Schloss Tutzing, malerisch am Starnberger See gelegen, beherbergt eine Vielzahl historischer Kunst- und Kulturgüter. Doch woher stammen diese Objekte? Wer hat sie vorher besessen? Und gibt es Hinweise auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kunst?

In einem Vortrag gibt die Kunsthistorikerin und Provenienzforscherin Dr. Kerstin Holme am Freitag im Rahmen der Tutzinger Kulturnacht Einblicke in ihre laufenden Untersuchungen zur Herkunft der Kulturgüter im Schloss. Gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, konzentriert sich ihre Forschung auf den Zeitraum von 1930 bis 1949. Zu dieser Zeit war das Schloss Eigentum des jüdischen Kunstsammlers Marczell von Nemes, später war es im Besitz der Industriellenfamilie Hackelsberger und wurde schließlich 1940 von der Familie Kaselowsky/Oetker erworben. Ziel des Provenienzforschungsprojekts ist es, mögliche NS-Raubkunst aufzudecken und die komplexen Besitzverhältnisse jener Zeit zu rekonstruieren.
Die Provenienzforschung gleicht oft einer Detektivarbeit: Durch die Untersuchung historischer Auktionskataloge, Archivquellen und Zeitzeugenberichte sowie durch Rückseitenautopsien konnten bereits bedeutende Erkenntnisse gewonnen werden – doch viele Fragen bleiben offen. Einige Kunstwerke und Möbelstücke lassen sich bislang nicht eindeutig zuordnen, und neue Funde geben weitere Rätsel auf.
Die promovierte Kunsthistorikerin Kerstin Holme verantwortet seit Herbst 2022 das Provenienzforschungsprojekt „Schloss Tutzing“ der Evangelischen Akademie Tutzing. Sie berichtet am Freitag über die spannendsten Entdeckungen ihrer Forschung, darunter zwei einzigartige Kaulbach-Zeichnungen, ein mysteriöses Gemälde aus dem späten 16. Jahrhundert und bisher unerkannte Provenienzspuren an historischen Möbelstücken. Der Vortrag zeigt eindrucksvoll, wie akribische Recherchen dazu beitragen können, Licht in die dunklen Kapitel der Kunstgeschichte zu bringen.
Der Vortrag ist Teil des Programms zum Tag der Provenienzforschung, einer Initiative des Arbeitskreises Provenienzforschung e.V., der am 9. April 2025 bundesweit begangen wird. Das Forschungsprojekt wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert.
Unentdeckte Schätze – Die Suche nach NS-Raubkunst im Schloss Tutzing
Vortrag von Dr. Kerstin Holme
Freitag, 4. April 2025 um 19 Uhr
im Rahmen der Tutzinger Kulturnacht
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich
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