Die Hilfsbereitschaft war groß in Tutzing Mitte 2024. Wegen Hochwassergefahren kamen damals etwa 60 Personen zum Lager an der Seestraße, um Sandsäcke zu befüllen, nachdem Bürgermeister Ludwig Horn per Whatsapp, YouTube und auf anderen Kanälen dazu aufgerufen hatte. Große Hilfsbereitschaft in Tutzing Teile des Ortes standen damals unter Wasser. Die Feuerwehren waren unermüdlich im Einsatz, die Hauptstraße und die Waldschmidtstraße mussten teilweise gesperrt werden. In Unterzeismering unterspülte das Wasser einen Hang unterhalb des Bahndamms.
Wie verwundbar Tutzing ist, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Schon häufiger haben sich abschüssige Straßen in reißende Bäche verwandelt, Gullys sind übergelaufen, Keller haben sich gefüllt. Gegen solche Sturzfluten will die Gemeinde jetzt systematisch vorgehen. Der Gemeinderat soll ein Ingenieurbüro mit einem „Integralen Konzept zum Sturzflut-Risikomanagement“ beauftragen, wie der Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss beschlossen hat.
Wo Überflutungen keinesfalls auftreten dürfen und wo sie hinnehmbar sind
So ein Verfahren folgt einem bayernweit einheitlichen Leitfaden des Landesamts für Umwelt. Vorgesehen sind dabei fünf Schritte. Zunächst werden bekannte Gefahrenstellen aus früheren Unwettern gesammelt. Dann simulieren Fachleute, was bei verschiedenen Regenszenarien wo passieren kann. Im dritten Schritt wird bewertet, wo Überflutungen keinesfalls auftreten dürfen und wo sie hinnehmbar sind. Daraus werden Maßnahmen abgeleitet, samt der Frage, wer sie umsetzen soll. Am Ende steht eine Gesamtstrategie, die zeigt, wie sich die Maßnahmen auf das Risiko auswirken. https://www.stmuv.bayern.de/themen/wasserwirtschaft/foerderung/doc/sturzflutkonzepte_kompaktinformation.pdf
Mit Vorsorge wären viele Kellereinsätze vermeidbar gewesen
Das geplante Konzept soll nicht nur Aufgaben für die Gemeinde benennen, sondern auch zeigen, wo sich Hauseigentümer selbst schützen sollten. Ein vollständiger Schutz vor jedem denkbaren Unwetter ist nach Einschätzung des Landesamts für Umwelt allerdings nicht möglich. Folgen von Starkregen ließen sich aber erheblich abmildern. Das hat auch die Freiwillige Feuerwehr Tutzing bestätigt. Nach Angaben ihres Kommandanten Christoph Knobloch wären mit Abdichtungen, Hochwasserschutz und eigenen Pumpen viele Kellereinsätze vermeidbar gewesen.
Im Juni 2020 hatte dieses Thema dem Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Tutzinger Gemeinderats schon einmal vorgelegen, doch damals hat er eine Teilnahme an so einem aufwendigen Programm abgelehnt. Zwei Jahre später hat das Wasserwirtschaftsamt Weilheim dem Gemeinderat das Verfahren vorgestellt. Für den Ortsbereich von Tutzing hat das Amt damals ein Sturzflut-Konzept vorgeschlagen und für Traubing ein eigenes Hochwasserschutzkonzept. Der Gemeinderat hat die Gemeindeverwaltung daraufhin beauftragt, eine Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden zu prüfen. Im Januar 2023 wurde einstimmig ein Förderantrag hierfür auf den Weg gebracht. Beauftragt wurde das Konzept aber dann doch nicht, weil Erfahrungswerte aus den Nachbargemeinden fehlten.
Die liegen inzwischen vor. Im Ausschuss wurden die Rechercheergebnisse vorgetragen. Danach hat die Erarbeitung eines solchen Konzepts in Feldafing 18 Monate gedauert. Generell ist nach Angaben der Verwaltung mit einer Dauer zwischen neun und 24 Monaten zu rechnen.
Im Fokus stehen zwei Gefahrenquellen, die bei klassischem Hochwasserschutz oft übersehen werden: kleinere Bäche, die bei Starkregen schnell über die Ufer treten, und so genanntes „wild abfließendes Wasser“, also Regenwasser, das fernab jedes Gewässers über Wiesen, Hänge und Straßen strömt. Gerade in einem Ort wie Tutzing, der sich vom Hinterland hinunter zum Seeufer zieht, ist das vielerorts der Fall.
Kommunales Hitzeschutzkonzept stößt auf Zurückhaltung
Die Kosten des „Integralen Konzepts zum Sturzflut-Risikomanagement“ schätzt die Gemeindeverwaltung auf 80 000 bis 120 000 Euro. Nach den staatlichen Förderrichtlinien für wasserwirtschaftliche Vorhaben werden 75 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen. Für Tutzing blieben damit rechnerisch etwa 20 000 bis 30 000 Euro. 2023 war noch von einer Förderquote von 80 Prozent die Rede gewesen.
Wenn der Gemeinderat zustimmt, kann die Gemeinde beim Wasserwirtschaftsamt beantragen, schon vor dem Förderbescheid mit der Maßnahme beginnen zu dürfen. Die Mittel müssen im Haushalt 2027 eingeplant werden. Der Bescheid des Wasserwirtschaftsamts dauert erfahrungsgemäß etwa zwei Monate, danach könnte ein Ingenieurbüro beauftragt werden.
Auf Zurückhaltung stieß in der Sitzung des Umweltausschusses ein kommunales Hitzeschutzkonzept samt lokalem Hitzeaktionsplan, das die Fraktionsgemeinschaft SPD/ÖDP beantragt hatte. "Auf Tutzing zugeschnittene Lösungen" Die Kosten für ein umfassendes Klimaanpassungskonzept bezifferte die Gemeindeverwaltung mit etwa 120 000 Euro. Staatliche Fördermittel gebe es dafür nicht. Die Ausschussmehrheit war der Ansicht, das Thema werde bereits berücksichtigt, so in der Bauleitplanung, bei Bauanträgen oder bei der Pflanzung schattenspendender Bäume an der Hauptstraße. Dazu gab es kritische Anmerkungen. Über das Thema soll es weitere Beratungen geben.
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