Tutzing bekommt ein neues Tourismusangebot: Statt Wale oder seltene Vogelarten zu beobachten, lädt ein örtlicher Veranstalter künftig zur „Waste Watching Tour“ ein. Inspiriert vom beliebten Whale Watching soll dabei die zunehmende Vermüllung der Landschaft bestaunt werden. „Früher war es tatsächlich schwer, für jede Tour eine Waste-Watching-Garantie zu geben“, erklärt Geschäftsführer Herr Möllmann schmunzelnd. „Heute ist das leider kein Problem mehr.“
Garantiert Müll – die neue Realität
Die Touren sollen zunächst einmal monatlich stattfinden. Je nach Resonanz wird das Angebot ausgeweitet. Der erste Termin steht bereits fest: „Am 31. April laden wir zur ersten gemeinsamen Waste-Watching-Tour ein“, so Möllmann. Die Route führt an besonders ergiebigen Müll-Hotspots vorbei, darunter Straßenränder, Waldstücke und Bachläufe rund um Tutzing.
Auf Nachfrage, ob den Veranstalter die regelmäßigen Aufräumaktionen innerhalb der Gemeinde beunruhigen, lächelt Möllmann nur. „Zu Beginn haben wir uns diese Frage tatsächlich gestellt. Aber die Realität zeigt uns, dass unsere Touren keine Gefahr laufen, ihr ‚Angebot‘ zu verlieren.“

Die MMM – Müll-Maschine-Mensch als verlässlicher Faktor
Laut Möllmann ist ein entscheidender Grund für den Erfolg der Touren der sogenannte „MMM – Müll-Maschine-Mensch“. Dieser verliere zunehmend den Bezug zu seiner Umwelt und merke gar nicht mehr, wie stark die Vermüllung zunimmt. „Man hört immer wieder, wie sauber es doch in Tutzing und Umgebung sei. Ein deutliches Zeichen dafür, wie gut Scheuklappen in der Praxis funktionieren“, so Möllmann.
Für ihn ist klar: Wer an den Straßenrändern vom Würmseestadion bis Unterzeismering, vom Ortsausgang Kallerbach bis Weilheim oder von Garatshausen bis Traubing entlangfährt und den Blick nach rechts und links der Straße richtet, wird das unglaubliche Potential der Waste-Watching-Touren schnell begreifen. Spätestens bei einem Besuch des Bahnhofsareals wäre der Letzte überzeugt.

Neuer Müll in Rekordzeit
Dass die Touren langfristig gesichert sind, zeigt auch ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. „Erst vor drei Tagen gab es eine große Aufräumaktion im Gemeindegebiet Tutzing“, berichtet Möllmann. „Aber wer am Montagmorgen dieselben Strecken entlanggeht, kann sich bereits an einer neuen Sammlung frischer Abfälle erfreuen.“
Solange das Problem ignoriert wird, bleibt das Angebot bestehen
Für den Veranstalter steht fest: Solange der gesellschaftliche Wille, in einer sauberen Umwelt zu leben, nicht über den eigenen Vorgarten hinausgeht, und solange die politische Einsicht in die Dringlichkeit des Problems nicht wächst, werden Waste-Watching-Touren mit Müll-Garantie in Tutzing jederzeit möglich sein. „Unser Angebot ist nachhaltig – leider nicht im positiven Sinne“, resümiert Möllmann mit ironischem Unterton.
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Die Leute wollen nicht wie Kinder behandelt werden, also sollen sie sich auch wie Erwachsene verhalten.