Von Ferdinand Goslich

Höchstleistung in St. Joseph

Bachs Weihnachtsoratorium berührt die Zuhörer tief - Helene von Rechenberg gelingt glänzendes Konzert

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"Ehre sei dir, Gott, gesungen": Der Tutzinger Kirchenchor beim Weihnachtsoratorium © Christian Binder

Ein eindrucksvolles Erlebnis hatten die Konzertbesucher am Sonntag in der Tutzinger Pfarrkirche St. Joseph. Obwohl Weihnachten vorbei war, sorgten die riesigen Christbäume im Altarraum für festlichen Glanz. Der gedankliche Inhalt der Kantaten IV, V und VI des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach korrespondierte deshalb vorzüglich mit dem Ambiente des Kirchenraums. Aus guten Gründen stand dort die Krippe mit dem Jesuskind, dem die Heiligen Drei Könige musikalisch ihre Aufwartung machten.

Schwungvoll, aber auch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl dirigierte Helene von Rechenberg das Konzert und sorgte für einen herausragenden Abend. Fachlich höchst kompetent hatte sie ihren Kirchenchor St. Joseph monatelang einstudiert und wieder einmal zur Höchstleitung getrieben. Der geistige Inhalt war ihren Damen und Herren stets präsent, und in der Passage „Ehre sei dir, Gott, gesungen“ verliehen sie ihm kräftigen Ausdruck.

Deutsches Radio Kammerorchester feinfühlig und stilsicher

Mit Kraft, Mut, vor allem aber Können hielten die Chorleute dem Schnauben der „stolzen Feinde“ stand. Ergreifend war, wie Helene von Rechenberg den tiefgläubigen Sinn der von Bach brillant komponierten Choräle interpretierte. Bei „Jesus richte mein Beginnen“ oder „Ich steh an deiner Krippen hier“ herrschte im Publikum andächtiges, fast mystisches Schweigen.

Das Deutsche Radio Kammerorchester legte wunderbar feinfühlig und stilsicher das instrumentale Fundament der Aufführung. Konzertmeister Walter Schreiber, der früher bei den Berliner Philharmonikern und im WDR-Sinfonieorchester spielte, hatte sein Ensemble exzellent im Griff.

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Helene von Rechenberg
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Mechthild Kiendl

Schwierigste Koloraturen mit Bravour bewältigt

Ausgezeichnete Gesangssolisten übernahmen die Rezitative und Arien des Bachschen Meisterwerks. Schwierigste Koloraturen bewältigten sie mit Bravour. „Nur ein Wink von seinen Händen“ sang Mechthild Kiendl (Sopran), und ihre strahlende, klare und warme Stimme schien sie buchstäblich von dort bezogen zu haben. Mit der Arie „Flößt mein Heiland“ berührte sie die Zuhörer besonders, und Elsa Kodeda (ebenfalls Sopran) sorgte in der Echo-Arie für einen wohl geformten Nachhall. In der Terzetto-Arie „Ach, wenn wird die Zeit erscheinen, wenn“ ließ die Altistin Victória Real durch einen seidigen, tragfähigen Ton aufhorchen.

Das historische Geschehen nach Christi Geburt beschrieb der Tenor Sebastian Köchig mit hell-klingendem, wunderschönen Timbre. Frappierend war, wie bewunderswert exakt Walter Schreiber und ein Geiger-Kollege sowie der Sänger Köchig die fast akrobatischen Koloraturen der Arie „Ich will nur dir zu Ehren leben“ bewältigten. Mit seiner sonoren, trefflich sitzenden Stimme komplettierte der Bassist Eric Fergusson das Gesangsquartett. Dezent und innig gestaltete er die Arie „Erleucht auch meine finstre Sinnen“.

Die Konzertbesucher zeigten sich tief berührt von der großartigen Musik Johann Sebastian Bachs und den darin enthaltenen Mutmachern („Ich will dich mit Lust umfassen“). Lang anhaltender Beifall war der Dank an alle Mitwirkenden, vor allem die Leiterin Helene von Rechenberg, für eine glänzend gelungene und imponierende Aufführung.

Quelle Titelbild: Christian Binder
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Ferdinand Goslich

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