortsprägend, ein Wahrzeichen für Tutzing und hätte bei entsprechender Pflege ein Naturdenkmal werden können.
Für viele Tutzinger Bürger gehört das Ensemble am See, zu ihrem Heimatgefühl!
Das der Baum jetzt von den Kronen her abstirbt, ist keine Laune der Natur, es ist das Ergebnis jahrzehntelangen Desinteresses und Schlamperei!
Technische Anbauten der Gemeine, schwere Eisenschellen sind tief in die Rinde des Baums hineingewachsen und haben den Saftfluss zu den Kronen abgeschnitten.
Diese wurden erst vor wenigen Jahren, viel zu spät, entfernt. Die Narben und Verwachsungen an den Stämmen sind deutlich sichtbar, man muss kein Fachmann sein um zu erkennen, der Baum wurde buchstäblich erwürgt.
Ich wohne jetzt seit 20 Jahren hier in Tutzing, die schweren Eisenschellen hatten von Anfang an keine Funktion mehr, waren vom verbogenen alten Stützgerüst abgerissen. Der Baum brauchte keine Stütze, er war vital.
Leider konnte man dem Baum in den letzten Jahren nur noch beim Sterben zusehen.

Andere Gemeinden würden sich nach solch einem Wahrzeichen die Finger abschlecken!
Überall werden Foto Spots für Instagram und Co… errichtet.
Nur in Tutzing, das ja Touristen Ort sein will, sich ein neues Hotel wünscht, hat die Gemeinde über Jahrzehnte kein Interesse.
Sehr Sehr Schade und leider unwiederbringlich!
(Bearbeitet)
Herrn Rekus stimme ich selbstverständlich zu; konkreten Beispielnennungen bedarf es gar nicht, jeder kann es aus erinnerter Vergangenheit und Gegenwartspolitik, aus den täglichen Nachrichten sofort nachvollziehen. Ohne Angstbeschwörung läuft in großer und selbst in kleiner Politikbegründung relativ wenig.

Was den hilfsbedürftigen Baum betrifft, so scheint anhand vorliegender Reaktionen aus der Bevölkerung fast eine Art Tutzinger Identität gestreift zu werden.

Im aktuellen Wahlkampf könnte man sich daher fragen, ob es wirklich klug ist, diesem interessanten, fast liebenswerten und ökologischem Symbol gerade jetzt den " Garaus" zu machen.

Als Entscheidungsträger würde ich anders entscheiden.

Was ich wirklich für gefährlich an der Brahmspromenade halte, ist nicht der lange Zeit arg vernachlässigte arme Baum, sondern die jahrzehntelang dort befindlichen alten Stolper-Betonreste (im Bild links unten). Auch von Klettergerüsten gehen nicht unerhebliche Gefahren für kleine Kinder aus.
Zum einen werden wir von Angst "regiert", oder sagen wir: mal mehr, mal weniger stark beeinflusst.
Offensichtliche Beispiele sind Blutin und Trump, die u.a. auch Deutschland & Europa über Drohungen & Angst jeweils massiv in ihre Richtung drängen wollen.

Zum anderen lassen wir uns selbst aber oft auch allzu leicht von der Angst paralysieren.
Dabei stimmt es nach wie vor, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist.
Aber es stimmt auch: Wer Angst verbreitet, muss nicht in der Diskussion über die beste Lösung mühsam überzeugen.

Zurück zu Tutzing:
Hier fällen wir 2 charakteristische aber eben auch "wackelige" Bäume aus Sicherheitsgründen. Ok.
Aus den gleichen Sicherheitsgründen brauchte es in Tutzing vor Jahren schon Warnschilder & Absperrungen, damit die Leute bei Stürmen nicht in den Wald hinein gehen oder fahren.
Angst & Dummheit sind schon ein ganz besonderes Pärchen, oder?
Das ist wirklich eine sehr bürokratische Entscheidung, wir haben eine Gesellschaft voller Angst vor Haftung, das ist der falsche Weg für eine Gesellschaft, die die Schönheit der Natur für eine Angst vor Gefahren der Natur opfert.
Schade, schade, schade.
Das Jahr fängt ja gut an in Tutzing.