Von vorOrt.news

"Aktueller denn je"

Hippie-Ausstellung im Tutzinger Keller zeigt viele Bezüge zur Gegenwart - Heute Finale

Hippie1.jpg
Bunt, ideenreich, aktuell: Walter Hoffmann (li.) und Dieter de Harju in ihrer Ausstellung © L.G.

Die Hippies sind aktuell wie eh und je. Dieses Gefühl kann man im „Tutzinger Keller“ haben. Im Anblick einer Ausstellung unter dem Namen „Hippie your Life“ dort geraten viele Besucher ins Schwärmen, schwelgen in Erinnerungen, sehen aber durchaus auch viele Bezugspunkte zur aktuellen Zeit. Wer noch nicht dabei war, sollte sich sputen: Am heutigen Sonntag ist das Finale dieses Sprungs ins Lebensgefühl der späten 1960-er und frühen 1970-er Jahre, den die beiden Tutzinger Künstler Dieter de Harju und Walter Hoffmann ideenreich organisiert haben.

Der Journalist Walter Hoffmann, mittlerweile 70, schildert seine persönliche Motivation so: „Aus Spaß an der Freude.“ Es gehe darum, „das Leben etwas bunter zu machen, ganz im Sinne von Flower-Power“, sagt der begeisterte Fotograf, der Hippie-Bilder aus seiner Jugend auf eindrucksvolle Weise verfremdet hat. „Hippie sein bedeutet nicht nur die Art und Weise, wie man sich kleidet und benimmt“, sagt Dieter de Harju (65), der in Tutzing als Psychologe, Soziologe und Buchautor tätig ist. Hippie sein bedeute eine bestimmte Lebenseinstellung, die sich nicht an dem vorgegebenen Standard gesellschaftlicher Formen anpasse. Es sei eine freiheitliche, selbstbestimmte Haltung zum Leben und die selbstverantwortliche Gestaltung des eigenen Lebens. Für de Harju sind Hippies auch „eine Inspirationsquelle“.

Hippie5.jpg
Inspirationsquelle Hippies: Eine Collage im Tutzinger Keller © L.G.
Anzeige
Banner-Jan26-gif.gif
Leben ist das einig wahre Kunstwerk Dieter de Harju
Hippie2.jpg
Ein völlig andersartiger Lebensentwurf: Blick in den Höhepunkt der Hippie-Welle © L.G.

Hoffmann hat nicht vergessen, wie er zum ersten Mal mit Hippies in Berührung kam. Auf einer Reise in den Orient habe er als 20-jähriger Gymnasiast bunt gekleidete junge Leute aus England, USA, Frankreich und vielen anderen Ländern kennengelernt, deren Reiseziel Indien war: „Die freundlichen Hippies faszinierten mich insbesondere wegen ihrer Musik, ihrer exotischen Gewänder, ihrer Freiheit und Freizügigkeit und wegen ihres völlig andersartigen Lebensentwurfs im Vergleich zu dem, was man in den 50-er und 60-er Jahren im aufstrebenden Nachkriegsdeutschland gelehrt hatte.“

Das Leitmotiv gegen den Vietnamkrieg, die Rassendiskriminierung und das amerikanische Spießertum der 50-er und 60er-Jahre sei „Love and Peace“ gewesen, erinnert de Harju. Ebenso habe dies in Europa und Asien zur Hippie-Bewegung geführt: „Nicht mehr so zu leben wie die Eltern - einen anderen Lebensstil., eine andere Lebenskultur als die vorgegebene, die beherrschende Realität, der Wunsch nach Selbstbestimmung, raus aus den Restriktionen einer Gesellschaft, die ihre Bürger beherrschen will. Arbeit um zu Leben – nicht Leben um zu arbeiten.“ Hippies seien die Alternativbewegung in Wohn- und Arbeitsweisen, sagt de Harju, der seine Überzeugung so zusammenfasst: „Leben ist das einzig wahre Kunstwerk“.

Aus Spaß an der Freude Walter Hoffmann
Hippie4.jpg
Auch Tina Turner fehlt nicht im Tutzinger Keller © L.G.

Sowohl de Harju als auch Hoffmann sind viel in der Welt herumgekommen. „On the road“ sei er immer wieder auf Mitglieder des internationalen „Stammes der Hippies“ getroffen, erzählt Hoffmann. Sie hätten alle den gleichen Traum vom universellen Glück und Frieden geträumt, ganz im Sinn von John Lennon: „You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one.“

Die beiden Tutzinger Künstler betrachten das alles keineswegs nur mit sentimentaler Nostalgie. Sie wollen eine Bewegung heraufbeschwören, "die heute aktueller denn je ist". Die 68-er und 69-er Protest- und Alternativbewegungen hätten sich allem „gegen das verknöchterte Establishment und den Kapitalismus“ gerichtet, sagte de Harju, „in Deutschland vor allem gegen den Muff und Mief der Bürokratie, in der Nazis ihr Leben weiter lebten.“ Kampf für eine Demokratisierung der öffentlichen Institutionen und der Gesellschaft als Ganzes, folgert er: „Da gibt es noch Einiges zu tun!“

Am Freitag nächster Woche, dem 14. September, um 17 Uhr startet im oberen Gastraum des „Biomichls“ in der Weilheimer Pütrichstraße eine weitere Ausstellung von de Harju mit dem Titel „Augen-Blicke“.

Hippie6.jpg
In der Kunst fand die Hippie-Bewegung vielfältige Ausdrucksformen © L.G.
ID: 1126
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.