Kultur
23.6.2022
Von Ferdinand Goslich

KMV mit neuer Vorstandschaft

Vergangene Beitragserhöhung hat beim Kirchenmusikverein für Probleme mit dem Lastschrifteinzug gesorgt

Bei der Jahresversammlung des Kirchenmusikvereins Tutzing (KMV) hat es am Dienstag eine Überraschung gegeben, mit der in dieser Weise niemand gerechnet hatte. Laut Einladung waren die Mitglieder aufgerufen, eine Kandidatur für die Vorstandschaft in Erwägung zu ziehen. Denn es sah so aus, dass der Vorstand fast oder sogar ganz neu besetzt werden müsste. Da meldete sich Klaus Feldhütter und sagte: „Wir haben ein neues Paket geschnürt und würden einen kompletten Neuanfang vorschlagen.“

Johannes Berlinger neuer Vorsitzender

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Drei Mitglieder der neuen KMV-Vorstandschaft (v.l.): Klaus Feldhütter (2. Vorsitzender), Johannes Berlinger (1. Vorsitzender) und Willi Stöhr (Beisitzer) © FG

Daraufhin wurden bei der nach drei Jahren anstehenden Neuwahl folgende Kandidaten jeweils einstimmig gewählt: Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm Johannes Berlinger. Er ist Rechtsanwalt, spielt Klarinette, Kontrabass und wirkt in einem Klezmer-Trio mit. Zweiter Vorsitzender wurde Klaus Feldhütter, der viele Jahre die Tutzinger Bauunternehmung gleichen Namens führte. Zum Schatzmeister gewählt wurde Uwe Bieber, der Bankkaufmann ist (er war nicht anwesend). Die Funktion der Schriftführerin übernahm Anne Theiss-Berlinger, die Frau von Johannes Berlinger, die beruflich als Journalistin und Referentin im Burda-Verlag tätig ist (sie war nicht anwesend). Zum Beisitzer wurde Willi Stöhr gewählt. Er war früher u. a. Studienleiter an der Evangelischen Akademie Tutzing, Pfarrer der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau und bis zu seinem Ruhestand Leiter der Evangelischen Stadtakademie in Nürnberg. Die Wahl der Kassenprüfer ergab folgendes Ergebnis: Erster Kassenprüfer Dr. Franz Obermeyr (wie bisher). Zweiter Kassenprüfer Dr. Thomas von Mitschke-Collande (bisher Hans Zapf).

In der Versammlung kam Kritik daran auf, dass die bisherigen Beiräte, deren Aufgabe es ist, die Vorstandschaft zu beraten, nie zu Konsultationen geschweige denn zu Vorstandssitzungen eingeladen wurden. Deshalb erging an die neue Vorstandschaft der Ratschlag, die Beiräte künftig mehr einzubeziehen. Zu Beiräten gewählt wurden Sabine Kippenberg, Prof. Dr. Diemut Köhler-Massinger, Ulrich Graf von Brühl-Störlein und Ferdinand Goslich. Die bisherige Vorstandschaft bestand aus Mark Haslinger (1. Vorsitzender), Sabine Kippenberg (Schatzmeisterin), Elfriede Landmann (Schriftführerin) und Christina Reichler (Beisitzerin).

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Wir haben ein neues Paket geschnürt Klaus Feldhütter, neuer 2. Vorsitzender des Kirchenmusikvereins

Zu Beginn der Versammlung im Gemeindehaus der evangelischen Christuskirche erinnerte der bisherige 1. Vorsitzende des Kirchenmusikvereins, Mark Haslinger, an seinen Stellvertreter, den 2. Vorsitzenden Wolfgang Landmann, der Anfang 2021 gestorben ist. Mark Haslinger wies darauf hin, dass er sein Amt niederlege, weil seine Frau Helene von Rechenberg nun Kirchenmusikerin in Füssen sei und er auch dorthin ziehen werde. Die vergangenen drei Jahre der bisherigen Vorstandschaft (2019-2022) seien wegen der Corona-Pandemie sehr schwierig gewesen, weshalb man keine KMV-Versammlung habe ansetzen können. Zu Beginn 2020 habe der Verein aber einen Neujahrsempfang gegeben, um den Kontakt unter den Mitgliedern zu fördern.

Als besondere Veranstaltungen des KMV stellte Haslinger drei Orgelspaziergänge heraus, die seine Frau Helene von Rechenberg in Tutzing geleitet habe - zwei im Jahr 2020 und einen 2021. Die Gemeinde habe diese Ereignisse organisatorisch unterstützt. Für die Vorstandschaft seien es gewaltige Anstrengungen gewesen. Aber die Reaktionen der Teilnehmenden seien ausgesprochen positiv gewesen. Außerdem habe der Kirchenmusikverein von der Kreissparkasse eine großzügige Jubiläumsausschüttung von 1500 Euro erhalten. 2018 hatte der KMV sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert.

Nicht eingezogene Mitgliedsbeiträge sorgen für Irritationen

Zu längeren Diskussionen kam es, als sich herausstellte, dass nicht alle Mitgliedsbeiträge, wie normalerweise vorgesehen, eingezogen worden waren. Die bisherige Schatzmeisterin Sabine Kippenberg meinte, 2019 habe noch alles ordnungsgemäß geklappt mit dem Beitragseinzug. In den beiden nächsten Jahren seien aber Teile der Beiträge nicht mehr aufs KMV-Konto eingegangen. Mark Haslinger nannte als Grund dafür, dass die KMV-Mitglieder in der letzten Jahresversammlung 2019 beschlossen hätten, den Jahresbeitrag von 24 auf 30 Euro anzuheben. Die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg, bei der der Verein seine Konten hat, habe aber auf die Beitragserhöhung nicht reagiert oder es habe auch geheißen, die betreffenden Vollmachten seien nicht mehr gültig.
Auf die Frage nach den finanziellen Außenständen nannte der 1. Kassenprüfer Dr. Franz Obermeyr die Zahl von 2400 Euro für zwei Jahre.

Dr. Thomas von Mitschke-Collande kritisierte diesen Umstand deutlich und urteilte, dadurch sei dem Verein ein Schaden entstanden. Alfons Mühleck, der früher selbst bei der Kreissparkasse arbeitete, wunderte sich allerdings: „Normalerweise läuft so ein Einzug weiter.“ Auch Obermeyr erklärte, dass eine Bank das Geld weiter abbuche, auch wenn sich der Beitrag geändert habe. Mark Haslinger und Sabine Kippenberg erklärten mehrmals, die Vorstandschaft habe die Mitglieder, deren Beiträge nicht eingegangen sein, zweimal im Jahr gebeten, die fehlenden Beiträge selbst einzuzahlen. Trotz aller Mühen hatte man aber wohl keinen Erfolg damit. Die neue Vorstandschaft solle mit der Kreissparkasse besprechen, ob sie nicht die Außenstände nachträglich einzieht, fügte Obermeyr hinzu.

Die Entlastung der Vorstandschaft war getrübt durch die großen Probleme, die durch die vorausgegangene Beitragserhöhung entstanden waren. Vier Mitglieder sprachen sich dafür aus, den Vorstand zu entlasten. Niemand versagte die Entlastung. Es gab neun Enthaltungen.

Änderungen bei der Geldvergabe

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Musikalische Stützen von Tutzing: Die Orgeln in der katholischen Kirche St. Joseph (links) und in der evangelischen Christuskirche © L.G.

Ein Thema, das früher schon häufig diskutiert wurde und auch diesmal für Gesprächsstoff sorgte, war die Art der Geldvergabe durch den Verein. In den früheren Jahren hatte die Vorstandschaft, etwa orientiert an den Aufwendungen der beiden Kirchengemeinden für Musik, in aller Regel der katholischen Pfarrei zwei Drittel und der evangelischen Gemeinde ein Drittel eines KMV-Jahresbudgets zugeteilt. Die beiden Kirchengemeinden haben es dann ihrerseits für Musiker oder musikalische Zwecke verwendet. Haslinger sagte, in den letzten drei Jahren allerdings habe sich der Vorstand wegen Corona dazu entschlossen, die Auftritte einer Reihe von einzelnen Künstlern in den beiden Kirchen zu fördern.

Helene von Rechenberg ergänzte, dass man ja 2020 und 2021 keine Chorkonzerte und Orchestermessen habe durchführen können. Und für alle freiberuflich tätigen Musiker sei es ganz schwierig gewesen, während der Corona-Zeit überhaupt ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eine Überlegung sei gewesen, sagte Haslinger, dass der Verein „ein Gesicht gewinnt“, wenn er selbst die Musiker fördert. In diesem Verfahren liege aber auch eine gewisse Gefahr, wandten mehrere Teilnehmer ein, dadurch mit dem Finanzamt in Konflikt zu geraten. Obermeyr wies darauf hin, dass es für den Verein oder die Kirchengemeinden „das Minimum“ sei, auf der Quittung an die Künstler aufs Finanzamt hinzuweisen.

Zum Schluss dankte Mitschke-Collande den bisherigen Vorstandsmitgliedern für deren Arbeit, die in der besonderen Zeit von Corona sehr schwierig gewesen sei.

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Ferdinand Goslich

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