Außer dem Hauptort Tutzing gibt es in dieser Gemeinde neun Ortsteile: Deixlfurt, Diemendorf, Kampberg, Monatshausen, Neuseeheim, Obertraubing, Oberzeismering, Rößlberg und Unterzeismering. Der kleinste Ortsteil Neuseeheim, der früher zum Gut Rößlberg gehörte, befindet sich ganz im Westen der Gemeinde Tutzing, nahe der Bundesstraße 2 und der im Landkreis Weilheim-Schongau liegenden Gemeinde Pähl. Dort befindet sich die L‘Estocq Guts- und Forstverwaltung, die sich seit 1935 im Eigentum der Familie L’Estocq befindet. Sie plant derzeit umfangreiche Neuerungen mit einem Wirtschaftsgebäude, dem der Bau- und Ortsplanungsausschuss des Tutzinger Gemeinderats kürzlich zugestimmt hat. Erforderlich ist aber noch die Genehmigung der landwirtschaftlichen Privilegierung durch das Landratsamt Starnberg und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim.
Der frühere Eigentümer von Neuseeheim, Fritz von Tiedemann, stammte aus Seeheim in der Provinz Posen. Mit der Bezeichnung „Neuseeheim“ wollte er an seine alte Heimat erinnern, in der er gegen Ende des Ersten Weltkriegs seinen gesamten Grundbesitz verloren hatte. Die heutige Ausformung des Forstbetriebs Neuseeheim ist in den 1950er Jahren durch Tauschgeschäfte mit angrenzenden Landwirten entstanden. Der 87 Jahre alte Dr. Heino von L’Estocq hat die Leitung vor fünf Jahren auf seinen Sohn Franz von L’Estocq übertragen. Heino von L’Estocq lebt weiter mit seiner Frau Marita in Neuseeheim und kümmert sich auch im Alter von 87 Jahren noch um viele wichtige betriebliche Aufgaben.
Vater und Sohn gemeinsam haben sich nun zu größeren Investitionen entschlossen, um die Grundlagen für eine moderne Waldwirtschaft in Verbindung mit Jagd zu schaffen. In einem neuen Wirtschaftsgebäude, 26 mal 13 Meter groß, soll es Platz für ein modernes Arbeitsumfeld und für Maschinen, für die Unterbringung von Mitarbeitern und für eine Betriebsleiterwohnung geben.
Bereits 50 000 Bäume neu gepflanzt
Nach Angaben von Franz von L’Estocq war die Situation in den vergangenen Jahren wegen erschwerte Wetter- und Klima-Bedingungen, aber auch wegen der Entwicklung des Holzmarktes schwierig. Der Neubau soll Grundlage für die Zukunft Neuseeheims sein, wie er sagt. Bereits in den vergangenen Jahren sind nach seinen Angaben im Neuseeheimer Wald zahlreiche Erneuerungen vorgenommen worden. So wurden Flächen wieder aufgeforstet, die durch Windwurf, Borkenkäfer und Schneebruch erheblich geschädigt waren. Neu gepflanzt wurden mehr als 50 000 Eichen, Lärchen, Douglasien, Ahorn, Kirschen und Walnuss. Dabei wurde die Guts- und Forstverwaltung von Forstrevierleiter Luitpold Schneider von den Staatsforsten und vom Förster Thomas Wenger beraten.
Die Neupflanzungen, sagt Franz von L’Estocq, bedürfen über die nächsten Jahre der Pflege, damit die Transformation zu einem klimaresistenteren Wald gelingen könne. Vielleicht sei es zwar nicht die klügste Entscheidung, heute eine Eiche zu pflanzen, die erst in 120 bis 150 Jahren hiebsreif ist: „Aber ich hoffe sehr, dass unsere Urenkel mal sagen werden, dass es doch eine gute Idee war.“ Franz von L’Estocq verweist auch darauf, dass die Transformation hin zu stabilen Mischwäldern auf Dauer nur über Naturverjüngung gelingen könne. Wichtig sei dabei eine darauf abgestimmte Bejagung. Im neuen Gebäude soll deshalb nach seinen Angaben auch die Möglichkeit geschaffen werden, das im eigenen Wald geschossene Wildbret zu verarbeiten, zu kühlen und zu verkaufen. Ein Logo dafür gibt es bereits, ebenso passende Postkarten zur Jagd. Entworfen hat sie im Familienbetrieb die Grafikdesignerin Franziska von L’Estocq („Zissale“), die Frau von Franz von L’Estocq.
Im vorgesehenen Neubau, für den wegen Hanglage eine Auffüllung erforderlich ist, soll auch eine Hackschnitzelheizung mit einem Lager eingebaut werden, die mit Holz aus dem eigenen Wald betrieben werden und eine bestehende Ölheizung ersetzen soll. Daneben gilt es als Ziel, ein modernes Arbeitsumfeld zu schaffen, um für qualifizierte Mitarbeiter attraktiv zu sein, so mit modernen Arbeitsräumen, aber auch sinnvollen Unterbringungsmöglichkeiten. Im Obergeschoss ist Wohnraum für Mitarbeiter, im Dachgeschoss eine Betriebsleiterwohnung vorgesehen.
Kommentar hinzufügen
Kommentare