Kultur
24.3.2026
Von Lorenz Goslich

Energie, Spielfreude und große Bühnenpräsenz

Lang anhaltender Applaus für Kafkas "Process" im Tutzinger Kulturtheater - Dritte Vorstellung am Freitag

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So viel Herzblut, so viel Hingabe – und am Ende ein Premierenabend, der genau das spürbar machte. Was Ali Akbaba und das Ensemble der Theatergruppe Tragaudion in den Proben erarbeitet haben, entfaltete sich nun mit Energie, Spielfreude und großer Präsenz auf der Bühne. Vom ersten Moment an zog die Inszenierung des Romanklassikers von Franz Kafka das Publikum in ihren Bann und ließ kaum Zweifel daran, dass sich dieser Einsatz gelohnt hat.

Die Neuinterpretation von Kafkas Hauptwerk für die Bühne des Kulturtheaters erwies sich am vergangenen Samstag als eindrucksvolles Ereignis, das dem Stück eine ebenso zeitgemäße wie beklemmende Aktualität verlieh. Vor fast ausverkauftem Haus und einem sichtlich erwartungsvollen Publikum entfaltete sich ein Abend, der die Grenzen zwischen klassischem Stoff und moderner Inszenierung kunstvoll verschwimmen ließ.

Bereits die reduzierte, fast sterile Bühnenästhetik setzte den Ton und spiegelte die innere Zerrissenheit der Hauptfigur wider. Ali Akbaba verzichtete bewusst auf konkrete Verortung und ließ so Raum für Interpretation – „Der Process“ wurde zum universellen Zustand, zur Metapher für Ohnmacht in einem undurchdringlichen System. Der Kern des Originals blieb stets spürbar: das Gefühl der Ausgeliefertheit gegenüber einer anonymen, ungreifbaren Macht.

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Besonders hervorzuheben ist die darstellerische Leistung des Ensembles. Jan Björn Potthast verkörperte die Figur des Josef K. mit einer Intensität, die das Publikum unmittelbar in seinen Strudel aus Verwirrung, Trotz und schleichender Resignation hineinzog. Auch die anderen Darsteller überzeugten durch präzises Spiel, das zwischen Groteske und Bedrohung balancierte – ganz im Sinne Kafkas.

Diese Aufführung von „Der Process“ hat eindrucksvoll gezeigt, dass Kafkas Themen nichts von ihrer Relevanz verloren haben – im Gegenteil: In einer Welt zunehmender Komplexität und Unsicherheit wirken sie aktueller denn je.

Das Publikum des Kulturtheaters reagierte mit lang anhaltendem Applaus und sichtlicher Begeisterung. Ali Akbaba und dem Ensemble ist es gelungen, ein literarisches Meisterwerk für die Gegenwart neu zu denken.

Für alle, die das Stück am Wochenende verpasst haben: Die letzte Aufführung von „Der Process“ im Kulturtheater ist am Freitag dieser Woche, 27. März um 19:30 Uhr.

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Über den Autor
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Lorenz Goslich

Wirtschafts- und Lokaljournalist, Diplom-Kaufmann, Dr. oec. publ. Schreibt für diverse Medien und liebt seinen Heimatort Tutzing.

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