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Ninon Ballerstädt reduziert ihre Vogelstation

Tutzinger Naturwissenschaftlerin will künftig vor allem Mauersegler aufnehmen - Zuletzt viele Spatzen

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Dr. Ninon Ballerstädt ist in Tutzing sehr bekannt mit ihrer Auffangstation. Regelmäßig entlässt sie Vögel im Würmseestadion in die Freiheit - hier mit einem schon startbereiten Mauersegler. Doch künftig will sie ihre Aktivitäten reduzieren. © Ferdinand Goslich

Die Tutzinger Naturwissenschaftlerin Dr. Ninon Ballerstädt will die Arbeit in ihrer bekannten Wildtier-Auffangstation reduzieren. Sie will versuchen, künftig nur noch Mauersegler aufzunehmen. Das kündigt sie in ihrer Bilanz über die Aufzucht-Saison 2021 an. Sie begründet dies zum einen mit "sehr belastenden und frustrierenden Erlebnissen'" mit vielen Anflugopfern, die sie immer schlechter „wegstecken“ könne. Zum anderen nennt sie gesundheitliche Gründe - das Arbeitspensum mit den Tieren sei zu groß. Schließlich spielt bei diesen Überlegungen auch eine behördliche Anordnung eine Rolle: Das Landratsamt Starnberg hat im Jahr 2014 eine Höchstzahl von 100 Tieren festgelegt, die sie jährlich aufnehmen darf. Diese Zahl überschreite sie aber ständig, weil sehr viele Tiere zu ihr gebracht würden. Beschwerden wegen der Überschreitungen hat es nach ihren Angaben noch nicht gegeben, doch sie möchte neben ihren sonstigen Belastungen nicht noch weitere Probleme riskieren. Nach der aktuellen Bilanz sind im vergangenen Jahr 148 Tiere zu ihr zur Pflege gebracht worden.

Während die Mauersegler im Jahr 2020 dominierend waren, haben diesmal die Spatzen „den Vogel abgeschossen“, berichtet Ninon Ballerstädt in ihrer Bilanz. Als seltsam bezeichnet sie es, dass etliche Mauersegler aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen bzw. direkt aus dem Ort stammten und über das Garmischer Tierheim zu ihr kamen. „Was ist da los?“, fragt sie in ihrem Bericht: „Werden die Tiere dort durch irgendetwas, was vielleicht ‚in der Luft liegt‘, in ihrer Navigation gestört und fehlgeleitet?“

59 der 148 angelieferten Tiere kamen als Babys oder als aus dem Nest gestürzte Nestlinge, wie aus dem Bericht weiter hervorgeht. 36 Vögel waren Kollisionsopfer, 32 Tiere hatten eine „unbekannte Vorgeschichte“ und 21 Vögel kamen als Katzenopfer. Von den Nestlingen und Babys verstarben dreizehn, von den Katzenopfern drei, aus der Gruppe mit „unbekannter Vorgeschichte“ acht Tiere.

Dass bei den Nestlingen ein relativ hoher Anteil verstarb, führt Ninon Ballerstädt auf den großen Anteil von Spatzen zurück. Spatzen nisteten in der Regel unter den Hausdächern. Wenn sie sich aufgrund von zu großer Hitze aus ihren Nestern stürzten, landeten sie oft auf hartem, gepflastertem Untergrund. Da die Luftsäcke („Airbags“) der Singvögel längst nicht so stabil seien wie die der Mauersegler, führe der Absturz oft zu schweren inneren Verletzungen, an denen sie oft zugrunde gingen. Außerdem haben Spatzen und die meisten anderen Vögel nach ihren Angaben einen ganz anderen Körperschwerpunkt: Da er beim Segler relativ weit hinten sitze, schlügen sie eher mit dem Hinterteil auf dem Boden auf. Meisen und Stare dagegen fielen in der Regel nicht von selbst aus ihren Nestern („Höhlenbrüter“), sondern würden von ihren eigenen Eltern hinausexpediert, wenn diese bemerkten, dass mit dem Nachwuchs irgendetwas nicht stimme.

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Gefiederschäden beim Haussperling © Dr. Ninon Ballerstädt, Bilanz der Aufzucht-Saison 2021

Unter 21 Katzenopfern waren Spatzen mit schwersten Gefiederschäden, berichtet Ninon Ballerstädt. Sie seien flugunfähig und daher leichte Beute für Katzen gewesen. Nach den Beobachtungen der Ornithologin kommen derartige Gefiederschäden bei Spatzen sehr häufig vor. Vor allem seit 2011 nähmen diese Fälle rasant zu. Den Grund dafür bilden offenbar Mittel, mit denen sich die Menschen gegen Mückenplagen zu wehren versuchen. Dabei werde nicht daran gedacht, dass sich dadurch sehr wahrscheinlich das Nahrungsspektrum von fütternden Singvogel-Eltern verschiebe. Sie müssten dann möglicherweise auf andere kleine Lebewesen zurückgreifen, die für die Ernährung ihrer Kinder suboptimal oder gar schädlich seien. „So wurden beispielsweise Spatzen dabei beobachtet, wie sie vor Spinnennetzen herumflogen, um die dort von den Spinnen gefangenen Beutetiere oder gar die Spinnen selbst abzusammeln“, erläutert Ninon Ballerstädt. Natürlich gehörten sie in gewissem Grade durchaus zum normalen Nahrungsspektrum, aber in großen Mengen könne das Gift der Spinnentiere vielleicht doch zu Schädigungen führen.

Der komplette Bericht von Dr. Ninon Ballerstädt über die Wildtier-Auffangstation im Jahr 2021:
Spatzen schießen den Vogel ab

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