Herr Dessauer, vom 3. bis 30. Oktober werden in diesem Jahr die Tutzinger Brahmstage veranstaltet. Was ist beim Jubiläum zu erwarten?
Andreas Dessauer: Das Jubiläums-Musikfestival wird geprägt sein von zwei Komponisten, Brahms und Dvořák, die sich seinerzeit über Grenzen hinweg unterstützt haben, um Neues zu schaffen, so zum Beispiel große Symphonien zu schreiben. Aus diesem Grund wird das Festival am 3. Oktober mit einer Lesung von Korrespondenzen zwischen den Künstlern, begleitet von einem Klavier-Duo, eröffnet, und an den folgenden vier Oktober-Sonntagen werden alle vier Brahms-Symphonien, ergänzt um je eine Dvořák-Symphonie, aufgeführt.
Für die Konzerte konnten die Münchner Symphoniker gewonnen werden, für deren Leitung die mexikanische Dirigentin Alondra de la Parra. Was zeichnet beide aus?
Andreas Dessauer: Die Münchner Symphoniker gehören zu den großen, international bekannten Orchestern. Die künstlerische Herausforderung, in einem relativ kleinen Raum, der katholischen Kirche St. Joseph in Tutzing, acht außergewöhnliche Symphonien von Brahms und Dvořák zur Aufführung bringen, haben sie mit Begeisterung angenommen. Es wird ein musikalischer Genuss für die Zuhörer werden. Die Dirigentin Alondra de la Parra gehört zu den wenigen, denen es gelungen ist, sich international einen Namen zu machen. Wir freuen uns, miterleben zu können, wie sie das in dieser Form einmalige Programm in dem besonderen Konzertraum umsetzen wird.
Christian Lange hat prominente Künstler für Tutzing gewonnen
Geistiger Vater und Gründer der Tutzinger Brahmstage ist Christian Lange, der kürzlich überraschend verstorben ist. Was ist sein besonderer Verdienst gewesen?
Andreas Dessauer: Die Nachricht vom Tod unseres Freundes Christian Lange hat uns sehr betroffen gemacht und mit Traurigkeit erfasst. Christian Lange hat im Jahr 1997, im 100. Todesjahr von Johannes Brahms, mit anderen Musikbegeisterten wie dem damaligen Kirchenmusiker von St. Joseph, Franz Reißner, die Tutzinger Brahmstage gegründet. Seither finden sich alljährlich weltweit gesuchte Künstler, aber auch junge aufstrebende Talente bei dem feinen Festival ein. Christian Lange konnte unter anderem das bekannte Henschel-Quartett, den prominenten Bass-Bariton Franz Hawlata, den Bariton Christian Gerhaher und den jungen Tenor Jonas Kaufmann für einige Aufführungen gewinnen. Mit seiner spektakulären Programmidee, die bisher schon sehr vielfältigen Musikgattungen der vergangenen Konzertreihen mit der Aufführung der vier Brahms-Sinfonien noch zu erweitern, setzt er nun posthum einen wundervollen Glanz- und Höhepunkt ans Ende seiner Ära. Es wird uns ein Herzensanliegen sein, diese 25. Tutzinger Brahmstage ganz in seinem Sinne und in besonderer Würdigung an sein Engagement als musikalischer Leiter dieses Festivals durchführen zu lassen.
Wie für viele andere Festivals, Künstler und Veranstalter liegen auch für die Tutzinger Brahmstage wegen der Pandemie nicht ganz einfache Jahre zurück. Wie konnte sich das Festival in dieser schweren Zeit behaupten?
Andreas Dessauer: Bei den Tutzinger Brahmstagen im Oktober 2020 und 2021 konnten wir viele sehr positive Erfahrungen machen. Das Beste war: Sie konnten stattfinden. Ein außergewöhnliches Engagement des Veranstalters und der Organisatoren machte dies möglich. Um nur zwei Beispiele zu nennen: 2020 war die Nachfrage nach den Konzerten größer, als Besucher in die Konzerträume eingelassen werden durften. Die Künstler haben kurzerhand und bewundernswert zweimal gespielt. 2021 fiel sehr kurzfristig ein Quartett wegen Krankheit aus – und ein anderes reiste für diesen einen Konzertabend von weit an und am selben Tag zurück, um unsere Konzertbesucher in ihre Klangwelt mitzunehmen. Wir sind auch sehr dankbar, dass wie glücklicherweise Förderer und Sponsoren fanden und natürlich unsere Vereinsmitglieder uns unterstützten, ohne die Musikfestivals nicht stattfinden könnten.
Wie das finanzielle Risiko während der Corona-Pandemie minimiert wurde
Hinter den Brahmstagen steht ein Freundeskreis mit lauter ehrenamtlichen Mitstreitern. Wie hat sich dieser Kreis in den vergangenen Jahren entwickelt und welche weiteren Pläne hat er?
Andreas Dessauer: Gerade in den zwei zurückliegenden Jahren, die wegen der Pandemie ein hohes Risiko für Kulturveranstalter mit sich brachten, musste das Team aus Vorstandsmitgliedern und Organisatoren weiter vorausschauen und dennoch flexibler agieren. Um das finanzielle Risiko zu minimieren, wurden zum Beispiel sehr viele Aktivitäten, so Flyer-, Plakat- und Programm-Erstellung, von Vorstandsmitgliedern übernommen. Nun werden die 25. „Tutzinger Brahmstage“ ohne den langjährigen künstlerischen Leiter Christian Lange stattfinden, aber sein großes Vermächtnis werden wir in Dankbarkeit und Anerkennung versuchen weiterzuführen.
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